Spaziergänger am Länd am Tegernsee
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Der Tegernsee als Marke: Die Stadt als Gesellschafter muss 2021 mehr in die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) einbezahlen. Das Bild zeigt den Bereich am Länd.

Stadtrat nickt Budget ab

Teurer Tourismus: Tegernsee muss mehr Geld an TTT überweisen

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Teurer Tourismus: Der Tegernseer Stadtrat hat mehrheitlich das höhere TTT-Budget genehmigt, stellte aber kritische Fragen.

Tegernsee – Die Stadt als Gesellschafter muss 2021 mehr in die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) einbezahlen. Der Beitrag steigt um 58 561 Euro auf 603 289 Euro. Warum das so ist und wie sich die Kosten im Detail zusammensetzen, erklärten TTT-Geschäftsführer Christian Kausch und Marketingleiter Thomas Baumgartner jetzt den Stadträten. Die hatten kritische Fragen.

Insgesamt, sagte Kausch, steigt das Budget der TTT von 4,5 Millionen Euro auf nun knapp 5,2 Millionen Euro. 14 Prozent der Ausgaben entfallen dabei auf Kartensysteme, 43 Prozent (zuvor 49 Prozent) sind fürs Personal, 40 Prozent (38 Prozent) für Sachkosten nötig. Drei Prozent des Budgets (156 000 Euro) macht die Kurmusik Bad Wiessee aus. Diesen Posten wird allerdings die Gemeinde Bad Wiessee selbst übernehmen (wir berichteten).

Was die konkreten Kosten für Tegernsee betrifft, so sind 45 649 Euro Grundbeitrag, bemessen an der Kreisumlage, zu zahlen. Im Jahr 2019 waren es 44 523 Euro. Die Marketingumlage, bemessen nach den Übernachtungszahlen von Tegernsee, belasten die Stadt mit 319 027 Euro (2019: 228 807 Euro). Hinzu kommt die Umlage für die Tourist-Info (TI) in Höhe von 238 612 Euro (zuvor 271 397 Euro).

Thomas Baumgartner warb bei der Sitzung erneut für die Digital-Offensive der TTT, für die zwei Mitarbeiter eingestellt werden. Ziel müsse es sein, eigene Kanäle zu stärken, wettbewerbsfähig zu sein und den Gast in jedem Stadium seiner Urlaubsbuchung ansprechen zu können, sagte Baumgartner.

Florian Kohler (BürgerListe) war nicht komplett einverstanden. „Ich finde es zwar toll, was die TTT inhaltlich macht“, sagte Kohler, „aber mit der Digitalisierung sind wir komplett auf dem Holzweg.“ Jeder Mensch buche sein Hotel über Portale wie booking.com, tripadvisor oder das Hotel selbst. Keiner buche über eine Region. „Wir werden dominiert von Google und Co.“, begründete Kohler seine Kritik am Weg der TTT. Man soll sich mehr auf Inhalte konzentrieren und Geld zum Beispiel in ein Parkhaus oder ein kluges Bus-System um den See investieren. Auch ein attraktives Besucherzentrum sei sinnvoll, so Kohler. „Wir sollten neu denken und sinnvolle Produkte entwickeln, denn im Augenblick rennen wir nur herum und stellen Parkverbotsschilder auf. Das ist nicht mal der Tropfen auf dem heißen Stein.“

Baumgartner verteidigte die Initiative. Dem Gast müssten zielgruppengerichtet alle Angebote aufgezeigt und auch angeboten werden. Beim Marketing gehe es um Qualität, um das „Aufladen“ der Marke Tegernsee und die Schaffung von Bekanntheit.

Anton Lengmüller (FWG) hatte Synergien im Blick und fragte, in welcher Form TTT und die Tourismusorganisation Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) zusammenarbeiten würden. „Da könnten wir Geld sparen, denn der Beitrag zur TTT ist nicht gerade billig.“ Baumgartner verwies auf eine bestehende Arbeitsgruppe, bei der der künftige Weg besprochen werde. Im Zentrum stehe eine zentrale Daten-Plattform, die von der ATS betrieben werde und in die die TTT Daten einspiele und auch wieder nutze. Im Bereich Marketing sei klar: „Dass der Tegernsee die Marke ist, steht außer Diskussion.“

Thomas Mandl (SPD) sprach das Thema Nachhaltigkeit an und wollte wissen, mit welchen Produkten das hinterlegt sei. „Da passiert konkret sehr viel“, meinte Kausch und nannte Beispiele: Etwa gestrichene Fackelwanderungen, den Verzicht auf Feuerwerke oder die Bewerbung von Regionalprodukten. Auf die eine oder andere Veranstaltung zu verzichten, sei ein wichtiger Prozess.

Nach der ausführlichen Diskussion wurde abgestimmt: Gegen die Stimme von Florian Kohler wurde das Budget genehmigt.

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