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Der vierte Tegernsee-Krimi von Jörg Steinleitner ist jetzt erschienen.

Neuer Tegernsee-Krimi "Hirschkuss"

Im Wald, da gibt's die Sünd'

Tegernseer Tal - In seinem vierten Tegernsee-Krimi lässt Jörg Steinleitner seine Ermittlerin eine vermisste Joggerin suchen - und die bayerische Seele ergründen.

„Hirschkuss“ von Jörg Steinleitner ist bei Piper Taschenbuch erschienen und kostet 8,99 Euro. ISBN 978-3-492-30242-5

Ein bisschen Wellness, ein paar verschrobene Tal-Bewohner und ein bisschen verseuchtes Fleisch – Jörg Steinleitner hat mit „Hirschkuss“ seinen vierten Tegernsee-Krimi vorgelegt. Auch hier gilt: nie den See beim Namen nennen. Wie immer, wenn Polizeihauptmeisterin Anne Loop ermittelt. Der Kenner weiß bei Wallberg, Riederstein, Bräustüberl und den vier Seegemeinden gleich, dass es nur der eine sein kann.

Diesmal muss die gebürtige Rheinländerin Loop nach einer vermissten Münchner Bankerin suchen, die während eines Wellness-Aufenthalts am See verschwindet. Einfach so beim Joggen im Wald. Und dort wimmelt es nur so von kuriosen Gestalten: einem preußischen Waldbesitzer, der sich in der Erhard-Villa in der „nördlichen Seegemeinde“ eingemietet hat, einem Waldarbeiter-Team, das sich schon am Morgen einen alkoholischen „Hirschkuss“ genehmigt, und einem grantelnden Jäger samt Hund Seehofer.

Die nächsten Fälle – Tod, Wilderei, Bombenexplosion – purzeln nur so auf die schöne Gesetzeshüterin zu, die mit ihrem Liebesleben aber eigentlich schon genug beschäftigt ist. Ganz nebenbei erhält der Oberland-unkundige Leser einen tiefen Einblick in die Seele dieses Menschenschlags, der kaum etwas für verabscheuenswürdiger hält, als Weißwürste mit Ketchup zu essen. Der auch in der Namensgebung seiner Kinder einer eigenen Gesetzmäßigkeit folgt, wie Loops Kollege Kastner ihr einmal erklärt. Sie nennt ihn hartnäckig Seppi, obwohl er doch mittlerweile zum Sepp aufgestiegen ist. Schließlich sei sein Vater gestorben. Und der eine ganz besondere Einstellung zum Leben hat. Leben ist da schon eher, was der Dienststellenleiter der Polizeiinspektion der Gemeinde am westlichen Seeufer betreibt: Kurt Nonnenmacher lässt da schon mal eine Vernehmung sausen, um einen „wichtigen Termin“ mit einem Bürgermeister wahrzunehmen und anschließend mit einer Bierfahne wieder an den Schreibtisch zurückzukehren.

Ein Leben in bayerischer Gemütlichkeit eben. Und nicht das, was die Investmentbanker in München praktizieren. „So viel Geld. So viel Verantwortung. So viel Arbeit ... Das ist doch kein Leben“, sagt Loop, nach dem sie mit Kastner die Kollegen der verschwundenen Bankerin vernommen hat. Wer einen Krimi mit Hochspannung sucht, der greift besser nicht zu „Hirschkuss“. Wer aber einen Einblick in den oberbayerischen Mikrokosmos wagen möchte – auch wenn er ihn schon kennt –, der ist bei diesem mit einem Augenzwinkern geschriebenen Roman gut aufgehoben.

Von Daniela Dinstbier

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