Verbrachten ihren ersten kurzen Sommer auf der Falkenhütte: Robert Rackwitz mit seiner Frau Claudia und Emilia, die ältere der beiden Töchter. Der Betrieb startete erst im August, jetzt ist schon Winterpause. Foto: privat
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Verbrachten ihren ersten kurzen Sommer auf der Falkenhütte: Robert Rackwitz mit seiner Frau Claudia und Emilia, die ältere der beiden Töchter. Der Betrieb startete erst im August, jetzt ist schon Winterpause.

INTERVIEW - Claudia Rackwitz-Hartmann über ihren ersten Sommer auf der Falkenhütte

„Wir haben einen Riesen-Start hingelegt“

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Robert Rackwitz (43) und Claudia Rackwitz-Hartmann (40) haben die Falkenhütte im Karwendel gepachtet. Im Interview erzählen sie von ihrem ersten kurzen Sommer dort.

Gmund/Vomp – Es könnte bessere Bedingungen geben für den Neustart als Pächter auf einer Berghütte. Noch dazu einer berühmten: der Falkenhütte im Karwendel. Die Hütte auf über 1800 Metern, drei Jahre lang im Auftrag der Alpenvereinssektion München-Oberland für 6,4 Millionen Euro saniert und erweitert, nahm erst Ende August den Betrieb wieder auf. Jetzt hat sie wegen der Winterpause schon wieder geschlossen. Wenig Zeit für die neuen Pächter, Robert Rackwitz (43) und Claudia Rackwitz-Hartmann (40), die ihre Wurzeln im Landkreis Miesbach haben Wir erreichen Claudia Rackwitz-Hartmann zum Interview am Handy. Sie hat gerade alle Hände voll zu tun, um die Falkenhütte winterfest zu machen.

Hallo Frau Rackwitz, wie viel Schnee hat’s denn schon bei Ihnen auf der Hütte?

Wir hatten 75 Zentimeter die letzten Tage, jetzt wird er schon wieder weniger.

Und trotzdem ist schon Schluss, obwohl jetzt erst der Wanderherbst beginnt?

Normalerweise schließt die Falkenhütte am 11. Oktober. Weil nach der langen Umbauphase die Straße hinauf noch heuer saniert werden muss, war heuer schon früher Schluss.

Und dann ist da auch noch Corona.

Ja, leider! Als Tirol wieder zum Risikogebiet erklärt wurde, hat die Hälfte der Gäste sofort ihre Übernachtungs-Buchungen storniert. Dem Rest haben wir dann abgesagt. Und jetzt kommt sowieso keiner mehr deswegen. Also haben wir ein bisschen früher zugesperrt und machen die Hütte jetzt winterfest. Auch wenn wir unser Personal noch bezahlen müssen.

Hütte ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck für die Falkenhütte. Der Betrieb bei Ihnen ist ganz schön stattlich.

Mit dem Umbau wurde die Bettenzahl auf 140 erweitert. In den Gasträumen ist Platz für 150 Personen, auf der Terrasse für bis zu 250. Das macht ganz schön Arbeit. Zweimal wöchentlich kriegen wir Nachschub – für geplante 600 Mahlzeiten täglich am Wochenende und 250 Essen unter der Woche. Wir haben zwölf Festangestellte und vier Aushilfen. Viele wohnen hier oben, wie wir. Allerdings konnten wir wegen der Coronaregeln nur 82 Betten vergeben.

Der Andrang war sicherlich enorm.

Und wie! Als bekaannt wurde, dass man ab 31. Juli wieder buchen konnte, ging’s richtig rund. Das Reservierungssystem, das normalerweise zur Verfügung steht, hat nicht funktioniert, und so kamen in den ersten Tagen zwischen 250 und 300 Buchungs-Mails. Wir hatten zudem schlechtes oder gar kein Internet, das war der Wahnsinn. Ich war echt mit den Nerven am Ende. Zum Glück hat mir meine Schwester Amrei Ruge geholfen, der ich nochmal ganz herzlich dafür danke.

Und dann kam die Eröffnung und prächtiges Bergwetter.

Eine Woche vor dem Start hat die Alpenvereinssektion mit allen Handwerkern hier gefeiert, das war quasi unser Test. Alles hat dann super geklappt, wir haben einen Riesen-Start hingelegt.

Wie haben Sie denn die Hütte bekommen?

Wir hatten uns im März beim Alpenverein beworben, weil Robert nach der Buchsteinhütte am Tegernsee und der Florianshütte am Brauneck seinen Sommer in den Bergen so vermisst hatte. Tatsächlich bekamen wir eine Einladung, doch dann kam der Lockdown, und wir mussten unser Bewerbungs-Gespräch in einer Video-Konferenz führen. Wir waren uns gleich sympathisch und haben letztlich auch mit unserer Erfahrung überzeugt. Schließlich ist das hoch-alpin da oben, da muss alles perfekt organisiert sein. Unsere Erfahrung (Robert Rackwitz leitete die Buchsteinhütte vor 20 Jahren, ehe er mit Claudia die Florianshütte am Brauneck übernahm, Anm.d.Red.), hat da gezählt. Dann haben wir ja auch seit 2015 die Enzianhütte im österreichischen Fieberbrunn.

Wie schaffen Sie beides?

Die Enzianhütte betreiben wir im Winter, ab 1. Dezember. Das ist nochmal eine ganz andere Nummer, dagegen ist die Falkenhütte ein Kinderspiel! Dort haben wir 1000 Sitzplätze, Mega-Partys mit 5000 Leuten, DJ und Go-Go-Tänzerinnen. Das fällt heuer wegen Corona natürlich flach, wir bieten nur noch Essen an, haben aber auch schon viele Hochzeiten im Mai und Juni 2021.

Sie haben zwei Kinder, wie organisieren Sie das?

Emilia ist 15, sie geht in St. Johann aufs Gymnasium. Lilli wurde heuer eingeschult. Mein Mann und ich bleiben abwechselnd unter der Woche unten im Tal, in Fieberbrunn, wo wir wohnen. Am Wochenende sind wir zusammen auf der Falkenhütte, wo unsere Ältere schon super mitarbeitet. Und dann sind in Österreich neun Wochen Ferien im Sommer. So klappt das ganz gut.

Freuen Sie sich auf den nächsten Sommer?

Und wie! Wir wollten zwar bisher nur einen Vertrag bis 2021, weil wir nicht wussten, ob alles passt. Aber der Alpenverein würde uns gerne länger haben. Im Juni sperren wir wieder auf.

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