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Dieses Schild warnt Badegäste in der Schwaighofbucht vor den Gefahren des Schlamms. 

Behörde gibt Stellungnahme ab

Schwaighofbucht: Wasserwirtschaftsamt lehnt Schlammbeseitigung ab

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) sieht „keine Rechtsgrundlage für eine Schlammbeseitigung in einem See“. Das machte die Behörde jetzt in einer Stellungnahme zur Tegernseer Schwaighofbucht deutlich.

Tegernsee – Kann der Schlamm in der Schwaighofbucht in Tegernsee mit chemischen oder mikrobiologischen Stoffen beseitigt werden? Der Verein „Rettet den Tegernsee“ hatte die Debatte darüber schon im Oktober 2018 ins Gespräch gebracht. In Folge kam es sogar zu einem Workshop mit Verein, Stadt und Behörden und in Folge zu dem mehrheitlichen Beschluss, wonach sich das Umweltministerium der Sache annehmen solle.

Das Thema dümpelt seither vor sich hin, doch wegen der Corona-Krise hat nun auch der Verein den Dampf herausgenommen. Vorsitzender Andreas Scherzer hat inzwischen feststellen müssen, dass sich die Lage verändert habe: Der Schlamm sei ein Luxusproblem gewesen, als noch Geld da war, räumte Scherzer vor Kurzem ein. Er legte die Unterschriftenaktion für ein Bürgerbegehren sogar auf Eis.

Fachstellen: Verlandung der Schwaighofbucht ein „natürlicher Prozess“

Am Rande der jüngsten Stadtratssitzung überraschte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) jetzt mit einem Schreiben des Wasserwirtschaftsamts Rosenheim. Darin teilt das WWA seine Einschätzung der Lage mit und auch die des Landesamts für Umwelt, das wiederum vom Umweltministerium mit einer Beurteilung beauftragt worden war. Demnach teilt das Landesamt für Umwelt die Auffassung des WWA, wonach die Verlandung der Schwaighofbucht ein natürlicher, fortschreitender Prozess sei. Um die Nutzung als Badebucht aufrecht zu erhalten, wären regelmäßige Maßnahmen erforderlich.

Lesen Sie hier: Bürgerbegehren zur Schwaighofbucht: Rathaus-Chef wehrt sich gegen Vorwurf der Untätigkeit

Was die Entschlammung mittels chemischer oder biologischer Mittel betrifft, so müsse nach Ansicht des Ministeriums zunächst die Wirksamkeit dieser Oxidationsmittel untersucht werden, da die Angaben des Herstellers nicht ausreichend seien. Zudem wird in dem Brief bezweifelt, ob das Sediment, das laut einer Untersuchung aus dem Jahr 2005 aus Zweigen und Blättern besteht, überhaupt oxidiert werden kann.

Bei der Anwendung von Oxidationsmitteln könnten gebundene Schwermetalle freigesetzt werden, heißt es. Frei werdender Phosphor könnte etwa das Algenwachstum in der Bucht kurzzeitig fördern. Auch das, so zitierte Hagn aus dem Schreiben, müsse untersucht werden. Laut WWA sei der Verlandungsbereich in der Schwaighofbucht „besonders schützenswert“. Daher werde vielmehr angeregt, den Uferbereich in dieser Richtung aufzuwerten.

Fischer und Naturschützer wollen keine chemischen Stoffe in der Bucht

Das Einbringen von chemischen Stoffen, so heißt es in dem Schreiben weiter, mache ein wasserrechtliches Genehmigungsverfahren erforderlich. Dafür müssten die Fischerei, der Naturschutz und die Eigentümerin des Sees, also die Schlösser- und Seenverwaltung, beteiligt werden. „Im Vorverfahren haben bereits die Fischer und der Naturschutz Nein gesagt“, so Hagn. „Die Antwort der Seenverwaltung steht noch aus.“

Schwaighofbucht: Lässt sich der Schlamm einfach zersetzen?

Untersucht werden müsste auch die Sedimentszusammensetzung, also die Tiefe und der dortige Schadstoffgehalt. Dann müsste die ökologische Wertigkeit der Ablagerungen untersucht werden und damit die Frage, ob ein Eingriff gerechtfertigt und sinnvoll sei. Dafür sei ein Gutachten nötig. Falls man sich zu Maßnahmen entschließen würde, heißt es in dem Schreiben weiter, sei ein Feldversuch nötig – Messungen vor, während und nach der Maßnahme.

Hagn erinnerte an den Beschluss des Stadtrats vom 12. März 2019, wonach das Umweltministerium für das Gewässer zuständig sei. Damals hätte das Gremium auch beschlossen, dass das Ministerium diese Untersuchungen durchführen solle. Sollte es nicht dazu kommen, sollte wenigstens eine ökologische Aufwertung des Uferbereichs erfolgen, um die Nutzung dort zu ermöglichen.

Bürgermeister: „Dieses Schwarze-Peter-Spiel geht gar nicht“

Hagn fasste zusammen, dass das Wasserwirtschaftsamt keine Notwendigkeit für die Maßnahme sehe. „Die spielen den Ball zurück an die Stadt“, sagte Hagn und wurde noch deutlicher: „Dieses Schwarze-Peter-Spiel geht gar nicht. Wir haben einen eindeutigen Beschluss, wonach sich das Umweltministerium entscheiden muss, ob es tätig wird oder nicht.“ Die Stadt habe genug Zeit und Geld investiert.

Für Andreas Obermüller (FWG) war der Fall klar: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Substanz 60.000 Tonnen Schlamm beseitigen kann. Das ist eine übertriebene Werbeaussage der Herstellerfirma.“ Er halte die Maßnahme ökologisch nicht für vertretbar und den Weg nicht für gangbar. Hagn versicherte, weiter nachzuhaken und den Stadtrat wieder zu informieren.

Wie geht’s nun weiter? „Die Entschlammung in die Hand zu nehmen, ist nicht unsere Aufgabe“, wiederholt WWA-Chef Paul Geisenhofer auf Nachfrage. „Es gibt keine Rechtsgrundlage für eine Schlammbeseitigung in einem See.“ Eine solche Maßnahme sei zwar an kleineren Weihern und Badeteichen bereits vorgenommen worden, aber nicht in einem großen See. Er habe erhebliche Zweifel, ob das überhaupt funktionieren könne. Sollte nun an eine Renaturierung des Bereichs gedacht werden, so Geisenhofer, „dann würden wir uns wieder im Boot sehen“.

gr

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