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An seinem Schreibtisch in Tegernsee: Walter Rottenfußer hat als neue Notar den Bezirk übernommen. 

Stabwechsel

Warum ein Franke Notar in Tegernsee geworden ist

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Der promovierte Jurist Walter Rottenfußer ist der neue Notar am Tegernsee. Für den Nürnberger ist es die absolute Wunsch-Station. Und sein Amt ein ganz besonderes.

Tegernsee – Sein Alter verrät Walter Rottenfußer lieber nicht. „Sonst heißt es, Alter schützt vor Torheit nicht“, schmunzelt er. Dass er sein Notariat in Nürnberg, eines der größten in Nordbayern, verlassen hat, um nach Tegernsee zu wechseln, könnte mancher für ein Torheit halten. „Aber mir gefällt es hier sehr“, sagt Rottenfußer.

Er ist in Nürnberg geboren und aufgewachsen, hat dort studiert und promoviert. 1984 übernahm er das Notariat in Ludwigstadt, 1993 wechselte er nach Nürnberg. Das Oberland kennt er schon lange. Seit 1981 ist er als Ausbilder immer wieder nach Fischbachau gefahren. Ins Tegernseer Tal kam er 2014 unter wenig glücklichen Umständen. Der Jurist musste eine Sportverletzung auskurieren und entschied sich für die Wiesseer Klinik Medical Park St. Hubertus. „Da habe ich mich so richtig in die Gegend verliebt.“

Seine Chance kam, als sich der Tegernseer Notar Wilfried Schwarzer Ende Mai in den Ruhestand verabschiedete. Die Stelle wurde ausgeschrieben, Rottenfußer bewarb sich um das Amt. Er war nicht alleine. „Das Tegernseer Notariat ist eines der beliebtesten in Bayern“, sagt Rottenfußer. Den Zuschlag erhält der Kandidat mit den meisten Dienstjahren. Und so konnte Rottenfußer an den Tegernsee ziehen. „Es war ein Glücksfall, dass ich gleich eine Wohnung gefunden habe.“

Die Eingewöhnung fiel ihm nicht schwer. Das Notariat hat großzügige Räume über der Niederlassung der Kreissparkasse in Tegernsee. „Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich den Rathaus-Balkon, den See und die Berge. Das erleichtert die Arbeit“, meint Rottenfußer. Sein Team hat er vom Vorgänger übernommen. Neun Mitarbeiter sind es und zwei Ober-Inspektoren. Der Bezirk umfasst die fünf Tal-Gemeinden und Waakirchen. In diesem Gebiet darf sich kein anderer Notar ansiedeln. Die Zuweisung ist Sache des Justizministers, der den Vorschlägen der Landesnotarkammer folgt. „Durch dieses System ist die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Notaren gewährleistet“, erklärt Rottenfußer. Wäre es anders, würde es in München vor Notaren nur so wimmeln, während in dünn besiedelten Gebieten kein einziger zu finden wäre. Denn der Notar ist zwar Träger eines öffentlichen Amts, aber doch Freiberufler. Sein wirtschaftlicher Erfolg hängt von der Zahl der Kundschaft ab. Und vom Gegenstandswert. Je teurer ein Grundstück ist und je mehr es zu vererben gibt, desto höher sind die Notargebühren. Doch während der Notar sich seinen Sitz nicht aussuchen kann, hat der Mandant die Wahl. Ganz unabhängig vom Wohnsitz kann er sich an ein beliebiges Notariat wenden. „Das ist Vertrauenssache“, weiß Rottenfußer.

Der Notar ist nah dran am Menschen. Es gilt, den Willen des Mandanten richtig wiederzugeben und in eine rechtssichere Urkunde zu gießen. Macht der Notar einen Fehler, haftet er mit seinem Vermögen. „Ich bin natürlich versichert. Bis zu 25 Millionen Euro im Einzelfall“, berichtet Rottenfußer.

An seinem neuen Arbeitsplatz geht es deutlich ruhiger zu als im hektischen Nürnberger Notariat. Das hatte sechs Beurkundungszimmer. „Da bin ich den ganzen Tag von Zimmer zu Zimmer gelaufen, wie ein Zahnarzt“, sagt Rottenfußer. In Tegernsee sei zwar gut zu tun, aber es bleibe viel Zeit für die individuelle Betreuung. Das werde auch von den Mandanten geschätzt. „Viele kommen aus München hierher.“

In Nürnberg waren seine Kunden oft Bauträger, es gab viel im Bereich Gesellschaftsrecht und Aktienrecht zu regeln. In Tegernsee liegen die Schwerpunkte anders. Neben Immobilien und Erbrecht sind Vorsorgevollmachten ein großes Thema. „Die kann man in jedem Alter nur empfehlen“, meint Rottenfußer.

Freude an der Veränderung, hat der Franke schon immer gehabt. Aber zumindest beruflich wird Tegernsee seine letzte Station sein. Nur etwas fehlt dem begeisterten Segler: sein Boot. „Ich suche noch nach einem Liegeplatz“, sagt er. Darum fährt er in seiner Freizeit nun von Tegernsee ins Frankenland: Sein Schiff ankert noch am Großen Brombachsee.

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