+
Ausgelassen und fröhlich wurde beim historischen Festzug am 2. August 2015 gefeiert. Der Katzenjammer kam später: Finanziell lief es sc hlechter als erwartet.

Gemeinde Waakirchen stiftet Anschubfinanzierung

1000-Jahre Schaftlach: Leere Kasse nach Riesenfest

  • schließen

Zum 1000. Geburtstag von Schaftlach gab’s 2015 ein großes Fest – und hinterher Katzenjammer. Finanziell war einiges nicht so gelaufen wie erhofft. Damit kein Minus bleibt, stiftet die Gemeinde Waakirchen jetzt die Anschubfinanzierung: 30 000 Euro.

Waakirchen – Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) nahm’s locker: „Für jedes Jahr 30 Euro, das geht doch.“ Auf dem Tisch lag die Bitte der Dorfgemeinschaft Schaftlach, 30 000 Euro für die Feierlichkeiten zu 1000 Jahre Schaftlach zu spendieren. Die Summe ist schon bezahlt: Der Waakirchner Gemeinderat hatte sie einst als Anschubfinanzierung gewährt. Eigentlich sollte sie zurückgezahlt werden. Aber dazu ist die Dorfgemeinschaft nicht im Stande. Das ist klar, seitdem das Fest endlich auch steuerlich abgeschlossen ist.

Dass trotz des riesigen Einsatzes der Ehrenamtlichen und der Besuchermassen am Ende nichts mehr in der Kasse ist, hat im Dorf schon für viel Gesprächsstoff gesorgt. Vor zwei Wochen gab’s eine Versammlung dazu, bei der das Finanzielle Thema war. „Man kann jetzt Schuldige suchen, aber nachtarocken bringt nichts“, meinte Bürgermeister Hartl in der Sitzung. Die Gemeinde habe ein wunderbares Fest gehabt, auch wenn vielleicht der eine oder andere Fehler passiert sei, bei der Bewirtung oder beim Verkauf der Festzeichen. „Wir müssen den Leuten danken, die sich zur Verfügung gestellt haben.“

Ganz so sieht Balthasar Brandhofer (ABV) das nicht. „Das Management war eine Katastrophe“, erklärte er. Die Verantwortlichen hätten dem Gemeinderat damals dargelegt, dass dank der guten Vorbereitung finanziell alles glatt laufen müsste. Er wolle nicht in Abrede stellen, dass für das Fest eine „Heidenarbeit“ geleistet worden sei, meinte Brandhofer. Aber nun könne nicht einmal die Anschubfinanzierung zurückgezahlt werden: „Das darf bei einem solchen Besuch einfach nicht passieren.“

Man habe sich halt auf „eine Persönlichkeit“ verlassen, merkte Monika Marstaller (FWG) an. Aber jetzt noch „nachzuhakeln“, das sei nicht gut. Im Ort solle Ruhe einkehren. Schließlich sei es ein wirklich schönes Fest gewesen, der ganze Ort habe ehrenamtlich mitgearbeitet. „Wir sollten das jetzt mal abschließen.“

Das geschah dann auch: Der Gemeinderat stimmte dafür, die Anschubfinanzierung zu stiften. Und Christian Markl, Sprecher der Schaftlacher Dorfgemeinschaft, ist erleichtert. „Damit können wir endlich einen Schlussstrich ziehen.“ Mit dem Verzicht der Gemeinde auf die Rückzahlung sind keine Forderungen mehr offen. Das ist auch dem umfangreichen Rahmenprogramm und den Spendern zu verdanken. Wie es kommt, dass ein so großes Fest nichts abgeworfen hat, darüber will Markl jetzt, zwei Jahre danach, nicht mehr reden. „Es war ein schönes Fest, aber manches ist halt nicht so gut gelaufen.“

Das weiß auch der, der als professioneller Event-Manager das riesige Jubiläumsprogramm entwickelt hat: Richard Hartmann. Unter seiner Regie gestaltete die Dorfgemeinschaft ein ganzes Festjahr. Höhepunkte waren der historische Festzug, die Trachten-Modenschau, das mittelalterliche Lagerleben. Die Unterlagen für das Jubiläum füllen in seinem Büro 25 Aktenordner. „Ich habe selten in etwas so viel Arbeit investiert“, sagt er. Es habe ihm auch viel Freude gemacht, mit den Vereinen zusammenzuarbeiten, meint der Eventmanager. Er sei fürs Programm verantwortlich gewesen, nicht für die Finanzen. Doch im Hintergrund habe er manches gerettet, was ansonsten schief gelaufen wäre, so Hartmann. Es stimme ihn traurig, dass versucht werde, ihm die Schuld am finanziellen Misserfolg zuzuschieben: „Das ist sehr schade.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schlimmer Fehler: Rottacher landet mit riesiger Narbe vor Gericht
Den 6. Januar 2017 wird ein 20-jähriger Rottacher wohl nie vergessen. Seit diesem Tag ziert die Narbe einer Schnittwunde seinen Kopf, die ihm für immer bleiben wird.
Schlimmer Fehler: Rottacher landet mit riesiger Narbe vor Gericht
Bergwacht sauer: Rosstag bringt kein Geld mehr
Weniger Festplatzbesucher, weniger Einnahmen: Die Bergwacht Rottach-Egern ist unzufrieden mit den Entwicklungen beim Rosstag. Auch weil inzwischen viele andere die Hand …
Bergwacht sauer: Rosstag bringt kein Geld mehr
Kuhglocken-Hasser verklagt jetzt auch Gemeinde
Seine Frau leidet unter Depressionen, er kann nicht mehr schlafen. Der Grund: Kuhglocken auf der Weide. Aber es geht ihm auch um die Kühe selbst - die seien …
Kuhglocken-Hasser verklagt jetzt auch Gemeinde
Wie diese Burschen aus Tegernsee ein Silicon Valley machen wollen
Ein alter Haudegen und vier Youngsters wollen das Tegernseer Tal zum deutschen Silicon Valley machen. Mit ihrer künstlichen Intelligenz Harvey X. Das ist ihr kühner Plan:
Wie diese Burschen aus Tegernsee ein Silicon Valley machen wollen

Kommentare