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Sehenswert sind die Lichteffekte über dem Tegernsee während der Silvesternacht allemal. Die Feuerwerke haben aber auch unerwünschte Nebeneffekte.

Feinstaubbelastung, Müllberge, verängstigte Tiere

Silvester-Böllerei: Immer mehr im Tegernseer Tal fordern Verzicht

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An Silvester gibt’s wieder was auf die Ohren. Rund um den Tegernsee werden Raketen und Böller gezündet. Doch auch die Stimmen derer, die die Knallerei gerne abschaffen würden, werden immer lauter.

Tegernseer Tal – Eine hohe Feinstaubbelastung, Berge von Müll, verängstigte Haus- und Wildtiere: Das sind die Schattenseiten des Silvesterfeuerwerks. Eine Münchner Bürgerinitiative würde die Böllerei zum Jahreswechsel im Stadtgebiet daher am liebsten ganz verbieten lassen. Ein Anliegen, das Angela Brogsitter-Finck nur allzu gut nachvollziehen kann. Die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) ist Sprachrohr einer Initiative, die sich seit gut drei Jahren dem Kampf gegen private Feuerwerke verschrieben hat. Nun, kurz vor Silvester, erneuert sie ihren Appell, die Finger doch bitteschön von den Böllern zu lassen.

Lesen Sie hier: Jetzt versuchen es die Feuerwerks-Gegner mit einem Flyer

„Wir haben noch 300 Faltblätter, die werden wir jetzt unter die Leute bringen“, sagt die Feuerwerks-Gegnerin. In den Broschüren klärt die Initiative über die schädlichen Nebenwirkungen des Lichterzaubers auf. Und viel mehr als Aufklärungsarbeit bleibt den Mitgliedern auch nicht. Denn das Abbrennen von Feuerwerken ist übers Sprengstoffrecht geregelt und somit Angelegenheit des Bundes. „Wir haben Briefe bis nach München und Berlin geschickt, aber einer schiebt dem anderen den Schwarzen Peter zu“, berichtet Brogsitter-Finck. Sie will sich nun mit der neu gegründeten Initiative in München und einer ähnlichen Bewegung in Garmisch zusammentun. Die Festenbacherin glaubt: „Wir müssen uns besser vernetzen, denn nur gemeinsam sind wir stark.“

Dabei steht die Bürgerinitiative mit ihrem Anliegen im Tegernseer Tal nicht mehr alleine da. Die Gemeinde Kreuth, seit diesem Sommer offiziell Bergsteigerdorf, möchte heuer erstmals ganz ohne Knalleffekt auskommen. Rathaus-Chef Josef Bierschneider (CSU) und sein Gemeinderat haben Bürger und Gäste des Ortes dazu aufgerufen, auf das Abfeuern der Kracher zu verzichten.

Die Schattenseite der Böllerei: Ganze Müllberge, wie hier über Tegernsee, bleiben von den privaten Feuerwerken zurück. 

„Verbieten können wir es nicht, aber ich hoffe, dass viele mitmachen“, erklärt Bierschneider. Um eine Alternative zu bieten, lädt die Gemeinde ihre Bürger und Urlaubsgäste in der Silvesternacht ab 22.30 Uhr zu einer gemeinsamen Feier auf das Gelände zwischen Tourist-Info und Kindergarten ein. Um Mitternacht soll’s eine Laser-Show geben. Kreuth, so erklärt Bierschneider, will einen Jahreswechsel der leisen Töne. „Das soll ein Festl für unsere Bürger und Gäste werden, kein Remmidemmi.“

Hier finden Sie den Artikel: Kreuth ist Bergsteigerdorf - Die Feier auf der Königsalm und alle Hintergründe

Ganz so weit geht die Nachbargemeinde Rottach-Egern zwar nicht, aber auch hier ist man sensibler geworden, was das Thema Feuerwerke betrifft. Schon im November hat Bürgermeister Christian Köck (CSU) ein Schreiben an alle Haus- und Hüttenbesitzer in der Sutten rausgeschickt. Darin bittet Köck die Betroffenen, „das Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen jeglicher Art auch an Silvester im Suttengebiet zu unterlassen“. Man könne diesen sensiblen Bereich nicht auf der einen Seite unter dem Titel „Sutten Natur pur“ vermarkten und auf der anderen Seite derart fahrlässig umgehen mit der Umwelt, begründet Köck auf Nachfrage die Initiative. In dem Landschaftsschutzgebiet gebe es viele geschützte Vögel und Wildtiere, die durch die Knallerei in ihrer Winterruhe gestört würden.

Ursprünglich hatte Gemeinderätin Johanna Ecker-Schotte (FWG), zugleich Vorsitzende des Tierschutzvereins Tegernseer Tal, diesen Schritt angeregt. „Ich war schockiert über die Hinterlassenschaften der Feuerwerke, die ich noch im Mai im Suttengebiet vorgefunden habe“, sagt sie. So etwas gelte es künftig in jedem Fall zu vermeiden. 

Video: So reagieren kleine Kinder auf Feuerwerk

Auch interessant: Beim Winter-Seefest gibt‘s nur ein leises Feuerwerk

Feiern ohne Böllern. Auch auf Gut Kaltenbrunn hat man sich auf dieses Motto verlegt. Zwar wirbt die Gastronomie von Michael Käfer mit der „wahrscheinlich größten Silvesterparty im Tegernseer Tal“, geschossen wird hier aber nicht, versichert Kaltenbrunn-Geschäftsführer Maximilian Hartberger. „Da sind wir ziemlich straight, auf dem ganzen Gut ist kein Feuerwerk zugelassen“, erklärt er auf Nachfrage. Die Gäste, die bei der Party im Rinderstall dabei sind, würden eigens darauf hingewiesen.

Keinen Einfluss haben die Betreiber auf all jene, die von außerhalb zum Hügel in Kaltenbrunn kommen, um dort den Jahreswechsel zu erleben. Da könnte natürlich der eine oder andere einen Böller dabei haben, meint Hartberger. Der Hügel ist beliebt – schließlich lässt sich von hier aus der Blick auf die Feuerwerke rund um den See besonders gut genießen. Die leisen Töne werden heuer nämlich vermutlich (noch) die Ausnahme bleiben.

In Holzkirchen könnte sich der Bürgermeister ein zentrales Feuerwerk durchaus vorstellen. Ein Vogelschützer warnt derweil vor den tödlichen Folgen des Feuerwerks.

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