+
Maschinen waren für den 23-jährigen Afrikaner anfangs neu. Markus Noderer hat ihn in seinem Holzfasshandel eingearbeitet.

Nicht alle reagieren positiv auf seine Hautfarbe

Wie zwei Afrikaner ihre ersten Jobs finden

  • schließen

Waakirchen - Der erste eigene Job in Deutschland: Wir haben zwei Schwarzafrikaner besucht, die in Waakirchener Betrieben und Ostin eine neue Heimat gefunden haben.

Namen und Herkunft nennen oder das Gesicht zeigen wollen die beiden Flüchtlinge, die in einer Wohngemeinschaft in Hausham leben, nicht. Die jungen Männer aus Schwarzafrika sind bereits anerkannt und arbeiten neben dem Integrationskurs auf 450-Euro-Basis. Dass sie nicht in der Öffentlichkeit stehen wollen, hat politische Gründe.

Rolf Hoffmann hat für die beiden jungen Männer – und noch 16 andere – beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Vollmacht. Der freiwillige Helfer hat sich viel mit der Politik Afrikas beschäftigt. Dort, wo die beiden jungen Männer herkommen, fehlt Geld, und deshalb werden von den geflohenen Landsleuten sogenannte Aufbausteuern verlangt. Zwei Prozent ihres Einkommens müssen sie, egal wo in der Welt sie gelandet sind, an ihre Heimat zahlen.

Tun sie das nicht, machen die Behörden Probleme, wenn es um benötigte Papiere wie neue Pässe oder Arbeitsdokumente geht. „Wir dürfen den Regimen keine Möglichkeit geben, die geflüchteten Landsleute von Deutschland aus abzuzocken“, betont Hoffmann. Besser also, wenn niemand weiß, dass die beiden jungen Männer im Landkreis Arbeit gefunden haben.

Sommerhaus Dekoration

Einer der beiden Schwarzafrikaner ist der 24-jährige T.K., der im Juli 2015 anfing, bei Sommerhaus Dekorationen in Waakirchen mitzuarbeiten. „Ich habe die Flüchtlinge in der Turnhalle gesehen und mir gedacht, dass sie sich bestimmt langweilen“, erzählt Inhaberin Barbara Seiler. Erst habe keiner gewusst, wie das mit der Arbeitserlaubnis genau ist. „Ich bin viel hin und her verwiesen worden“, erzählt Seiler. Auch gab es einiges an Bürokratie zu bewältigen. „Aber das ist machbar.“ Mit ihren Mitarbeitern hat die Unternehmerin zuvor Gespräche geführt. „Das Verständnis war nicht immer da, aber sie haben sich mit ihm zusammengerauft“, erzählt Seiler.

Zu Beginn treffen Welten aufeinander

T.K. ist froh darüber. „Vorher haben nicht viele mit uns gesprochen, mit der Arbeit wurde das besser“, erzählt der junge Mann. Den Beginn der Anstellung beschreibt Seiler so: „Da sind Welten aufeinander getroffen. Mit Händen und Füßen haben wir kommuniziert.“ Durch Aktivitäten wie einen Betriebsausflug sei es besser geworden, vor allem aber auch, weil T.K. sich wirklich integrieren wolle. „Es war eine Freude, das mitzuerleben. Das war wie eine Belohnung“, sagt Seiler.

Denn ganz ohne zusätzlichen Aufwand für ein Unternehmen funktioniert die Eingliederung eines Asylbewerbers nicht. T.K. hat keinen Führerschein, das Deutsch ist noch nicht perfekt, und nicht alle reagieren positiv auf seine Hautfarbe. „Ich wusste, dass er nicht alles machen kann“, erklärt Seiler. Aber mit dem richtigen Willen ging es.

Holzfasshandel Noderer in Waakirchen

So sieht das auch Hoffmann, der immer für seine Schützlinge da ist. Der Waakirchner hat zwei Beratungsfirmen, die er momentan etwas hinten anstellt. „Die Asylbewerber brauchen jetzt Hilfe und nicht später“, sagt Hoffmann. Er half den jungen Männern bei Wohnungs- und Jobsuche. „Wenn ich ein Problem habe, gehe ich zu Rolf“, erzählt T.A., der zweite der beiden Schwarzafrikaner. Er arbeitet bei Markus Noderers Holzfasshandel in Waakirchen. 52 Stunden im Monaten hilft er dort beim Schleifen, Ölen und anderen Arbeiten, die anfallen.

Noderer wollte auch helfen, musste aber erst einmal auf eine Warteliste. „Mir wurde gesagt, bei den anerkannten Flüchtlingen stehen die Firmen Schlange“, erzählt er. Nach drei Monaten wurde ihm der 23-Jährige zugeteilt. Noderer ist zufrieden mit seinem neuen Helfer. „Er ist extrem zuverlässig und hat meine Erwartungen übertroffen.“ Vom Hörensagen habe er andere Geschichten gekannt.

