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Leonhardifahrer in Kreuth trotzen dem Wintereinbruch

„Weil wir es gern tun“

Kreuth – Erst war es nur Regen, dann setzte auch noch Schneefall ein, und doch: 30 Gespanne trotzten dem Wetter und nahmen am Sonntagvormittag an der Leonhardifahrt in Kreuth teil. 

Wetterfeste Gläubige habe er hier versammelt, freute sich Monsignore Walter Waldschütz. Der Gottesdienst fand trotz des Winterbeginns unter freiem Himmel statt. Gebirgsschützen, Schalkfrauen, Musikkapellen, Politiker und Honoratioren stellten einen beeindruckenden Kirchenzug. 

Als Mitzelebrant beim Festgottesdienst hatte der Tegernseer Dekan Abt Maximilian Fürnsinn aus dem niederösterreichischen Stift Herzogenburg eingeladen. Dieser ist der dienstälteste Abt Österreichs und stammt aus dem Augustiner Chorherrnstift, das unweit der Tegernseer Partnergemeinde Dürnstein liegt. Bei einem Besuch vor zwei Jahren hatte der Abt sein Kommen zu Leonhardi in Kreuth spontan zugesagt. Humorvoll starteten die beiden Geistlichen den Festgottesdienst: Es könne so ja keiner klagen, dass es zu heiß sei. Damit bezogen sie sich auf die sehr warmen Leonharditage der vergangenen Jahre. 

In seiner Predigt erinnerte Fürnsinn an die Legende des Heiligen Leonhard. Auch Leonhard habe an einem Übergang der Geschichte gelebt, sagte der Abt. Im sechsten Jahrhundert habe der Heilige sich eingesetzt, dass alle Menschen ein gutes Leben und Auskommen hatten. Das machte ihn im Volksglauben dann zum Kettensprenger und Patron für Hof und Vieh. Damals war es die Zeit, als auf dem europäischen Kontinent das geistige Fundament für ein christliches Abendland gelegt wurde. Auch damals stand man in einer Zeit wirtschaftlicher Krise, gesellschaftlicher Verunsicherung und Einwanderung neuer Volksgruppen. 

Fürnsinn zog Parallelen zur heutigen Gesellschaft, die sich geistig nicht mehr binde und damit ihre Werte verlasse. Leonhard könne als sinnstiftendes Beispiel dienen. Es sei möglich, wie Leonhard, allen Menschen ein gutes Leben zu ermöglichen, wenn man in liebender Aufmerksamkeit hinhöre und aufeinander zugehe. Leonhard sei ein Heiliger, dessen Beispiel Europa mit seinen Herausforderungen heute brauche. 

Seit mehr als 500 Jahren erbitten Ross und Reiter in Kreuth den Segen des Heiligen Leonhard, Schutzpatron des Viehs, der Bauern und der Gefangenen. In diesem Jahr begleiteten deutlich weniger Zuschauer als sonst den Wallfahrtszug: Die Schaulustigen zeigten sich weniger wetterfest als die Wallfahrer. 

Bilder: Leonhardifahrt im winterlichen Kreuth

Kreuths Bürgermeister Josef Bierschneider freute sich besonders über 50 Gäste aus Frankfurt. Sie sind Gemeindemitglieder der dortigen Leonhardskirche. Das Brauchtum, wie es hier gepflegt wird, hat sie beeindruckt – nicht nur trotz des Wetters, aber auch. Oder wie Bierschneider sagte: „Wir Kreuther fahren Leonhardi unabhängig vom Wetter, weil wir es gern tun.

Sonja Still

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