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Drei Musiker von Weltrang (v.l.): Violinistin Julia Fischer, Pianist Herbert Schuch und Cellist Daniel Müller-Schott.

Internationales Musikfest am Tegernsee

Atemberaubender Auftakt

Drei Künstler von Weltrang haben dem 28. Internationalen Musikfest Kreuth einen atemberaubenden Auftakt in Kaltenbrunn beschert: Julia Fischer, Daniel Müller-Schott und Herbert Schuch gestalteten das Eröffnungskonzert. Allein die Hitze machte Musikern und Publikum zu schaffen.

Kaltenbrunn– Am Anfang stand das Bekenntnis zur Rückkehr nach Wildbad Kreuth: „Nicht nur wir sind daran interessiert zurückzukehren, sondern auch die Hausherrin“, betonte Dieter Nonhoff, Leiter des Internationalen Musikfests Kreuth, und begrüßte Schirmherrin Herzogin Helene in Bayern, die nickte. Das Wann indes ist fraglich, es dürfte nicht das letzte Jahr sein, in dem das Musikfest „zu Gast bei Freunden“ ist. Der Auftakt fand in der mit rund 600 Besuchern längst ausverkauften Tenne in Gut Kaltenbrunn statt.

Das Konzert rang ausnahmsweise nicht nur den Musikern Höchstleistungen ab. Die Tenne hatte sich derart aufgeheizt, dass den Temperaturen für diesen Abend nicht mehr beizukommen war. Hier gerieten alle ins Schwitzen – erst recht die Musiker, die sich im Scheinwerferlicht auf der schlichten Bühne mit vollem Körpereinsatz der Musik hingaben. Regelmäßig sah man Pianist Herbert Schuch dicke Tropfen vom Gesicht rinnen, Cellist Daniel Müller-Schott griff hie und da zum Taschentuch. Allein die strahlende Violinistin Julia Fischer ließ sich wenig anmerken.

Festivalleiter Dieter Nonhoff (r.) begrüßt (ab 3.v.l.) Schirmherrin Herzogin Helene in Bayern und Netti Radmer, Vorsitzende des Freundeskreises des Internationalen Musikfests.

Die Höchstleistungen des Trios waren freilich nicht nur grundphysischer Natur. Ludwig van Beethovens „Erzherzog-Trio“ B-Dur Opus 97 verlangt konträre Emotionswechsel vom einen Ton auf den anderen. Und das Klaviertrio, das Peter Tschaikowski nie schreiben wollte, dann aber doch als Reminiszenz an einen verstorbenen Pianistenfreund verfasste (in a-Moll, Opus 50), strotzt vor Leidenschaft, die beseelt werden will, ohne den Faden zu verlieren. Natürlich darf man davon ausgehen, dass ein Star-Ensemble mit Künstlern von Weltrang dem gewachsen ist: Fischer (34), die die Professur von Ana Chumachenco, bei der sie selbst studierte, an der Münchner Hochschule für Musik und Theater übernommen hat. Ihr langjähriger Musikpartner Müller-Schott (40), der zum zweiten Mal dem Musikfest die Ehre gab. Und Schuch (37), der einst für Furore sorgte, als er gleich drei international bedeutende Wettbewerbe in Folge gewann.

Im ausgewogenen „Erzherzog-Trio“ durften vor allem das Violoncello und der Steinway-Flügel glänzen. Mal ließ Schuch die Noten schier ohne Anfang und Ende von den Tasten auf die Saiten fließen, dann perlten sie rhythmisch definiert in den Saal. Müller Schott pirschte sich mit herausforderndem Blick an aufwühlende Passagen heran oder streichelte die Saiten schwerelos. Leichtfüßiger und erfrischter als von diesen drei Musikern gibt es Beethoven selten zu hören.

Das kann auch für Tschaikowskis Klaviertrio gelten, das für Fischer noch mehr Gelegenheiten bot, ihre Klasse zu zeigen – mal zart, mal raumgreifend, mal gab sie sich mit geschlossenen Augen dem Schwung ihres Bogens hin. Wie sehr sie und Müller-Schott auf einer Wellenlänge schwingen, durften die Zuhörer genießen, als der Gesang von Violine und Cello zu einer Stimme verschmolz.

Was auch immer die drei Musiker taten: Sie taten es mit zupackender Leidenschaft, die ansteckt. Sie gehen auf in der Hingabe an die Musik. Präzise und perfekt, aber gänzlich frei von Pedanterie oder Arroganz – schlicht atemberaubend. So sehr, dass das Publikum noch die Luft anhielt, als es nach dem Finalsatz endlich hätte applaudieren können. Die Begeisterung brach sich nach einem Moment der Stille Bahn. Trotzdem suchte vor allem der hintere Teil des Saals lieber sofort den Weg an die frische Luft, statt eine Zugabe zu fordern. An fehlender Begeisterungsfähigkeit lag es nicht, das war von vielen zu vernehmen.

Was soll nach einem so fulminanten Auftakt noch kommen? Nun ja, eine ganze Menge. Die Organisatoren Helge Augstein und Rudi Wolf haben sich bei der Programmgestaltung selbst übertroffen. Unter anderem kommen das Notos Quartett mit Klaviersonaten ins Rottacher Seeforum (27. Juli) und die Klarinettisten Daniel und Alexander Gurfinkel mit Pianistin Silvia Patru (23. Juli) sowie das Schumann Quartett mit Streichquartetten von Haydn, Schumann und Bach (28. Juli) in den Festsaal des Holzkirchner Kultur im Oberbräu. Das Programm ist auf der Homepage des Musikfests zu finden. Erstaunlicherweise gibt es für alle weiteren Konzerte noch Karten, selbst fürs Finale im Seeforum am 29. Juli mit Pianist Kit Armstrong, das in derselben Liga spielt wie der Auftakt.

Katrin Hager

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