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Das Seehotel zur Post mitten in Tegernsee. Am 15. November läuft der Pachtvertrag mit Familie Zech aus. Die Zukunft des Hauses ist völlig offen.

Pachtvertrag läuft zum 15. November aus

Seehotel zur Post: Der nächste Leerstand in Tegernsee?

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Wie geht’s weiter mit dem Seehotel zur Post? Während sich die Besitzer in Schweigen hüllen, steht für die langjährigen Pächter Brigitte und Eduard Zech fest: Am 15. November ist Schluss.

Tegernsee – Die Hotel-Sessel sind abgewohnt, der Charme vergangener Zeiten weht durchs Haus. „Wir fühlten uns in ein anderes Zeitalter versetzt“, schreibt Sonja, um die 61, im Bewertungsportal HolidayCheck über ihren Aufenthalt. Dennoch ist das Haus mit 39 Zimmern, 150 Plätzen im Restaurant und 120 Plätzen auf der Terrasse immer gut gefüllt. Viele Stammgäste kommen regelmäßig hierher. 

Keine Frage: Das Seehotel zur Post ist in die Jahre gekommen. 1947 hatten Rosemarie Neusen und ihr Mann das Hotel und das gegenüberliegende Schlosscafé gekauft und bis 1973 selbst geführt. Das Schlosscafé ist inzwischen saniert und wird von der Brot-und-Kaffee-Kette Aran neu betrieben. Doch das Seehotel steht fast unverändert da. Seit 26 Jahren sind Brigitte und Eduard Zech die Pächter. „Ich wollte immer ein Hotel am Meer, dann ist es der Tegernsee geworden“, erinnert sich Zech, der in den 1980er-Jahren Hotel-Sprecher in München war. Doch jetzt zeichnet sich für den 69-jährigen Vollblut-Hotelier ein Ende ab.

Seitdem Rosemarie Neusen 2015 im hohen Alter von 99 Jahren verstarb, weiß keiner so recht, wie es weitergeht. „Wir wissen nichts, und ich glaube, die Erben wissen es auch nicht“, sagt Zech. Die Erben, das sind Tochter Lola Pierburg, selbst über 70, und deren Kinder Anja Rehling sowie Thomas und Melanie Pierburg. Weil der Pachtvertrag am 15. November ausläuft, hat Zech bereits angefangen, seinem Personal zu kündigen. „Es hilft nichts, das muss ich tun“, sagt der 69-Jährige, der schon jetzt wehmütig den letzten Tagen entgegen blickt.

Selbst im Rathaus schräg gegenüber tappt Bürgermeister Johannes Hagn (CSU) völlig im Dunkeln, was die Zukunft des Hauses betrifft. „Bis jetzt ist noch keiner mit einem neuen Konzept zu mir gekommen“, sagt der Stadtchef. „Ich fürchte also, dass wir einen Leerstand haben werden.“ Kein schöner Anblick für das Zentrum eines Touristen- und Kurorts, zumal ebenfalls an der Hauptstraße noch ein ehemaliges Hotel immer weiter verfällt: das Guggemos, das sich im Besitz des Herzoglichen Brauhauses befindet. Bedauerlich ist zudem der Verlust an Gästebetten.

Verknüpft mit der Zukunft des Seehotels zur Post ist die Zukunft des angrenzenden Zentralparkplatzes. Der gehört ebenfalls den Neusen-Erben und ist eigentlich bis 2025 an die Stadt verpachtet. Hagn blickt nicht nur der Realität ins Auge, er rüstet die Stadt bereits für Alternativen zum Zentralparkplatz. „Sollte ein Investor tatsächlich ein Konzept präsentieren, dann stellt sich für uns die Frage, ob wir für die Einhaltung des Pachtvertrags bis 2025 notfalls gerichtlich kämpfen, oder ob wir schon früher den Weg frei machen für die Realisierung dieses Konzepts.“

Bei einer Klausurtagung zum Thema Verkehr hat sich der Stadtrat bereits damit befasst. An oberster Stelle sei es dabei um den Zentralparkplatz und die Möglichkeiten für eine zeitnahe Alternative gegangen, berichtet Hagn. Es sei wichtig, sich rechtzeitig mit dem Thema zu befassen, „sonst stehen wir eines Tages ohne Parkplätze da.“ Dann könnte folgendes Szenario eintreten: „Die Gäste fahren entweder durch Tegernsee durch, oder der Verkehr am Bräustüberl bricht komplett zusammen.“ Noch vor der Sommerpause, so Hagn, werde der Stadtrat in einer öffentlichen Sitzung die Weichen stellen. Die Erweiterung der Tiefgarage unter der Kreissparkasse und dem Kurpark und der Bau eines Parkhauses am Horn-Parkplatz stehen zur Debatte.

gr

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