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Starbariton vor seinem Auftritt beim Internationalen Musikfest Kreuth

Christian Gerhaher: „Routine ist nicht erstrebenswert“

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Starbariton Christian Gerhaher hat Maßstäbe in der Liedinterpretation gesetzt. Mit seinem Klavierpartner Gerold Huber kommt er nun zum Internationalen Musikfest Kreuth. Vor seinem Auftritt in Gut Kaltenbrunn spricht er im Interview über die wichtigste Partnerschaft nach seiner Ehe, den Reiz des Kunstlieds und die „Dichterliebe“.

Kaltenbrunn – Der Name Gerhaher wird unter Klassikfreunden respekt-, beinahe ehrfurchtsvoll ausgesprochen. Wie das eben so ist bei einem Weltstar, der gefragt ist in Oper und Lied, weil er es versteht, die Menschen mit seiner Kunst anzurühren. Christian Gerhaher (49) ist derzeit der wohl bekannteste deutsche Bariton, feierte erst vor kurzem an der Seite etwa von Jonas Kaufmann mit dem „Parsifal“ bei der Münchner „Oper für alle“ Premiere. Zum Internationalen Musikfest Kreuth, das an diesem Dienstag, 17. Juli 2018, startet, kommt der gebürtige Straubinger am Freitag, 20. Juli, um 19.30 Uhr mit einem Liedabend in die Tenne des Guts Kaltenbrunn. Wie immer seit 30 Jahren an seiner Seite: Pianist Gerold Huber. Wir sprachen mit dem Star über diese künstlerische Partnerschaft, die Maßstäbe gesetzt hat, und darüber, was beim Konzert in Kaltenbrunn zu erwarten ist.

Seit 30 Jahren konzertieren Sie bei Liedabenden ausschließlich mit Gerold Huber. Wie kam es dazu?

Christian Gerhaher: „So etwas plant man nicht. Gerold Huber und ich kannten uns gut, wir waren schon zu Schulzeiten befreundet, haben miteinander Karten gespielt und zusammen im Chor gesungen, dessen Leiter sein Vater war. Zum Studium sind wir dann beide nach München gegangen. Gleich am Beginn des ersten Semesters habe ich Karten für einen Liederabend mit Hermann Prey bekommen, der damals unter anderem Schumanns „Dichterliebe“ sang – ein mich völlig hinreißender Abend. Schlagartig entwickelte sich bei mir das Interesse am Kunstlied. Und wir beide begeisterten uns dann auch gemeinsam für dieses Repertoire.“

Gab es je einen Punkt, an dem Zweifel kamen, ob diese musikalische Partnerschaft eine gute Idee war?

Gerhaher: „Nein. Wir haben uns aber auch kein lebenslanges Eheversprechen gegeben, sondern haben uns von Konzert zu Konzert, von Repertoire zu Repertoire entwickelt. Während des Studiums haben wir uns auf kleinen Bühnen ausprobiert. Immer wieder. Etwa zehn Jahre hat es gedauert, bis wir langsam das Gefühl bekamen, mit dieser Arbeit auch Erfolg haben zu wollen.“

Ist es nicht ungewöhnlich, dass man sich in jungen Jahren schon für das Kunstlied begeistert?

Gerhaher: „Ich habe nie empfunden, dass sich das Lied einer Mode stellen müsse oder eben für ein gewisses Lebensalter reserviert sei. Und dennoch ist es wohl so, dass es skeptischer gesehen wird, je jünger das Publikum ist – unter anderem vielleicht, weil mit der gelegentlichen Rückwendung des Kunstliedes zum Volkslied hin, wie etwa bei Johannes Brahms, Sentimentalität und sogar die Gefahr von Kitsch in den Vordergrund treten. So kann es passieren, dass dem Kunstlied sein eigentlich gerade durch das Geistige geprägtes Wesen ein wenig abhandenkommt. Denn das meiste oder zumindest das Beste aus dem unübersehbar großen und komplizierten Repertoire erschließt sich meines Erachtens erst, wenn man gewillt ist, es eben nicht durch die Verbindung zur eigenen Lebenswirklichkeit zu begreifen.“

Lesen Sie auch: Das erwartet das Publikum bei den ersten vier Konzerten des Musikfests in Kaltenbrunn

Worin liegen die Herausforderungen für Sie als Künstler-Duo?

Gerhaher: „Ich würde sagen, paradoxerweise gerade in der nach so langer Zeit gewonnenen Sicherheit im Zusammenspiel und im gemeinsamen Erarbeiten von Repertoire. So wie wir proben, müssen wir zwar erfreulicherweise nicht immer wieder bei Null beginnen. Aber Künste sind grundsätzlich in ihrer Ernsthaftigkeit und Wahrhaftigkeit gefährdet, wenn sie sich der Routine ergeben. Routine ist in meinen Augen bei keiner Kunst erstrebenswert, und als Haltung ist sie nicht tragbar. Man darf nicht annehmen „Das kann ich, das habe ich schon gemacht“. Man muss sich der Literatur immer wieder neu stellen, um die Wahrhaftigkeit als darstellerische Grundhaltung aufrechtzuerhalten.

Wie würden Sie denn nun Ihr Verhältnis benennen: Zusammenarbeit? Freundschaft? Musikalische Partnerschaft? Gegenseitige Herausforderung?

Gerhaher: „Die Zusammenarbeit mit Herrn Huber ist nach meiner Ehe die wichtigste Partnerschaft in meinem Leben.“

Ist sie das Geheimnis Ihrer Liedkunst, die weltweit Maßstäbe setzt?

Gerhaher: „Geheimnis? Unsere Kunst hat nichts Esoterisches, sondern ist geprägt von einer eher sachlichen Herangehensweise, was dauerhafte Begeisterung für die von uns erarbeiteten Kunstwerke ja keineswegs ausschließt – ich möchte damit nur ausdrücken, dass unsere persönliche Emotionalität nie Grundlage unserer Darstellungsarbeit sein kann und darf. Wir versuchen also, die klangliche Identität des jeweiligen Liedes so gut wie möglich durch unsere Arbeit zu repräsentieren, ohne unsere eigene Lebenswirklichkeit ins Spiel zu bringen oder ,nutzbar zu machen‘.“

Auf dem Programm am Freitag steht neben Debussy und Schumann auch die „Dichterliebe“, die es Ihnen vor 30 Jahren so angetan hat.

Gerhaher: „Die ,Dichterliebe ist tatsächlich noch immer eines der wichtigsten Werke für Gerold Huber und mich – und in diesem Jahr eben auch ein Anniversarium. Aber das ist eher nur für uns wichtig. Und die Annäherung ist heute auch ein wenig anders als damals.“

Hier gibt‘s Karten

Karten für den Liederabend auf Gut Kaltenbrunn und alle weiteren Konzerte des diesjährigen Internationalen Musikfests Kreuth gibt es im Vorverkauf bei der Geschäftsstelle des Festivals in der Tourist-Info Kreuth (0 80 29 / 9 97 90 80), in den Tourist-Infos am Tegernsee und im Webshop der TTT

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