Seit fünf Monaten warten Viktor Ebenbeck und Simone Schnorr darauf, im Landhaus am Stein in Bad Wiessee wieder Gäste empfangen zu dürfen.
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Seit fünf Monaten warten Viktor Ebenbeck und Simone Schnorr darauf, im Landhaus am Stein in Bad Wiessee wieder Gäste empfangen zu dürfen.

Seit fünf Monaten geschlossen

Hotelier-Paar am Tegernsee zieht bittere Lockdown-Bilanz - und fordert Öffnung

  • Beatrice Oßberger
    vonBeatrice Oßberger
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Keine Gäste, kein Umsatz: Seit fünf Monaten haben Bayerns Hotels geschlossen. Der Verband spricht von einer dramatischen Situation – und fordert eine Öffnungsperspektive.

Bad Wiessee – Als Simone Schnorr am 2. November des vergangenen Jahres ihre beiden Hotels in Bad Wiessee (Kreis Miesbach) schließen musste, war sie sicher: Spätestens an Weihnachten sperren wir wieder auf. „Niemals“, sagt sie heute, „hätte ich mir vorstellen können, dass wir fünf Monate später immer noch keine Urlaubsgäste empfangen dürfen.“

95 Prozent weniger Umsatz, jeden Monat seit dem Lockdown* im November – das ist die bittere Bilanz der Hotelchefin vom Tegernsee. „Ich musste einen Kredit aufnehmen, sonst würde ich es nicht schaffen“, sagt sie. Jeder weitere Tag im Stillstand mache die Situation bedrohlicher. „Am Schlimmsten ist, dass wir keine Perspektive haben, wann wir aufmachen dürfen.“ In den Öffnungsszenarien der Politiker werde die Branche nicht einmal mehr erwähnt. „Ich fühle mich vergessen“, sagt Schnorr.

Corona-Lockdown: Dehoga stuft die Situation der Branche als „dramatisch“ ein

Das Hotel- und Gaststättengewerbe mit rund 450.000 Erwerbstätigen in Bayern gehört zu den Branchen, die von den Maßnahmen besonders betroffen sind. „Wir sind die Ersten, die geschlossen werden, und die Letzten, die aufmachen dürfen“, sagt Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga Bayern. Dabei habe doch der erfolglose Wellenbrecher im November gezeigt, dass weder Hotels noch Restaurants Pandemietreiber seien.

Die Situation der Branche beschreibt Geppert als „dramatisch“. In einer Umfrage des Verbands haben die Teilnehmer für den Februar 82 Prozent Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahresmonat gemeldet, fast 70 Prozent der Unternehmer bangen um ihre Existenz. „Wir nähern uns einer Katastrophe“, sagt Geppert.

Und dann ist da noch Mallorca. Vor einer Woche hat das Auswärtige Amt die Reisewarnung für die Balearen-Inseln aufgehoben, Tausende Deutsche haben bereits Flüge gebucht. „Mallorca ist ein Schlag ins Gesicht“, sagt Geppert. „Deutsche dürfen zu Ostern im Ausland Urlaub machen, während in heimischen Betrieben mit sicheren Hygienekonzepten nicht einmal die Außengastronomie zugelassen ist. Da fehlt mir jedes Verständnis.“

Corona: Hotelchefin Albrecht - „Ich habe fast geweint, als ich die Nachricht von Mallorca gehört habe“

„Ehrlich, ich habe fast geweint, als ich die Nachricht von Mallorca gehört habe“, sagt Theresa Albrecht, Hotel-Chefin aus Rohrdorf (Kreis Rosenheim). Eigentlich, erzählt sie, müsste sie längst Arbeitskräfte für die Saison eingestellt haben. „Aber was soll ich denen sagen? Wir starten im April? Im Mai? Oder im Juni?“ Sie und ihr Mann lebten derzeit von Ersparnissen, die eigentlich für die Altersvorsorge vorgesehen waren. „Aber auch die sind irgendwann aufgebraucht“, sagt Albrecht. Sie würde ihr Hotel lieber heute als morgen öffnen. „Unser Hygiene-Konzept hat den Sommer über wunderbar funktioniert. Also warum sollte es jetzt, in Zeiten von verfügbaren Schnelltests und Raumlüftungsgeräten, nicht auch funktionieren?“

„Wir erwarten heute von der Ministerpräsidenten-Konferenz eine eindeutige Öffnungsperspektive“, sagt Geppert. „Gerade die Öffnung zu Ostern würde auch einen wertvollen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten.“ Es werde schließlich nicht nur Ausweichbewegungen ins Ausland geben, sondern auch Verwandtenbesuche. „Die Frage ist jetzt, ob diese in einem Betrieb mit funktionierendem Hygienekonzept stattfinden dürfen. Oder eben nicht.“

Heute treffen sich die Ministerpräsidenten zu einer Konferenz, dabei wird es auch um den Osterurlaub gehen. Während Länder wie Sachsen-Anhalt oder Rheinland-Pfalz Lockerungen bei Ferienwohnungen oder der Außengastronomie in Aussicht stellen, will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine „harte Notbremse“ durchsetzen. Das Gastgewerbe will sich damit nicht abfinden. Mehr als 1200 Unternehmer haben Protestbriefe an Söder verfasst. Theresa Albrecht und Simone Schnorr haben sich an der Aktion beteiligt.

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(Von Beatrice Oßberger)

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