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Rigorose Maßnahme: Außerhalb der Öffnungszeiten ist die Neureuth-Terrasse dicht. Auf einer Tafel am Zugang steht die Begründung.

„Wissen nicht mehr, wie man sich am Berg verhält"

Wegen Saubären: Hüttenwirte sperren ihre Terrassen ab

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Tegernsee - Leere Sektflaschen und kaputte Tische: Weil sich Wanderer kräftig daneben benehmen, greifen Wirte am Tegernsee zu drastischen Mitteln. Die Bergtouristen sind nicht begeistert.

Regelmäßig marschiert oder radelt Markus R. aus Gmund (Name geändert) auf die Neureuth. Zuletzt will er mit seiner Frau dort den Sommer-Sonnenuntergang über den Tegernseer Bergen erleben. Doch was er zu sehen bekommt, hat ihn zunächst ziemlich geärgert: Die Terrasse der Gaststätte ist gesperrt, mit einer Holzlatte und einer Tafel abgeriegelt: 

„Aufgrund täglicher Verschmutzung unserer Terrasse sehen wir uns gezwungen, diese außerhalb unserer Öffnungszeiten zu sperren“ steht da geschrieben. 

„Ja spinnen die jetzt total am Tegernsee“, denkt sich der 50-Jährige und sieht sich in seinem Bild von bisweilen nicht besonders kundenfreundlichen Gastwirten im Tal bestärkt. Er sei viel in den Bergen unterwegs, in Südtirol und Österreich, „aber so ein Schild hab’ ich noch nie gesehen.“

"Jeden Morgen Sektflaschen, Müll und Kerzenwachs"

Barbara Nirschl, die das Gasthaus der Stadt Tegernsee zusammen mit ihrem Mann Thomas Gigl seit drei Jahren betreibt, kann alles erklären: Es sei unerträglich geworden, wie sich manche Gäste heutzutage aufführen, sagt Nirschl. „Jeden Morgen mussten wir Sektflaschen und Müll zusammenklauben und Kerzenwachs von den Tischen kratzen.“ 

Mountainbiker trampeln neue Tische kaputt

Damit nicht genug: Mountainbiker würden mit ihren Klick-Schuhen sogar auf den neuen Tischen herumtrampeln und dort tiefe Abdrücke hinterlassen, „wahrscheinlich nur, um ein tolles Panoramafoto hinzukriegen. „Wir lassen uns das hier doch nicht kaputt machen!“, stellt die Wirtin klar. Davon abgesehen, müssten die Wirtsleute den Müll selbst entsorgen und mit dem Traktor ins Tal fahren.

Wirtsleute müssen Müll selbst ins Tal fahren - Neureut kein Einzelfall

Die Neureuth ist kein Einzelfall. Auch in der Berggaststätte Riederstein am Galaun haben die Wirtsleute inzwischen durchgegriffen. Eine der beiden Terrassen, die insgesamt 300 Leuten Platz bieten, ist daher mit einem Plastikband abgeriegelt. „Vor allem dienstags, wenn Ruhetag ist, hatten wir Probleme“, sagt Franz Wagner jun., der Sohn der Wirtsleute Elisabeth und Franz Wagner. Seit 13 Jahren betreiben sie das Gasthaus. 

"Das ist doch ein Saustall"

Die Eltern wohnen im Haus und erleben mit, wie die Wanderer am Ruhetag und abends die Reste ihrer Brotzeiten einfach liegenlassen. „Das ist doch ein Saustall“, findet Wagner. Die Aueralm, drüben auf Wiesseer Seite würde inzwischen ebenfalls einen Riegel vorschieben.

Alpenverein hat andere Probleme: die Downhill-Mountainbiker

Otto Parzhuber, Vize-Vorsitzender der Alpenvereinssektion Tegernsee, hört von den Terrassen-Sperrungen zum ersten Mal. „Natürlich gehen immer mehr Leute in die Berge“, sagt Parzhuber. Er finde es aber schade, dass die Wirte „wegen einem Prozent der Gäste, die sich daneben benehmen“, gleich zu drastischen Maßnahmen greifen. Seiner Erfahrung nach gebe es ganz andere Probleme, die ihm derzeit Sorgen machen: „Etwa der Konflikt zwischen rücksichtslosen Downhill-Radlern und Wanderern.“ Oder auch die Zunahme der E-Biker im Gebirge.

Verhalten der Leute im Gebirge grundsätzlich verändert

Die Neureuth-Wirtin glaubt, dass sich das Verhalten der Leute im Gebirge grundsätzlich verändert habe. „Viele wissen einfach nicht, wie man sich da verhält.“ Dass man eben seinen Müll wieder selbst hinuntertragen sollte. Montags, wenn sie an ihrem freien Tag selbst zum Wandern gehe, müsse sie erschreckend feststellen, „was da alles herumliegt.“

Sonnenuntergang gibt's nur noch neben der Terrasse

Die meisten Gäste hätten sich mit der rigorosen Maßnahme arrangiert, betont Nirschl. Sie müssen nun, wenn sie über die Forststraße oben ankommen, zunächst das Gasthaus umrunden und dann auf einer der Bänke Platz nehmen, die mit Blick gen Westen aufgestellt wurden. „Hier kann man den Sonnenuntergang auch schön sehen“, sagt die Wirtin. Und ihre Terrasse bleibt damit sauber. Markus, der Bergsportler aus Gmund, hat inzwischen sogar Verständnis. „Wenn ich das alles so höre, dann hat die Wirtin sogar Recht.“

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