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Voll im Trend: Heiraten in Tegernsee am Tegernsee.

Über den krassen Ansturm im Tegernseer Rathaus

Standesbeamtin: „Wir könnten rund um die Uhr trauen“

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Heiraten am Tegernsee ist beliebter denn je. Vor allem das Tegernseer Rathaus mit seiner Lage am See ist bei Heiratswilligen begehrt. Bei der Terminvergabe geht‘s daher oft heiß her, erzählt Standesbeamtin Irmgard Amler im Interview.

Tegernsee – Berge und See als Kulisse für den schönsten Tag im Leben: Heiraten am Tegernsee ist beliebter denn je. 619 standesamtliche Eheschließungen gab es 2016 im Tegernseer Tal, davon allein 347 in Tegernsee. Zum Vergleich: 2013 waren es talweit nur 460, im Tegernseer Rathaus 267. Seither sind die Zahlen alljährlich nach oben gegangen. DieTegernseer Zeitung sprach mit Irmgard Amler (61) über das Phänomen. Sie ist Leiterin des Standesamtes Tegernsee, das seit 1. November 2010 auch für die Verwaltung aller Standesämter rund um den Tegernsee und in Waakirchen zuständig ist.

Die Statistik zeigt’s, Frau Amler: Heiraten am Tegernsee wird jedes Jahr beliebter. Kommen Sie mit den Trauungen überhaupt noch hinterher?

Irmgard Amler: Nein – die Nachfrage übersteigt unsere Möglichkeiten bei Weitem. Am begehrtesten sind natürlich die Wochenenden. Im Prinzip könnten wir an jedem Freitag und Samstag rund um die Uhr trauen. Unter der Woche stehen die Chancen besser, dass die Paare einen Termin bekommen. In Tegernsee gibt es am Montag zwei, am Donnerstag und Freitag je drei Trauungen. Außerdem bieten wir bei uns im Rathaus an jedem zweiten Samstag Trauungen an.

Die Stadt Tegernsee liegt im talweiten Vergleich bei den Eheschließungen an der Spitze. Wie kommt’s?

Irmgard Amler: Das liegt vor allem an der Kulisse. Das Tegernseer Rathaus steht eben direkt am See – die Standesämter in Bad Wiessee, Rottach-Egern und Kreuth liegen dagegen in der Ortsmitte. Tegernsee hat damit einfach den schönsten Platz.

Wie frühzeitig müssen sich Paare denn bei Ihnen melden, um einen der begehrten Wochenend-Termine zu ergattern?

Irmgard Amler: Da gibt es jedes Jahr einen bestimmten Stichtag. Heuer zum Beispiel vergeben wir die Termine fürs Jahr 2018 ab dem 19. September. Los geht’s um 8 Uhr morgens.

Wie darf ich das verstehen? Rennen Ihnen an diesem Tag die heiratswilligen Paare die Bude ein?

Irmgard Amler: (Lacht) Es ist tatsächlich so. Letztes Jahr waren wir an diesem Termin im September mittags alle drei heiser von den vielen Telefonaten (Anm.d.Red.: Im Tegernseer Rathaus gibt es drei Standesbeamtinnen). Wir schalten an diesem Tag auch alle Telefone auf eine Leitung, damit wir nur ja keine Parallel-Termine vergeben.

Das heißt, es gilt das Prinzip „Wer zuerst kommt, malt zuerst“?

Irmgard Amler: So ist es. Mit einer Ausnahme: Einheimische Paare bekommen immer einen Termin. Die würden sonst ja gar nicht zum Heiraten kommen. Bis jetzt haben wir es auch immer geschafft, deren Wunschtermine zu erfüllen. Notfalls wird eben ein Zusatztermin anberaumt, oder wir machen einen Paralleltermin. Das heißt: Eine Standesbeamtin und Bürgermeister Hagn gehen zeitgleich ans Werk. Allerdings ist die Zahl der einheimischen Paare ohnehin fast zu vernachlässigen: Sie machen nur etwa 15 Prozent der gesamten Eheschließungen aus.

Wo kommen denn die meisten Paare her, die sich im Tegernseer Trauzimmer das Ja-Wort geben?

