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(v.l.) Alexander Filipović, Markus Schächter und Ulrich Wilhelm diskutierten im Tegernseer Barocksaal.

Auftakt zur Tegernseer Dialogreihe

Journalismus im Wandel: Experten diskutierten

Tegernsee - Wie reißerisch darf eine Überschrift sein? Der digitale Umbruch und die Medienethik waren Thema der Auftaktveranstaltung der Tegernseer Dialogreihe „Weiter denken".

Der Auftakt der Tegernseer Dialogreihe „Weiter denken“ im Tegernseer Barocksaal, den die Hochschule für Philosophie München („HfPh“) in Kooperation mit dem Kunst- und Kulturverein Rottach-Egern ins Leben rief, war ein voller Erfolg. Beim anschließenden Empfang, bei dem sich die rund 300 Gäste intensiv austauschten, aber auch kontrovers diskutierten, reflektierten, visionierten und Verbindungen zu anderen Lebensbereichen zogen, war zu spüren wie sehr sie die vorangegangene 90-minütige Diskussion inspiriert hatte.

Der langjährige Intendant des ZDF, Prof. Markus Schächter und der Intendant des Bayrischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, diskutierten mit Dr. Alexander Filipović, Professor für Medienethik an der HfPh die Herausforderungen des digitalen Umbruchs für die Medienethik und gingen der Frage nach: „Brauchen wir neue Normen für den Journalismus?“

Die Antwort war eindeutig: Ja. Denn ein qualifizierter Journalismus ist ein Kontrollorgan und als solches systemrelevant für unsere Gesellschaft. Nicht umsonst wird sie „vierte Macht im Staat“ genannt. Doch wer kontrolliert die Kontrolleure und wie ist es um ihre Haltung und ihr Ethos bestellt in Zeiten, da ihre Branche umbricht?

Seit die „Guillotine der digitalen Macht“ (Zitat Schächter) auf die Medienbranche heruntergefahren ist, hat nicht nur sie sich, sondern hat die Welt sich verändert. Es handle sich um eine "disruptive Revolution" - also eine zerstörerische. Im Journalismus ist es vor allem anderen die Schnelligkeit der Nachrichtenzyklen, welche dafür verantwortlich sei, dass der alte Grundsatz „Genauigkeit vor Schnelligkeit“ nicht mehr gelte, nicht mehr sauber nachrecherchiert wird, woher ein Thema kommt, wie sich der Sachverhalt darlegt und ob die dazugehörigen Bilder auch der Realität entsprechen, befand Ulrich Wilhelm.

Darauf müssten Medien mit der Bereitstellung von Kompetenzen reagieren. „Der Journalismus im Netz hat eine Tendenz zum Populistischen und zur Vereinfachung“, merkte Schächter an. Und die Überschriften würden deshalb Reißerisches versprechen, was der Text dann gar nicht halte, weil damit die Klicks erhöht würden und das wiederum bestimmt die Höhe des Werbeeinkommens.

Klickoptimierung, Algorithmus Big Data… - das alles kam zu Sprache. Mit Blick auf den zurückliegenden „Krisensommer“ und die Medienhypes etwa im Kontext mit Hoeneß, Edathy, van Elst und Wulf, wollte Alexander Filipović wissen, ob es für die Redaktionen noch einen Moment des Innenhaltens geben würde, der einen Hype unterbrechen könnte. „Weil Journalismus heißt, vorne mit dabei zu sein, müssen wir beginnen zu lernen, wo wir einhalten müssen“, räumte Schächter ein. Wir müssen sensibel und kritisch sein, um wieder guten Journalismus zu aktivieren.

Das war der Tenor der Expertenrunde, der freilich nicht das ganze weite Feld abschließend bearbeiten konnte. „Dinge benennen und weiter denken, so wie heute“, forderte Schächter und schloss damit ganz im Sinne der Dialogreihe die Runde, die vom BR aufgezeichnet wurde und am Samstag, den 27. September 2014 um 22.30 Uhr auf ARD alpha ausgestrahlt wird.

Von Alexandra Korimorth

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