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Andrang im Schloss: Drei Viertel der Artikel wechselten beim Verkaufsmarkt bereits nach einer Stunde den Besitzer.

Verkaufsmarkt im Schloss

Edles für Schnäppchenjäger

Tegernsee - Der Andrang vor dem Tegernseer Schloss war am Samstag nicht geringer als der vor einem Apple-Store. 500 Schnäppchenjäger drängten sich allein innerhalb der ersten Stunde zum Verkaufsmarkt in die herzoglichen Gemächer. Und das hat sich gelohnt.

Es sind nicht nur Schnäppchenjäger, die sich bereits weit vor zehn Uhr auf dem Tegernseer Schlossplatz aufstellen. Geduldig warten auch Anhänger des Hauses Wittelsbach, Historienfans sowie Freunde und Bekannte der Herzoglichen Familie, bis sich um Punkt zehn Uhr unter den Klängen von Benedikt, der großen Glocke im Kirchturm, die Türen öffnen. Gleich dahinter begrüßt eine bestens gelaunte Herzogin Elizabeth ihre Gäste und weist den Weg über die König-Max-Treppe nach oben in den Bankettsaal.

Verkaufsmarkt von Herzogin Elisabeth in Bayern - Bilder

Verkaufsmarkt von Herzogin Elisabeth in Bayern - Bilder

Dort warten die herzogliche Familie und enge Freunde, alle ausgewiesen durch weiß-blaue Schärpen: Herzogin Helene, Herzogin Anna, Herzogin Marie von Württemberg, Herzogin Elizabeth und ihr Mann Daniel Terberger, Neffen und Nichten und natürlich auch einige der Enkel von I.K.H. Elizabeth und Max in Bayern. Die Kinder wundern sich mit großen Augen, was im Bankettsaal alles passiert. Die kauflaunigen Gäste verteilen sich schnell. Halten, obwohl alles ausgezeichnet ist, Gegenstände – selbst riesige Waschschüsseln und Krüge – in die Luft und rufen in die eine Richtung: „Schau mal, das passt doch perfekt zu meinem Mokkageschirr!“ Und in die andere: „Was kostet dies hier?“ Gehandelt wird übrigens nicht. „Es ist ja schließlich für einen guten Zweck“, sagt Stefanie Hahn aus München, eine professionelle Flohmarktbesucherin, die sonst grundsätzlich feilscht.

Die 80-jährige Margot Stroesser aus Rottach-Egern geht sonst nie auf Flohmärkte. Heute aber kauft sie Kuchengabeln, Besteck, einen Plätzchenteller und ein Potschamperl. Letztere sind übrigens als erstes vergriffen. Alles wird feinsäuberlich verpackt in Seiden- oder Zeitungspapier, Kartons und Tüten, die in der Mitte der Räume auf Verpackungstischen bereitliegen. Perfekt organisiert.

Einen richtig guten Griff tut Brigitte Deinhart aus Bad Wiessee. Ihre Leidenschaft gilt alten Spielsachen, mit denen sie demnächst in Wiessee ein Museum eröffnen will. In Sachen Spielzeug wird sie zwar enttäuscht. Aber sie kann die 36 Teile des handbemalten Teeservice „Alt Wien“ mit türkisfarbenem Rand sowie rosafarbenen und gelben Teerosen ergattern – inklusive einer wunderschönen Teekanne. „Man muss sich auch mal selbst beschenken“, sagt sie glücklich beim Einpacken.

Wenn Gegenständen nicht anzusehen ist, wofür sie gebraucht wurden, gab es Geschichtsnachhilfe. Wie bei den Zahnbürsten- und Rasierzeugdosen oder den Schreibsets aus Porzellan. Diese bestehen aus einem Gefäß für Schreibfedern, einem für Tinte und obendrein einer Art Salzstreuer. „Da war feinster Sand oder so eine Art Puder drin, den man über den Brief streute, um die Tinte zu trocknen“, heißt es da. Ahja. Und wie bekam man den Puder in den Streuer? „Das war wohl die Aufgabe eines langmütigen Bediensteten, das Pulver durch die vielen kleinen Löcher da hinein zu schütten. Manpower war damals ja nicht so die Frage.“ Die Schreibsets übrigens sollen nicht in den Gästezimmern von Bad Kreuth gestanden haben, sondern dort in einer Schule. Ganz en passant und charmant gibt es diese historischen Einblicke.

Am besten von Herzogin Elizabeth selbst, die eine silberne Gabel mit dem Stempel „Bahnhof Augsburg“ festhält: „Ich liebe diese Gabel. Die hat mal bestimmt einer gemopst. Wie die wohl nach Kreuth gekommen ist? Nein, die will ich doch nicht hergeben“, sagt sie lachend. Und betont, wie sehr es sie freue, dass die ganze Familie gekommen sei, sogar von weit her, um für einen guten Zweck zusammenzuhelfen.

Wie etwa ihre 24-jährige Nichte Marie Therese Gräfin von Waldburg-Zeil-Trauchburg, die eigens aus Hamburg anreiste. „Ich helfe gern und war beim letzten Mal auch schon dabei. Wenn es für einen guten Zweck ist, macht es umso mehr Spaß“, erklärt sie. Und Gräfin Elisabeth Strachwitz, Mitarbeiterin von Herzogin Elizabeth, ergänzt: „Ja. Wenn man alles selber macht, bleiben 100 Prozent übrig.“ 100 Prozent, das waren am Samstag mehr als 20 000 Euro, wie sie am Abend mitteilte. „Wir mussten um 16 Uhr bereits ausverkauft schließen.“

Den Erlös spendet die Herzogliche Familie vollständig an die Freiwillige Feuerwehr Tegernsee, den Landesverband Bayern der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft und die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, wo ein Großteil der Familie während des Zweiten Weltkrieges interniert war. Die finanzielle Zuwendung dient der Finanzierung von Reisekosten bedürftiger ehemaliger KZ-Insassen für das Jahrestreffen.

Alexandra Korimorth

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