Amtsgericht

Wilderei: Der wohl teuerste Fisch ihres Lebens

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Zwei Fischwilderer sind bereits verurteilt, gestern war die Dritte dran. Zwar stritt die Tegernseerin die Tat ab – eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro musste sie am Ende trotzdem bezahlen.

Tegernsee – 500 Euro für drei kleine Forellen – ihren Fisch wird die 32-jährige Angeklagte künftig wohl im Laden kaufen. Anders als am Ostermontag des vergangenen Jahres: Damals hatten sie und ihre Begleiter drei junge Forellen aus dem Alpbach in Tegernsee gezogen. Das Verfahren wegen Fischwilderei wurde nun gegen eine Geldauflage vorläufig eingestellt. 

Weil sie vorhatte, gemeinsam mit ihrer Tochter Urlaub in der rumänischen Heimat zu machen, kaufte die Angeklagte ihrer damals elfjährigen Tochter im Supermarkt eine Angel. Das sagte sie gestern vor dem Amtsgericht Miesbach aus. Weil ihr Arbeitgeber ihr den Urlaub strich, beschloss sie – gemeinsam mit ihrem Stiefbruder und einem Bekannten – den Alpbach aufzusuchen, sodass die Tochter ihre Angel ausprobieren konnte. Allerdings ohne Haken, wie die Angeklagte betonte: „Da war nur ein Styropor-Teil dran.“ Ihre Tochter habe die Angel lediglich ins Wasser gehalten und gespielt. 

Plötzlich sei ein Mann auf sie zugekommen. Dieser habe ihr erklärt, dass sie hier als Nicht-Vereinsmitglied nicht fischen dürfe. Er habe die Angel genommen, gedroht die Polizei zu rufen und sie als „Scheiß-Ausländer“ beschimpft. Anschließend habe er sie zum Auto begleitet und sie bewacht, bis die Polizei eintrifft. 

Der Mann, ein 66-jähriger Tegernseer, schilderte die Situation anders: Nicht die Tochter, sondern einer der beiden Männer habe die Angel in der Hand gehalten. Als dieser ihn bemerkt hatte, habe er die Angel aus dem Wasser genommen und etwas abgeschnitten. „Vermutlich ein Haken. Was soll er sonst abschneiden?“, sagte der Zeuge. Gleichzeitig sei die Tochter mit einer Plastiktüte in der Hand unter einer Brücke auf der gegenüberliegenden Straßenseite verschwunden – und wenig später ohne diese zurückgekehrt. 

Während die beiden angerückten Polizistinnen die Personalien der Fischwilderer aufnahmen, machte sich der Zeuge auf die Suche nach der Tüte – er fand sie unter besagter Brücke. In der Tüte befanden sich drei kleine Forellen. „Diese hatten weder das Schonmaß erreicht noch wurden sie artgerecht getötet“, monierte der Zeuge. Obendrein gehöre keine der vier Personen dem Fischereiverein Tegernsee an, dessen Mitgliedern das alleinige Fischereirecht am Alpbach vorbehalten ist. 

Richter Walter Leitner war um ein schnelles Ende der Verhandlung bemüht. Zumal er fürchtete, dass sich einer der beiden Begleiter der Angeklagten zu einer Falschaussage hinreißen lassen könnte. Der Mann, der ebenso wie der andere Begleiter bereits verurteilt worden war, wartete als Zeuge auf seine Anhörung. Dazu kam es aber gar nicht: Die Angeklagte folgte dem Vorschlag der Staatsanwaltschaft, das Verfahren gegen eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro vorläufig einzustellen. Der Betrag geht an den Tierschutzverein Tegernseer Tal.

Rubriklistenbild: © dpa

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