Eng wird’s, wenn das Radfahren auf dem Gehweg erlaubt ist, wie hier am Tegernseer Ortseingang.  Foto: Thomas Plettenberg
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Eng wird’s, wenn das Radfahren auf dem Gehweg erlaubt ist, wie hier am Tegernseer Ortseingang.

SPD stellt Katalog auf

Zwölf Eckpunkte für ein Radkonzept im Tegernseer Tal

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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  • Christina Jachert-Maier
    Christina Jachert-Maier
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Wer um den Tegernsee radelt, stößt auf Schwachpunkte. So wie die SPD-Ortsvereine, die nun ein Zwölf-Punkte-Papier für ein talweites Radkonzept erstellt haben.

  • Gefährliches Nebeneinander von Fußgängern und Radfahrern.
  • Öfter Tempo 30 auf Bundesstraßen.
  • Stellplatznachweis auch für Fahrräder gefordert.

Tegernseer Tal – Detlef Thamm (66) aus dem Münsterland hat heuer zum ersten Mal einen Urlaub am Tegernsee gebucht. Mit dem E-Bike war er hingegen schon sehr oft unterwegs. Zwischen 4000 und 5000 Kilometer legt er mit seiner Frau im Schnitt pro Jahr zurück. Seinen Aufenthalt in einer Ferienwohnung in Ostin hat das Paar genossen, doch die Fahrrad-Infrastruktur im Tegernseer Tal war eine Enttäuschung. „Das ist ja schlimm in vielen Orten“, findet Thamm. Besonders wundert ihn, dass es teils gemeinsame Wege für Fußgänger und Radfahrer gibt. Da sausten dann E-Bikes mit 20 km/h an Fußgängern vorbei: „Das passt nicht.“ Er finde es bemerkenswert dass eine so touristisch geprägte Gegend wie das Tegernseer Tal den Radtourismus nicht mehr fördere.

Gemeinsames Konzept fürs ganze Tegernseer Tal

Thamm trifft einen wunden Punkt. Der Ruf nach einem talweiten Radkonzept ist derzeit in allen Orten rund um den See zu hören. Wie berichtet, sind die Weichen gestellt: Gmund wurde im November 2019 in die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) aufgenommen, Bad Wiessee befindet sich im Aufnahmeverfahren, nach Rottach-Egern kommt am 15. September ein AGFK-Team zur ersten Bereisung. Eine solche findet in Tegernsee nächstes Jahr statt, auch Kreuth hat die Fühler ausgestreckt.

Die SPD im Tegernseer Tal hat das Thema Radkonzept schon sehr lange im Visier. Jahr um Jahr laden die Genossen zur Fahrt „Mit links um den Tegernsee“ ein. Nach der jüngsten Tour Ende Juli setzten sich die Genossen noch einmal zusammen, um zwölf Eckpunkte für ein künftiges Konzept zu formulieren. Was ganz oben steht, dürfte Urlauber Thamm gefallen. „Ziel und optimale Lösung sind klar getrennte Fahrbahnen/Verkehrsflächen für Kraftfahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger“, heißt es da. Fußwege mit der Zusatzangabe „Radfahrer frei“ seien meistens eng und gefährlich.

Wegen Heilklima: Tempo 30 auch auf Bundesstraßen

Einer der kritischsten Stellen dürfte der teils kombinierte Geh- und Fußweg entlang der Tegernseer Ortsdurchfahrt sein, meint Thomas Mandl, Vorsitzender der SPD Tegernseer Tal. Weitere Kernpunkte des SPD-Papiers: Weil Radfahrer oft auf Straßen fahren müssen, solle innerorts öfters Tempo 30 auf der Bundesstraße gelten. Rechtlich sei dies in heilklimatischen Kurorten möglich. Wo es geht, sollten innerorts Radschutzstreifen gezogen werden. Außerorts sind eigene Radwege gefordert. Zudem plädieren die Genossen für jährliche Bürgerversammlungen zum Thema Radverkehr, damit stetig über mögliche Verbesserungen diskutiert wird.

Leihradsystem und E-Bike-Ladestationen

Weitere Forderungen sind die Verbesserung der Beschilderung, eine App oder ein Übersichtsplan, der E-Bike-Ladestationen und Pannenhilfe aufzeigt sowie ein flächendeckendes Leihradsystem. Bei Baugenehmigungen für gewerbliche Anlagen, meint die SPD, soll künftig ein Stellplatznachweis nicht nur für Autos, sondern auch für Räder nötig sein. „Man will ja immer, dass die Leute sich diese teuren Lastenräder kaufen. Aber es gibt nirgends einen Platz, wo man die dann sicher abstellen kann“, erklärt Mandl. Es gelte, das Fahrrad als gleichwertiges Fortbewegungsmittel in ein talweites Mobilitätskonzept einzubinden.

Ihr Eckpunkte-Papier wollen die Genossen in die Gemeinderäte einbringen. Dort, so Mandl, dürfte das Thema Radverkehr demnächst allerorts Thema werden.

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