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Übung auf dem Rettungsbrett: Benedikt Mengele (l.) hat Nico Mitreuther aus dem Wasser gezogen und bringt ihn jetzt sicher an Land. 

Rettungsschwimmer der DLRG

Baywatch am Tegernsee

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Der Tegernsee hat mit knapp 21 Grad angenehme Temperaturen. Für die Rettungsschwimmer der DLRG Tegernsee ist bereits Hochsaison. Nachwuchs dafür zu begeistern, ist ein hartes Stück Arbeit.

Tegernsee – Nico Mitreuther ist erst zwölf, aber er will’s wirklich: Er will Rettungsschwimmer werden bei der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG) Tegernsee und radelt dafür regelmäßig von Waakirchen nach Tegernsee ins Strandbad zur Wachstation. Drei Stunden Training sind angesagt, und diesmal spielt Nico das Opfer: Er lässt sich von Benedikt Mengele aus dem See fischen, wird mit genau vorgeschriebenen Handgriffen aufs Rettungsbrett verfrachtet und dann an Land gebracht. Fast wie bei Baywatch, der US-Kult-Serie. Im Ernstfall muss jeder Handgriff sitzen, doch von einem Einsatz als Wasserretter ist Nico noch weit entfernt.

Im Notfall muss alles klappen: An einer Übungspuppe im Strandbad-Gelände üben (v.l.) Florian Mengele, Benedikt Mengele und Theresa Heimgartner die Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Der Zwölfjährige gehört dem Jugend-Einsatz-Team (JET) an, das Jugendliche zwischen zwölf und 16 Jahren auf die Einsätze und Aufgaben vorbereitet. Er erwirbt Kenntnisse in der Ersten Hilfe, lernt Funken, Schnorcheln und das richtige Verhalten, wenn im Winter jemand ins Eis eingebrochen ist. Jeden ersten Samstag im Monat trifft sich das JET-Team, Sommer wie Winter. Vor allem aber lernt Nico das Rettungsschwimmen. Jeden Donnerstag von 19 bis 20 Uhr geht’s dafür in den Wiesseer Bade Park. „Das ist nicht ohne“, sagt sein Ausbilder Andreas-Bernd Lange (55). Für das Schwimmabzeichen in Bronze, das Nico ablegen möchte, muss der Zwölfjährige tauchen, schwimmen (auch mit Kleidung), Personen schleppen, eine Herz-Lungen-Wiederbelebung durchführen und viel Theorie beherrschen. Insgesamt zwölf Punkte werden geprüft. Mit 15 kann er das silberne Abzeichen machen, mit 16 das goldene.

Zehn Azubis im JET-Team

Nico ist aktuell einer von zehn Auszubildenden im JET-Team von Tegernsee, 20 Wasserretter sind bereits fit und geprüft und dürfen Wachdienst schieben. „Wir müssen immer schauen, dass genug Nachwuchs nachkommt“, weiß Andreas-Bernd Lange. Der gebürtige Braunschweiger, der bereits seit 1982 am Tegernsee lebt und arbeitet, ist einer von acht Einsatzleitern „Wasserrettung“ im Landkreis Miesbach, zudem Bootsausbilder und unter anderem auch für die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Tegernsee zuständig. Plagen ihn Sorgen, dass nicht genug Jugendliche Interesse am Rettungsdienst haben könnten? „Wenn 80 Prozent der Auszubildenden bleiben, dann wär’ das gut“, sagt Lange. Viele verlassen den Tegernsee aus beruflichen Gründen, manche kommen später wieder und steigen dann wieder ein. Im Augenblick sei die Situation recht ordentlich.

Beim Training: (v.l.) Benedikt und Florian Mengele, Annalena Sell, Marion Lange, Annette und Frank Winkler, Johanna Lengauer, Theresa Heimgartner, Andreas-Bernd Lange sowie (vorne v.l.) Elisa Kloß und Nico Mitreuther

Zum Glück hätten sich in den vergangenen Jahren auch relativ wenig schwere Unfälle ereignet. Vor Kurzem war ein Einsatz fällig, als ein Segler mit seinem Boot nicht mehr klar kam und zum Tegernseer Yachthafen begleitet werden musste. 53 kleinere Hilfeleistungen stehen für 2016 bei Lange unter anderem im Protokoll, dreimal war Hilfe wegen eines gekenterten Segelboots nötig, dreimal musste die DLRG bei der Suche nach vermissten Personen helfen, ein Surfbrett in einer Wasserwalze an der Mangfall rief die Retter auf den Plan. „Tatsächlich“, so Lange, „war es nur ein Surfbrett ohne Person.“ In manchen Jahren, so Lange, würden eben mehr Unfälle passieren, in manchen weniger. Ebenso wichtig wie die Übungs- und Ausbildungseinheiten sei das Gesellige. Und so wird nach einem anstrengenden Wachtag im Tegernseer Strandbad gerne der Grill angeheizt. „Zusammenhalt und Kameradschaft sind enorm wichtig“, weiß der Ausbilder. „Wir sind ein Team, und da muss sich im Notfall jeder auf den anderen verlassen können.“

Rettungsstellen:

Am Tegernsee stehen zahlreiche Rettungseinrichtungen zur Verfügung: Die DLRG Tegernsee und die DLRG Gmund sind rechtlich selbständig, gehören aber dem DLRG-Dachverband mit 1,5 Millionen Mitgliedern an. Im Notfall helfen zudem die Wasserwachten in Gmund, Bad Wiessee und Rottach-Egern. Diese drei Einrichtungen gehören dem Bayerischen Roten Kreuz an. Über ein Einsatzboot verfügen zudem die Feuerwehr Tegernsee und die Polizei Bad Wiessee.

gr

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