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Wohin soll’s denn gehen? Taxis haben eine Beförderungspflicht – der Nachweis, dass dieser nicht nachgekommen wurde, ist allerdings schwierig.

Am Tegernsee

Mann muss Schwiegermutter selbst abholen, weil kein Taxi sie fahren will

Ein Tölzer versucht am Tegernsee für seine 83-jährige Schwiegermutter ein Taxi zu bestellen. Neun Mal kassiert er eine Abfuhr - und fährt schließlich selbst. Was lief da schief?

Tegernseer Tal – „Wir kommen, wenn Sie uns anrufen!“ – so steht es auf der Homepage der Taxivereinigung Tegernseer Tal. Ingo Veit machte eine andere Erfahrung. Er suchte ein Taxi, das seine Schwiegermutter um 5 Uhr morgens zum Tegernseer Bahnhof bringen würde – vergeblich. 

Veit ist in Bad Tölz zuhause, seine Schwiegermutter in Tegernsee. Für eine Fahrt zum dortigen Bahnhof versuchte die 83-Jährige, sich ein Taxi zu organisieren. Verzweifelt meldete sie sich irgendwann bei ihrer Tochter und dem Schwiegersohn, weil es nicht gelang. „Ich dachte erst, das ist eine Sache von ein paar Minuten“, erzählt Veit. Gemeinsam mit seiner Frau begann er herumzutelefonieren. Doch die beiden wurden von einer Nummer an die nächste verwiesen. Sie sprachen mit Mitarbeitern der Taxivereinigung Tegernseer Tal, mit der Taxi Company aus Bad Wiessee und mit verschiedenen weiteren Taxi-Unternehmen im Tal. Nach neun Telefonaten bekam Veit die Information, dass das angeblich einzige Taxi, das an diesem Morgen den sogenannten Frühdienst habe, bereits belegt sei. 

Auf seine Frage, ob es im gesamten Tal also kein Taxi gebe, das die Schwiegermutter um diese Zeit zum Bahnhof bringen könne, hieß es nur: ja. Für Veit ist das unbegreiflich. „In Tölz ist es spielend einfach möglich, werktags ein örtliches Taxi zu jeder Tages- und Nachtzeit zu bestellen“, berichtet er. Gerade für eine Fremdenverkehrsregion wie das Tal sei das doch untragbar.

Was da schief gegangen ist, kann sich auch Manfred Lueginger nicht erklären. Er ist Vorsitzender der Taxivereinigung Tegernseer Tal, in der sich zwölf Unternehmen zusammengeschlossen haben – erreichbar unter einer Telefonnummer. „Normalerweise stehen ab 4.30 Uhr drei Autos bereit“, erklärt Lueginger, „und wenn früh genug noch eine zusätzliche Fahrt angemeldet wird, dann wird das auch organisiert.“ Die Unternehmen würden sich dann untereinander absprechen, sagt Lueginger. „Ich höre das erste Mal von so einem Vorfall.“

Lueginger kann sich den Fauxpas nur so erklären, dass ein „weniger engagierter Mitarbeiter“ am Telefon der Zentrale gesessen haben müsse. Wer eine ähnliche Abfuhr erhalte, dürfe sich jederzeit über sein Unternehmen in Rottach-Egern an ihn persönlich wenden.

Für Taxiunternehmen besteht eine Beförderungspflicht innerhalb des sogenannten Pflichtfahrbereichs, auch für Kurzfahrten – solange nicht Sicherheit und Ordnung gefährdet sind, etwa ein Fahrgast aggressiv oder betrunken auftritt. Für Taxiunternehmen mit Sitz im Landkreis umfasst der Pflichtfahrbereich die Landkreise Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen sowie Rosenheim, inklusive Stadt. Das regelt die Taxitarifordnung (TTO), die zuletzt 2017 geändert wurde – um Zuschläge für Nachtfahrten einzuführen, auf die die Mehrheit der Taxiunternehmen im Landkreis gedrängt hatte.

Für die Ahndung von Verstößen gegen die TTO ist der Fachbereich Mobilität am Landratsamt zuständig, erklärt Sophie Stadler, stellvertretende Sprecherin der Behörde. „Bei begründeten Hinweisen oder Mitteilungen hört das Landratsamt die betroffenen Gewerbetreibenden und leitet gegebenenfalls ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren ein“, so Stadler. „Speziell Verstöße gegen die Beförderungspflicht nimmt das Landratsamt sehr ernst.“ In Extremfällen kann es bei Verstößen bis zu 10 000 Euro Bußgeld gegen den Fahrer verhängen. Ob sich der Nachweis immer führen lässt, das steht auf einem anderen Blatt.

Veits Schwiegermutter ist übrigens noch zum Bahnhof gefahren worden. Nicht vom Taxi. Sondern von Veit selbst, der dafür um 4 Uhr früh von Bad Tölz nach Tegernsee fuhr.

ag/cmh

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