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Immer einsatzbereit: Stephan Vogl von der Schnelleinsatzgruppe (SEG) des Roten Kreuzes.

Stephan Vogl von der SEG über den Mitglieder-Mangel

"Die Leute liegen oft lieber am See"

Tegernseer Tal - Die Ehrenamtlichen der Schnelleinsatzgruppen des BRK haben einen verantwortungsvollen Job. Wir sprachen mit einer Führungskraft über die Arbeit und den Helfer-Mangel.

Ihr Handeln kann über Leben und Tod entscheiden. Die ehrenamtlichen Mitglieder der Schnelleinsatzgruppen (SEG) des Roten Kreuzes tragen viel Verantwortung. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn der reguläre Rettungsdienst aufgrund eines Großschadens-Ereignisses oder wegen hoher Auslastung unterstützt werden muss. So zum Beispiel beim Zugunglück in Bad Aibling Anfang Februar. Unsere Zeitung sprach mit Stephan Vogl vom Führungsteam der „SEG Behandlung und Transport“ über den Helfer-Mangel, aber auch über Chancen bei den Ehrenamtlichen.

Herr Vogl, viele Vereine klagen über rückläufige Mitgliederzahlen oder finanzielle Schwierigkeiten. Wo genau liegen die Probleme bei den Schnelleinsatzgruppen?

Stephan Vogl: Probleme haben wir in beiden Bereichen. In unserer Gesellschaft ist das Freizeitangebot sehr vielschichtig. Die Leute liegen eben oft lieber am See, als sich ehrenamtlich zu engagieren. Was den finanziellen Aspekt angeht, so haben wir das Problem, dass unsere Ausrüstung von niemandem bezahlt wird. Für uns sind keine Gemeinden direkt zuständig oder feste staatliche Zuschüsse berücksichtigt, deshalb sind wir auf Spenden angewiesen.

Kann eigentlich jeder aktives Mitglied bei der SEG werden?

Stephan Vogl: Im Prinzip kann wirklich jeder aktives Mitglied werden. Sofort weiterhelfen würden uns Personen, die bereits volljährig sind. Einfach aus dem Grund, dass man in dem Alter im Normalfall bereits mobil ist. Außerdem unterliegt man dann nicht den Einschränkungen des Jugendarbeitsschutzes. Der Vorteil an einer aktiven Mitgliedschaft ist, dass man im Notfall – zum Beispiel auf Familienfeiern – immer weiß, was zu tun ist. Man kann also jederzeit fachgerecht helfen.

Welche Voraussetzungen muss ein aktives Mitglied mitbringen?

Stephan Vogl: Ein aktives Mitglied muss in erster Linie Begeisterungsfähigkeit und natürlich Zeit mitbringen. Alles andere findet man bei uns. Dafür erwartet aktive Mitglieder eine kostenlose Aus- und Weiterbildung beispielsweise zum Rettungssanitäter.

Welcher Zeitaufwand steckt denn hinter einer aktiven Mitgliedschaft?

Stephan Vogl: Wie viel Zeit jeder investiert, das kann man im Prinzip selbst steuern. Zuerst müssen die Basics – wie ich sie nenne – absolviert werden. Das sind jeweils ein Wochenende Rotkreuz-Einführungsseminar und der Erste-Hilfe-Kurs. Damit können neue Mitglieder dann ihre ersten Schritte bei uns schon selbst machen. Danach sind einem Mitglied nach oben keine Grenzen gesetzt. Wir haben hier im Tegernseer Tal die „SEG Transport und Behandlung“. Für die Aufgaben in der SEG bieten wir Ausbildungen wie Sanitäts- und Betreuungslehrgänge, Technik und Sicherheit und vieles mehr an. Darüber hinaus können Interessierte aber auch in anderen Fachbereichen innerhalb unseres Verbands im Landkreis mitarbeiten: zum Beispiel bei der Rettungshundestaffel oder beim Kriseninterventionsdienst.

Bastian Huber

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