Betreuung bedeutet einen Mehraufwand

Die beiden jungen Männer wollen nach ihren Integrationskursen eine Ausbildung als Schreiner machen. „Ich werde da mal meine Beziehungen spielen lassen“, verspricht Noderer, der selbst nicht die Möglichkeit hat auszubilden. Auch Seiler hat sich etwas überlegt. In den Pfingstferien organisierte sie dem 24-jährigen Flüchtling aus ihrem Betrieb einen Praktikumsplatz in der Schreinerei Eham in Ostin.

Bis Dezember sind sowohl er als auch sein Landsmann noch im Kurs. Da alle Ausbildungen im September beginnen, ist nicht sicher, wie es weitergeht. Peter Jacobi von der Schreinerei Eham könnte sich aber vorstellen, dass T.K. bis September 2017 erst einmal auf Helferbasis mitarbeitet. „Bei uns gibt es viele Sicherheitseanweisungen“, erklärt er. Zwei Wochen Praktikum seien zu wenig. Die Betreuung bedeute eben schon einen Mehraufwand.

Auch der 23-jährige T.A. muss sich im Holzfasshandel erst einarbeiten. „Er ist sehr geschickt, was die Handarbeit angeht, mit den Maschinen war es anfangs aber schwierig“, erzählt Noderer. In seiner Heimat arbeitete T.A. schon als Schreiner. „Bei meiner Arbeit gab es keine Maschinen.“ Mit dem richtigen Willen – darin sind sich alle einig – ist aber alles machbar.

Info: Unterstützung durch das Jobcenter

Die anerkannten Asylbewerber werden vom Jobcenter im Landratsamt betreut, die nicht anerkannten und geduldeten von der Agentur für Arbeit. Derzeit kümmert sich die Stelle im Landratsamt um rund 170 erwerbsfähige Asylbewerber. Mit dem Status der Anerkennung besteht ein Anspruch auf Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende. „Darunter fällt Arbeitslosengeld II und die Kosten für eine Unterkunft“, erklärt Barbara Kloo vom Jobcenter. 

Bei der Eingliederung in Arbeit gibt es eine Menge Herausforderungen, wie die oft nicht anerkannte Ausbildung. „Das Jobcenter unterstützt diese Personen aktiv bei der Suche nach einem Arbeitsplatz, welcher sich mit dem Integrationskurs vereinbaren lässt“, erklärt Kloo. Aus Erfahrung weiß sie: „Die Arbeitgeber zeigen schon Interesse, Asylbewerber einzustellen.“ Es zeige sich, dass viele im Hotel- und Gaststättenbereich unterkommen.

Serie: Anerkannte Flüchtlinge im Landkreis

Schon mehrere Unternehmer im Landkreis haben Asylbewerber eingestellt. Andere wiederum haben damit gar keine Erfahrung. Die Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) im Landkreis hat dafür einen Infoabend organisiert, bei dem verschiedene Arbeitgeber über die Zusammenarbeit mit Flüchtlingen berichtet haben. Besonders Max Niedermeier, Integrationsbeauftragter im Landkreis, kennt sich mit der Thematik aus. Er ist sicher, dass die meisten der Menschen gekommen sind, um sich hier ein neues Leben aufzubauen. Mit dem Förderverein Pakt für Integration und Arbeit (PIA) wollen er und viele andere Helfer sie dabei unterstützen. Sobald die Flüchtlinge anerkannt sind, müssen sie aber erst einmaleinen Integrationskurs besuchen. All das berichten wir in unserer Serie.

nip

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neue Ticketpreise: So teuer wird die Fahrt mit der BOB ab sofort
Pünktlich Mitte Dezember ändern die Bayerische Oberlandbahn und der Regionalverkehr Oberbayern ihre Fahrpreise. Wie die Neuerungen aussehen, haben wir in dieser …
Neue Ticketpreise: So teuer wird die Fahrt mit der BOB ab sofort
Diese Landkreis-Produkte sind garantiert glyphosatfrei
Gerade wurde Glyphosat von der EU erneut freigegeben. Die meisten Landwirte im Landkreis juckt das wenig. Sie nutzen das Herbizid nicht. Die Naturkäserei legt jetzt eine …
Diese Landkreis-Produkte sind garantiert glyphosatfrei
Mit diesem Trick wird Bad Wiessee zum Steuerparadies
Bislang hat Bad Wiessee nicht viel Gewerbesteuer kassiert. Ein dickes Steuerzuckerl soll das ändern: Ab Januar 2018 beträgt der Hebesatz statt 350 nur noch 240 Punkte.
Mit diesem Trick wird Bad Wiessee zum Steuerparadies
Erhard-Gipfel: Veranstalter vermelden Rekord-Ansturm
Zum dritten Mal findet am Freitag, 12. Januar, der Ludwig-Erhard-Gipfel im Rottacher Seeforum statt. Die Weimer Media Group vermeldet einen Rekordansturm.
Erhard-Gipfel: Veranstalter vermelden Rekord-Ansturm

Kommentare