1. Startseite
  2. Lokales
  3. Tegernsee
  4. Tegernsee

„Wir brauchen Dich“: Kindergärten am Tegernsee kämpfen mit Personalmangel

Erstellt:

Von: Gabi Werner

Kommentare

Eine professionelle Kinderbetreuung wünschen sich viele Eltern. Doch in den Randzeiten wird es schwierig: Mit Blick auf den Erziehermangel setzen Kitas ihr knappes Personal lieber in den Kernzeiten ein.
Das Betreuungspersonal in den Kindergärten (Symbolbild) ist vielerorts knapp. Auch am Tegernsee kennt man das Problem nur allzu gut. © Uwe Anspach/DPA

Vielerorts haben Kitas mit akutem Personalmangel zu kämpfen. Dem Kindergarten-Verbund im Tegernseer Tal geht es da nicht anders. Zuletzt musste sogar zu drastischen Maßnahmen gegriffen werden.

Tegernseer Tal – Der Aufruf klang dringlich: „Wir stehen Kopf und brauchen Dich“ hieß es jüngst in einer Stellenanzeige des Katholischen Kindertagesstättenverbunds Tegenseer Tal. Dahinter drei dicke Ausrufezeichen. Gesucht wurden (und werden) Erzieher, Kinderpfleger und für den Kindergarten Maria Himmelfahrt in Bad Wiessee sogar eine Leitung. Inzwischen habe sich die Situation ein wenig entspannt, berichtet Barbara Scheckenbach, Leiterin des Verbunds. Der Personalmangel bleibt für die Kindergärten – so auch für den Verbund am Tegernsee – aber weiter ein Riesenproblem.

Zweimal mussten ganze Kindergarten-Gruppen geschlossen werden

„Uns gehen einige Leute ab“, erklärt Scheckenbach. Die 49-Jährige kennt das Problem mit dem Fachkräftemangel zur allzu gut. Im Januar hat sie die Leitung des Kita-Verbunds, in dem die katholischen Kindergärten Tegernsee, Rottach-Egern und Bad Wiessee zusammengeschlossen sind, von Rottachs Altbürgermeister Franz Hafner übernommen. Zugleich leitet Scheckenbach den katholischen Kindergarten-Verbund in Holzkirchen. Vor allem in Tegernsee war es zuletzt zu einem akuten Notstand beim Personal gekommen. Zweimal mussten im Verbund sogar ganze Gruppen geschlossen werden, weil Mitarbeiter in der Corona-Hochphase krankheitsbedingt ausfielen und die Lücken nicht mehr gestopft werden konnten.

Barbara Scheckenbach Leiterin des Kita-Verbunds
Barbara Scheckenbach, Leiterin des Kita-Verbunds Tegernseer Tal. © Privat

Ganze Kindergarten-Gruppen nach Hause zu schicken, sei natürlich immer „die allerletzte Lösung“, sagt Scheckenbach. Schließlich wolle man die Eltern nicht im Stich lassen. In besagten Fällen habe sich das Problem aber nicht anders lösen lassen. Während des laufenden Kindergartenjahres neues Personal zu rekrutieren, sei kaum möglich, gibt die Verbund-Leiterin zu bedenken.

Für die Leitung des Kindergartens Bad Wiessee hat sich eine Lösung gefunden

Eine interne Lösung hat sich laut Scheckenbach mittlerweile für die vakante Stelle der Kindergartenleitung in Bad Wiessee gefunden. Hier geht es um eine Elternzeitvertretung. Nachdem zunächst die Tegernseer Kindergarten-Chefin Susann Bernhardt die Leitung in Bad Wiessee zusätzlich mit übernommen hatte, hat sich nun eine Mitarbeiterin aus dem bestehenden Team bereit erklärt, in die Bresche zu springen und die Leitung vorübergehend in die Hand zu nehmen. Dennoch bleibe die Stelle weiterhin ausgeschrieben, betont Scheckenbach.

Nachfrage nach Ausbildungsplätzen in Kitas sehr verhalten

Gerne würden die hiesigen Kindergärten ein Stück weit selbst dafür sorgen, dass es wieder mehr Fachkräfte für die Betreuung der Kleinsten gibt. In ihren beiden Verbünden würden sowohl Praktika als auch interessante Ausbildungsplätze angeboten, berichtet die 49-Jährige. Doch die Nachfrage ist verhalten.

Warum aber sind die Jobs in Kindergarten und -krippe vielen zu unattraktiv? „Das liegt sicher auch an der Bezahlung“, glaubt Scheckenbach. Hinzu komme, dass die pädagogische Arbeit während der Corona-Zeit „sehr belastend“ gewesen sei. Viele Mitarbeiter seien da an ihre Grenzen gestoßen. Ein weiterer Aspekt ist der akute Mangel an Wohnraum. Personal von auswärts – das ist hinlänglich bekannt – hat in der Region kaum eine Chance, eine bezahlbare Wohnung zu finden.

Neues Kita-Zentrum Bad Wiessee: Hier soll‘s Personalwohnungen geben

Zumindest hier will die Gemeinde Bad Wiessee bald Abhilfe schaffen. Beim neuen Kita-Zentrum, das ab heuer neben der Grundschule entstehen soll, sind auch Wohnungen fürs Personal mit eingeplant. Für Bürgermeister Robert Kühn (SPD) war dieser finanzielle Mehraufwand alternativlos. „Ohne ordentliche Personalwohnungen geht es nicht“, sagt er.

gab

Auch interessant

Kommentare