In Seeglas Tegernsee Gmund tummelten sich die Badegäste auf dem Steg.
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In Seeglas tummelten sich die Badegäste auf dem Steg.

Andrang auf Naturstrände

Wenn der Abstand in der Sonne schmilzt

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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In der sommerlichen Hitze waren die Strände am Tegernsee voll, ebenso die Biergärten. Mit den Corona-Regeln ist das schwer in Einklang zu bringen.

Tegernseer Tal – „Der Andrang war gewaltig, da müssen wir ehrlich sein“, sagt Rottachs Bürgermeister Christian Köck (CSU). An den heißen Tagen der vergangenen Woche zog es alle ans Wasser: Urlauber, Tagesausflügler, Einheimische. Das Tegernseer Tal ist im Corona-Sommer 2020 voller denn je. Viele machen jetzt lieber in Deutschland Urlaub, andere fahren erst gar nicht weg. In den Freibädern lässt sich die Lage dennoch gut im Griff behalten: Dort gelten Zugangsbeschränkungen. Sicherheitshalber reizt die Gemeinde Rottach-Egern ihre Möglichkeiten gar nicht aus. 900 Besucher wären aufgrund der Grünfläche im Warmbad erlaubt, 500 lässt die Gemeinde zu. „Weil es sonst im Becken zu eng werden könnte“, erklärt Köck.

Appell an die Eigenverantwortung der Besucher

An den vielen Badeplätzen rund um den See sieht es anders aus. Dort stehen Schilder, die auf die Hygiene- und Abstandsregeln hinweisen. Sie einzuhalten, liegt in der Eigenverantwortung der Besucher. „Wir haben auch keine Möglichkeit gesehen, das anders zu regeln“, meint Köck. An den Naturbadestränden gibt es keine Parzellen oder Absperrungen, sondern nur den Appell an die Badenden, selbst auf den Abstand zu achten. Die Realität zeigt: Je heißer die Sonne, desto lässiger werden die Corona-Regeln gehandhabt. „Man kann nicht hundertprozentig damit zufrieden sein, wie es gelaufen ist“, findet Köck. Er fürchtet, dass der Bumerang noch kommt.

Kontrolliert werden die Abstandsregeln von der Polizei. Er danke dem Wiesseer Polizeichef Thomas Heinrich und seinem Team für ihr Engagement, sagt Köck: „Sie tun das Mögliche.“

Polizei Bad Wiessee kontrolliert auch vom Boot aus

Das Mögliche heißt: Die Polizei Bad Wiessee und auch Unterstützungskräfte haben bei ihren täglichen Streifen die Seeufer im Visier. „Wir machen aber keine Bade-Patrouillen“, meint Heinrich. Die bekannten Bereiche wie Seeglas, Popperwiese, Point und Hubertusstrand werden wie gewohnt zu Fuß oder auch per Boot kontrolliert. Fällt ein Verstoß auf, zeigt die Polizei den Vorfall an und gibt ihn ans Landratsamt weiter. Heinrichs Eindruck: Die Disziplin, die Regeln einzuhalten, geht allgemein zurück. „Es verwässert“, meint Heinrich.

Blick von oben: Die so genannte Popperwiese in Rottach-Egern.

Die Polizei rückt auch aus, wenn ein konkreter Verstoß gemeldet wird. Häufig ist das bei Gaststätten der Fall. Bräustüberl-Wirt Peter Hubert etwa hatte in den vergangenen Wochen öfter die Polizei im Haus. Meist geht das so: Der Gast lässt sich bewirten und ruft dann die Polizei. „Es nervt mich“, sagt Huber. Er könne nicht mehr tun, als alle vorgegebenen Corona-Regeln nach Kräften bestmöglich umzusetzen. „Ich musste auch noch nie ein Bußgeld bezahlen“, macht Hubert klar.

Sundowner an der Marina Tegernsee

Huberts Problem: „Den meisten Gästen sind die Corona-Regeln wurscht.“ Da komme ein Burschenverein mit Bus und Blasmusik angefahren, Goaßlschnalzer rückten im Pulk an und wollten die Goaßln vor dem Bräustüberl knallen lassen. Verweise das Personal auf die Corona-Regeln, bekomme es von den anderen Gästen etwas zu hören: „Dann heißt’s, lasst die doch. Is’ doch so schee.“

Bräustüberl-Wirt: „Den meisten Gästen sind die Corona-Regeln wurscht“

Ein täglicher Eiertanz, der sich auch auf Facebook niederschlägt. Zuletzt postete das Bräustüberl-Team unter der Überschrift „Wochenende am schönsten Platz der Welt“ ein Foto des gut besetzten Bräustüberl-Biergartens. Inzwischen stehen 150 Kommentare unter dem Post. In vielen werden empört mangelnde Abstände moniert. Auch bei unserer Zeitung meldeten sich Kritiker. „Sind bestimmte Gasthäuser mittlerweile von den Coronaauflagen befreit am Tegernsee?“, fragt Beobachterin Angelika Goll per E-Mail an.

Die gewählte Perspektive sei „nicht die glücklichste“ gewesen, räumt Hubert ein. Tatsächlich befasse er sich seit Beginn der Pandemie jeden Tag mit den Abstandsregeln. Wer es im Bräustüberl zu eng finde, dem empfehle er: „Bleibt’s dahoam.“

Abstand zu halten, das liege vor allem in der eigenen Verantwortung, macht auch Tourismus-Chef Christian Kausch klar. Aus seiner Sicht hat die Umsetzung der Corona-Regeln im Tal bislang größtenteils geklappt. Aber eben nicht immer. „Ich finde es schon faszinierend, wie Menschen immer noch auf Menschenansammlungen zugehen“, meint Kausch. Wer sich über die Masse beschwere, müsse auch realisieren, dass er selbst ein Teil davon sei. Selbst in der Hauptsaison gebe es am Tegernsee genug Raum: „Die Besucher können sich hier gut verteilen.“

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