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Jung, energiegeladen, gschnappig – so präsentierte sich die Kabarettistin und Volkssängerin Andrea Limmer auf der Waakirchner Kleinkunstbühne.

„Das Schweigen der Limmer“

Andrea Limmer: Frisch und frech in Waakirchen

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Kabarett vom Allerfeinsten bot Andrea Limmer mit ihrem Programm „Das Schweigen der Limmer“ in der Waakirchner Schulaula.

Waakirchen – Wie ein Energiebündel mit Explosionskraft sprang Andrea Limmer am Freitagabend in der Waakirchner Schulaula vor ihr rund 70-köpfiges Publikum. Ihre „Zuckermäuse und Zuckermäusinnen“ erwartete ein zweistündiger Kabarettabend unter dem Motto „Das Schweigen der Limmer“ – in Anlehnung an den bekannten Psychothriller „Das Schweigen der Lämmer“, dem 1991 das Thema Transformation zu Eigen war und mit dem der Welt der Kannibale Hannibal Lecter präsentiert wurde.

Limmer präsentierte sich klein, zierlich, Mitte 30, die aber locker wie Mitte 20 aussehen, mit schwarzbestrumpften Beinen in fetzigen Jeans-Shorts und weiten, roten Karohemd. So machte die Blondine mit dem großen Mund und der großen Klappe nicht den Eindruck eines Bösewichts. Dennoch entfachte sie ein blutiges Gemetzel, eine Abrechnung mit dem täglichen Irrwitz, den gewöhnlichen Absurditäten, die sie tranchieren und filetieren sollte wie einst Hannibal die Leber seiner Opfer.

Witze über Niederbayern und Jens Spahn

Mit der niederbayrischen Urschrei-Meditation zur Energetisierung des Wurzelchakras sezierte sie nicht nur ihre niederbayerische Heimat und deren (zurückhaltende) Kommunikationsfähigkeit im Gegensatz zum nichtssagenden Blablabla, das sie ihr Publikum tatsächlich in Liedform anstimmen ließ. Denn: „Oft reden die Menschen nur, damit die Luft Krach macht“, sagte sie und meinte im gleichen Atemzug ganz en passant, dass sich das der Jens auch „spahn“ (sparen) könnte.

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Mit diesen kleinen, flinken Nachsätzen, gleich semantischen Pirouetten, setzte sie ihr Skalpell so akkurat, dass der Zuhörer leicht versucht wäre darüber hinweg zu gehen, wenn nicht – zeitversetzt – der Schmerz einsetzen würde – wie beispielsweise bei der Erzählung über die Ärzte, die eingetrocknetes Nutella erst als Hautkrebs diagnostizierten und dann aber die Mandeln, den Blinddarm und die Hoden eines Patienten entfernten, weil es sich, er lag ohnehin auf dem OP-Tisch, einfach anbot.

Limmer-Publikum taut mit der Zeit auf

Bei Limmer zerreißt es Alexa, wenn man sie nach „günstige Mietpreise in München“ fragt. Coffee-to-Go-Plastik-Becher und Bärchenwurst werden ebenso bloß gelegt wie ihre Freundin Hannah, kompromissbereiter Dauersingle, ihre Oma und WG-Mitbewohnerin Cilly, windeltragende Existenzialistin, die die Enkelin telefonisch stets in Kenntnis setzt, „wer gerade gestorben ist, wer bald sterben wird und wer eigentlich besser sterben sollte“ und der eigene Freund Obsti. Der seine Andrea übrigens in ein Katzenkasterl sperrt und eine Zwangsjacke dabei hat, wenn sie mal gemeinsam verreisen, weil er sie sonst wohl nicht wegkriegen würde von dieser unerschöpflich irrwitzigen Quelle der Inspiration – mit Medikamentenkonsum, Pflegekraftdebakel oder der feministisch-sozialistischen Häkelgruppe „Wammerl & Sichel“.

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Wie sie so lacht und zur Ukulele singt – mit einer sensationellen, klaren und vielfarbigen Stimme – und mit dem Publikum schäkert, macht einen süßen, lieben, unterhaltsamen Eindruck, ist aber transformativ. Was dem Publikum, das sich von anfänglich zögerlichen Mitsingern beim Blablabla-Lied zu kraftvollen „Li-Bä“-Kanonisten entwickelt, aber erst bewusst wurde, als das Schweigen der Limmer am Ende Raum dazu ließ. Dafür gab es reichlich und kräftigen Applaus.

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