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Heiraten am Tegernsee beliebter denn je: „Wollen keine Hochzeiten am Fließband“

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Von: Gabi Werner

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Arbeitsplatz Trauzimmer: Katharina Aust (28) leitet seit Anfang Juni das zentrale Standesamt in Tegernsee. Im Interview erzählt sie von ihrer Arbeit während und nach dem Corona-Lockdown.
Arbeitsplatz Trauzimmer: Katharina Aust (28) leitet seit Anfang Juni das zentrale Standesamt in Tegernsee. Im Interview erzählt sie von ihrer Arbeit während und nach dem Corona-Lockdown. © Thomas Plettenberg

Das zentrale Standesamt in Tegernsee hat eine neue Leitung. Katharina Aust hat den Posten übernommen. Zu tun gibt‘s viel: Heiraten am Tegernsee liegt weiter im Trend.

Tegernsee – Seit dem 1. Juni hat Katharina Aust den Posten der Standesamts-Leiterin in Tegernsee übernommen und ist damit auch verantwortlich für die Verwaltung aller Standesämter rund um den Tegernsee und in Waakirchen. Die 28-jährige Rottacherin kennt ihr Metier von Beginn an: Sie absolvierte 2012 schon ihre Ausbildung im Tegernseer Rathaus, machte dann ihren Fachwirt und ist seit Mai 2018 im Tegernseer Standesamt tätig. Wir sprachen mit der Leiterin über ihr neue Aufgabe, über den anhaltenden Trend, sich am Tegernsee das Ja-Wort zu geben, und darüber, wie sich während und nach dem Corona-Lockdown die Lage an der Hochzeits-Front entwickelt hat.

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Aufgabe als Leiterin des Standesamtes Tegernsee, Frau Aust. Ein verantwortungsvoller Posten, den Sie da übernommen haben.

Danke. Ich bin mir der Verantwortung natürlich bewusst. In der praktischen Arbeit hat sich für mich allerdings nicht sehr viel geändert. Jede Standesbeamtin steht ja für sich – und in schwierigen Fällen haben wir uns schon bisher gegenseitig unterstützt. Wir haben hier ein wahnsinnig gutes Miteinander.

Verändert hat sich allerdings die Situation für die Brautpaare. Sie dürfen nach den Corona-Lockerungen jetzt wieder in größerer Gesellschaft feiern. Welche Auswirkungen hat das auf Ihre Arbeit?

Wir müssen weiterhin die Abstände einhalten. Weil unser Trauzimmer in Tegernsee nicht riesengroß ist, können wir dort derzeit maximal zehn Personen empfangen. Es ist immer noch Vorsicht geboten. Wir freuen uns auch, wenn die Mitglieder der Hochzeitsgesellschaft sich vor der Trauung testen lassen, eine Pflicht dazu gibt es allerdings nicht. Wir Standesbeamten selbst gehen auch regelmäßig freiwillig zum Testen.

Heiraten im kleinen Kreis war ja auch während des Corona-Lockdowns möglich. Haben trotzdem viele Paare ihre Hochzeit verschoben?

Es gab natürlich diejenigen, die ihre Hochzeit groß feiern wollten und die Trauung deshalb aufgeschoben haben. Aber es gab auch viele, denen es um das Verheiratet-sein an sich ging und die deshalb an ihrem Termin festgehalten haben. Das zeigt sich auch an den Zahlen. 2019 hatten wir im gesamten Tegernseer Tal 622 Trauungen, im Pandemie-Jahr 2020 waren es mit 531 Hochzeiten gar nicht so viele weniger.

Haben diejenigen Paare, die ihre Hochzeit verschoben haben, automatisch einen neuen Termin bekommen?

Nein, die müssen sich erneut um einen Termin bemühen. Ansonsten wäre ein Teil der Termine ja von vorn herein blockiert, das wäre gegenüber den anderen Paaren nicht fair. Hier gilt: gleiches Recht für alle.

Das Tegernseer Tal ist ein wahrer Hotspot für Heiratswillige. Ihre Vorgängerin Irmgard Amler sagte einmal: „Wir könnten rund um die Uhr trauen“. Sind die Wartelisten jetzt wegen Corona noch länger geworden?

Wir führen gar keine Wartelisten. Wir betreuen insgesamt sechs Standesämter, das wäre zeitlich und organisatorisch daher gar nicht zu schaffen. Neben den Eheschließungen haben wir im Standesamt ja auch noch viele andere Vorgänge zu bearbeiten.

Was muss ich also tun, um am Tegernsee einen Hochzeits-Termin zu bekommen?

Wir vergeben die Termine immer ein Jahr im voraus. Ab 1. Juli können die Paare beispielsweise einen Termin für den Juli des darauffolgenden Jahres vereinbaren. An den Tagen der Terminvereinbarungen steht das Telefon natürlich nicht mehr still. Aber mit dem System fahren wir ganz gut.

Getraut wird am Tegernsee immer donnerstags, freitags, samstags und manchmal auch montags. Irgendwann sind die Kapazitäten wahrscheinlich einfach erschöpft, oder?

Wir haben mittlerweile das Maximum dessen, was wir noch stemmen können, erreicht. Die Hochzeiten müssen ja auch vorbereitet werden, und wir sind dafür bekannt, dass wir die Trauungen so persönlich wie möglich gestalten. Wir wollen keine Hochzeiten am Fließband. Und die einheimischen Paare kommen ja ohnehin noch obendrauf. Die erhalten natürlich immer einen Termin. In Tegernsee ist unser Terminkalender bis Ende Oktober komplett gefüllt.

Heiraten am Tegernsee ist schick. Woher kommen die auswärtigen Paare, die sich hier trauen lassen?

Die überwiegende Mehrheit stammt aus München. Wir haben aber auch Paare aus Berlin, Köln oder Hamburg. Das sind dann meistens Leute, die den Tegernsee vom Urlaub her kennen.

Da gibt’s doch sicherlich auch manch ausgefallene Wünsche.

Vor allem in Corona-Zeiten wollten viele Paare bei uns in Tegernsee unter freiem Himmel getraut werden. Aber das geht einfach nicht. Der Rahmen muss stimmen, schließlich ist so eine Heirat auch ein formeller Akt. Wir versuchen aber stets, das Beste daraus zu machen. Und ich denke, in unserem wunderschönen Rathaus ist das auch gut möglich.

Was wünschen Sie sich als Standesamts-Leiterin für die Zukunft?

Es wäre schön, wenn wir bei den Eheschließungen bald wieder zur kompletten Normalität zurückkehren könnten. Auch für uns Standesbeamten wäre das wünschenswert – wir sind schließlich mit Leidenschaft bei den Trauungen dabei und fühlen mit den Paaren immer mit.

Lesen Sie auch: Heiraten am Tegernsee ist beliebter denn je.

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