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Das Westerhof-Klosterfest 2014.

Das ist die Geschichte des Hotels

Der Westerhof feiert 1000 Jähriges - das ist geboten

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Mit einem großen Fest auf der Point feiert der Westerhof von 25. bis 28. Mai seine 1000-jährige Geschichte. Heute ist er ein Hotel, früher war er ein Teil der Klostergeschichte.

Tegernsee – Zwei Jahre lang geforscht haben die Journalistinnen Sonja Still und Regina Killy, der Kirchenhistoriker Roland Götz und Hans-Herbert Perlinger, Vorsitzender des Altertums-Gauvereins Tegernsee. Im Auftrag von Hotel-Inhaber und Unternehmer Andreas Greither sind sie eingetaucht in die 1000-jährige, spannende Geschichte des Westerhofs. Eine Geschichte, die eng verbunden ist mit dem ehemaligen Kloster Tegernsee. Bei einem mittelalterlichen Klosterhoffest von Donnerstag, 25. Mai, bis Sonntag, 28. Mai, wird die lange Geschichte wieder lebendig (siehe Programm unten).

Mindestens seit dem Jahr 1017 gibt es den Westerhof einem Verzeichnis der Besitzrechte zufolge.

Wo sich heute Hotel-Gäste mit Blick auf die Berge und den 180 Meter tiefer gelegenen Tegernsee erholen, spiegelte sich damals das Leben zu Zeiten der Benediktinermönche wider. In einem „Urbar“ für Tegernsee, einem Verzeichnis der Besitzrechte, taucht der Westerhof erstmals 1017 auf. Der Chronik von Franz Mühlberger, die sich im Besitz der Stadt befindet und deren altdeutsche Schrift gerade mühsam entschlüsselt wird, ist davon die Rede, dass der Westerhof zum Kreis jener Höfe in Tegernsee zählte, die das Kloster versorgten. Der Lieber-, Gschwandler-, Pfliegl- und Schererhof sowie der Hofbauer zählten ebenso dazu. Weil auf dieser Seite des Sees die Sonne auf die Hänge scheint, wurde damals Getreide angebaut. „Der Westerhof“, glaubt Sonja Still, „gehörte wohl zu den reichsten Lehenshöfen und musste daher viel abgeben.“ Dies geht aus dem sogenannten „Winkelbuch für Egern und Tegernsee“ hervor, in dem alle Klosterabgaben festgehalten sind. 70 Pfund kleinen Käse, zwei Hühner, 80 Eier, 30 Pfund großen Käse und vier „Fuder“ Holz (alte Maßeinheit für jene Menge, die auf einen zweispännigen Wagen passte) mussten an die Mönche unten am See pro Jahr geliefert werden. Auch Bargeld wurde akzeptiert. Zudem mussten Transportdienste geleistet werden, um Wein, der aus den Kloster-Gütern in Südtirol oder der Wachau über die Isar herangeschafft wurde, nach Tegernsee zu bringen. Dann waren die Bauern noch verpflichtet, unten im Kloster an mehreren Tagen mitzuhelfen: beim Krautmachen, Bauen, Düngen oder Mähen.

Die Recherchen in alten Aufzeichnungen brachten weitere Stationen der insgesamt 1000-jährigen Geschichte zutage: Ein Brand zerstörte 1795 den Westerhof, das Kloster ließ ihn wieder aufbauen. Es folgte die Säkularisation von 1803, dann wurde Bernhard Mair aus Weissach erster privater Besitzer. 1917 machten die Wittelsbacher den Westerhof zum Ausflugslokal, ehe Brauerei-Besitzer August Pschorr die Schlüssel bekam. 1941 reihte sich die Metallgesellschaft Frankfurt in die Liste der Besitzer ein, ehe aus dem Anwesen ein Flüchtlingsheim wurde. 1953 kaufte Thomas Semer den Hof. Er baute an und um, der längliche Gebäuderiegel prägt seitdem den Anblick am Berg. Semer eröffnete ein Kurheim, das die Auswirkungen der Gesundheitsreform in den 1990er-Jahren aber nicht überlebte. 2005 wurde der Westerhof daher geschlossen. Er blieb es drei Jahre lang, ehe ihm Andreas Greither 2008 zu neuem Schwung verhalf.

Der Unternehmer möchte längst umbauen und sein Garni-Hotel von 100 auf rund 150 Betten erweitern. Die Baugenehmigung hat Greither, der auf der Point auch das Stieler-Haus ersteigert hat, seit einem Jahr in der Tasche. Doch das Vorhaben ist noch längst nicht in trockenen Tüchern: Nachbarn klagen gegen die Pläne und haben laut Greither inzwischen Berufung gegen die im November 2016 abgewiesene Klage beim Münchner Verwaltungsgericht eingereicht. „Ich will nichts Falsches sagen“, meint Greither und will sich daher nicht weiter äußern zu dem Streit. Wann es tatsächlich zum Ausbau kommt, ist also offen. Es bleibt spannend rund um den Westerhof – auch die nächsten Jahre.

1000 Jahre Westerhof: Alle Infos zum Fest

Das Klosterhoffest zum 1000-jährigen Bestehen steigt bei jedem Wetter und findet amDonnerstag und Freitag, 25./26. Mai, jeweils von 13 bis 22 Uhr, am Samstag, 27. Mai, von 11 bis 24 Uhr und Sonntag, 28. Mai, von 11 bis 19 Uhr auf der Point statt. 

Der Veranstalter verspricht ein Fest für die ganze Familie: Buchdrucker, Schmiede, Falkner, Marionettenspieler, Gaukler, Händler und Jongleure und Märchenerzähler lassen Besucher eintauchen in vergangene Zeiten. In großen Töpfen wird wie anno dazumal gekocht, Adelsfräuleins zeigen edle Gewänder. Bei historischen Gesellschaftstänzen aus dem 15. und 16. Jahrhundert kann jeder mitmachen. 

Ein Markt bietet Elixiere, Heilpflanzen und viele andere Waren. Der Vinzentius-Verein aus Kreuth macht die Zeit lebendig, als der Tegernsee noch Triftplatz und Wasserweg für Holz der Rosenheimer Saline war. Ein Höhepunkt wird das historische Brettspiel „Rithmomachia“ sein, das zum Jubiläum wiederbelebt wird. In einem Geschichtszelt werden Fragen rund ums Kloster beantwortet, wer alte Schriftstücke besitzt, kann sie dort entschlüsseln lassen. 

Der Eintritt kostet 15 Euro für Erwachsene, Kinder bis sechs Jahre sind frei, Kinder von sieben bis 14 Jahre zahlen zehn Euro, der Familienpass kostet für alle Tage 45 Euro. Kartenbestellungen sind möglich per E-mail an 1000JahreKloster hof@derwesterhof.de.

gr

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