Irmgard Amler: Die meisten sind Münchner. Es kommen auch viele Deutsche, die ausgewandert sind und einen ausländischen Partner heiraten. Die besinnen sich dann auf ihre alte Heimat und den Tegernsee, den sie früher so oft besucht haben. Im Prinzip kommen die Paare aus der ganzen Welt zu uns.

Solche Paare haben doch sicherlich auch mal ausgefallene Wünsche, was ihre Trauungs-Zeremonie betrifft, oder?

Irmgard Amler: Es gibt immer wieder Paare, die auf dem See oder auf dem Wallberg heiraten möchten. Diese Wünsche können wir hier bei uns aber nicht erfüllen. Wir trösten die Leute dann damit, dass die Trauung selbst lediglich eine halbe Stunde dauert und danach ja jederzeit eine Fahrt mit dem Schifferl oder hinauf auf den Wallberg möglich ist. Bis jetzt sind wir mit den Paaren noch immer auf einen grünen Zweig gekommen.

Das heißt, man kann am Tegernsee nur in den jeweiligen Rathäusern heiraten?

Irmgard Amler: Mit Ausnahme von Waakirchen und Kreuth: In Kreuth können die Paare seit Kurzem auch im Pavillon des Kurgartens heiraten, in Waakirchen gibt es ein externes Trauzimmer im Margarethenhof in Marienstein.

Und wie ist es mit Promi-Hochzeiten? Haben Sie da schon Spektakuläres erlebt?

Irmgard Amler: Eigentlich nichts Außergewöhnliches – keinen Skandal oder Ähnliches. Ich persönlich bin auch gar nicht so bewandert, was die Reichen und Schönen betrifft. Wir sind da ganz unvoreingenommen und behandeln alle gleich.

Auf der Homepage des Rathauses appellieren Sie an die Paare, auf das Streuen von Reis und Konfetti zu verzichten. Gab’s da schlechte Erfahrungen?

Irmgard Amler: Wir hatten mal einen Fall, bei dem Plastikkonfetti verstreut wurde. Das geht nirgends mehr weg. Und was den Reis anbelangt: Der ist halt ein Lebensmittel, zudem hat das Reisstreuen bei uns überhaupt keine Tradition. Früher haben wir die Paare gebeten, stattdessen Luftballone steigen zu lassen. Aber auch das hat völlig überhand genommmen und ist eigentlich nicht mehr tragbar: In den Supermärkten sparen wir Plastiktüten ein, und da landen die Luftballone in der Natur und auf dem See.

Die Kosten für standesamtliche Trauungen sind sehr unterschiedlich. Was kostet denn das Heiraten am Tegernsee?

Irmgard Amler: Unter der Woche kostet die Eheschließung selber 70 Euro, am Wochenende gibt’s einen Zuschlag in Höhe von 80 Euro – da komme die Paare also auf 150 Euro. Bei Einheimischen ist das aufgrund der Gebührenordnung anders: Da kostet die Trauung nur 50 Euro, am Wochenende also 130 Euro. Wer im Sitzungssaal heiraten möchte, muss zusätzlich 50 Euro bezahlen. Das ist bei größeren Gesellschaften der Fall, im Trauzimmer haben nämlich nur 30 Personen Platz.

Dafür gibt’s dann auch eine schöne, persönliche Ansprache der Standesbeamtin oder des Bürgermeisters?

Irmgard Amler: Persönliche, individuelle Ansprachen machen wir eigentlich nicht so gerne. Das kann ziemlich schräg rüberkommen, schließlich sind die Eheleute für uns ja in der Regel völlig fremde Personen. Uns ist es lieber, die persönlichen Worte spricht ein Gast oder eben der Trauzeuge.

Fakten rund ums Heiraten

In Tegernsee gibt es drei Standesbeamtinnen. Trauungen vollziehen können darüber hinaus Bürgermeister Johannes Hagn und sein Stellvertreter. Dazu berechtigt, eine Ehe zu schließen, ist auch Rathaus-Geschäftsleiter Hans Staudacher. Er springt laut Amler aber nur in Notfällen ein – zum Beispiel dann, wenn einer der anderen Zuständigen kurzfristig verhindert ist. Seit der talweiten Zusammenlegung der Standesämter sitzen lediglich in Bad Wiessee und Rottach-Egern noch eigene Standesbeamtinnen.

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