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Zwei Ziegelhäuser entstehen am Schaftlacher Buchkogel

Info-Abend zu Neubauten am Buchkogel

Asyl-Häuser in Schaftlach bringen billige Wohnungen

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Schaftlach - Zwei Ziegelhäuser baut die Gemeinde in Schaftlach – und als erstes ziehen Asylbewerber ein. Das weckt Emotionen. Bei einem gut besuchten Info-Abend gab es jedoch nur vereinzelt Kritik.

Wie kann es sein, dass Geld für den sozialen Wohnungsbau fehlt, die Gemeinde Waakirchen mit ihrem neuen Kommunalunternehmen (KU) aber bis zum Herbst zwei schmucke Häuser mit acht 52-Quadratmeter-Wohnungen für 32 Asylbewerber aus dem Boden stampft? Die Frage bewegte beim Info-Abend, zu dem Bürgermeister Josef Hartl (FWG) ins Schaftlacher Feuerwehrhaus eingeladen hatte, um das Wohnbau-Projekt (wir berichteten) der Öffentlichkeit vorzustellen. Wie es funktioniert, und warum Einheimische mit kleinem Geldbeutel die Gewinner sind, erläuterte Andreas Hagleitner (FWG) als KU-Verwaltungsratsvorsitzender. 

In trockenen Tüchern ist das Finanzierungskonzept übrigens erst seit Dienstagnachmittag. Da wurde der Mietvertrag mit dem Landratsamt unterschrieben. Er gilt zehn Jahre lang und beschert der Gemeinde eine Miete, die deutlich über dem ortsüblichen Satz liegt, wie Robert Englmann, Jurist und CSU-Gemeinderat, erläuterte. Überhaupt sei der Vertrag sehr vermieterfreundlich, meinte Englmann. Nach diesen zehn Jahren kann die Gemeinde selbst über die Häuser verfügen. 46 500 Euro stehen dann noch für Sanierungsmaßnahmen bereit. Wenn die Gemeinde die Wohnungen dann für neun Euro pro Quadratmeter vermietet, sind die beiden Häuser in wenigen Jahren abbezahlt. Aus dem Gemeindehaushalt fließt kein Cent in die Neubauten.

 „Unser Hauptaugenmerk ist die Nutzung für unsere Bürger“, betonte Hagleitner. Ein Konzept, mit dem die Gemeinde die Mittel, die für die Flüchtlingsunterbringung fließen, für ein eigenes Wunschprojekt nutzt. Rainer Bolle aus Marienstein verurteilt dies grundsätzlich. In seinen Augen ist die deutsche Einwanderungspolitik rechtswidrig, weshalb die Gemeinde sich ihr entgegenstellen solle. Stattdessen reihe sie sich „unschön in die Asylindustrie“ ein. Zahlen müsse am Ende alles der Bürger. Äußerungen, denen Hagleitner leidenschaftlich entgegentrat. Es gebe eine rechtsstaatliche Verpflichtung, den Geflüchteten zu helfen, Waakirchen werde sich der Solidarität nicht entziehen. Ganz sicher bereichere sich das Kommunalunternehmen nicht auf Kosten des Steuerzahlers. Das unterstrich Hermann Mair (SPD). Dank des KU verdiene kein Privater an dem Bau. „Und hätten wir Container aufgestellt, hätte sich jemand in China bereichert. Da kommen die nämlich mittlerweile her.“ 

Aber auch ganz regionale Bedenken wurden laut. Zwei Asylbewerber-Häuser in Schaftlach und keines in Waakirchen, das sei doch nicht gerecht. Es zähle auch nicht, dass in einem Raum unter der Waakirchner Turnhalle schon seit einiger Zeit Flüchlinge leben. Schließlich sei dies nur ein Provisorium – und in Schaftlach bleiben die Flüchtlinge zehn Jahre lang. Hagleitner beschwichtigte. Die Gemeinde bemühe sich um eine Verteilung der Flüchtlinge auf die gesamte Gemeinde. Es seien auch etliche in privaten Häusern untergebracht, erinnerte ABV-Gemeinderat Rudi Reber. Insgesamt, so Bürgermeister Hartl, müsse die Gemeinde wohl bis zum Jahresende 74 Flüchtlinge aufnehmen. Dass die bisher in Waakirchen Untergebrachten für die Gemeinschaft kein Problem bedeuten, ist dem Engagement des Helferkreises unter Silvia Hartl, Ehefrau des Bürgermeisters, zu verdanken. Ein großes Kompliment für das Waakirchner Konzept gab es von Max Niedermeier, Integrationsbeauftragter des Landkreises. Der Häuserbau sei einmalig im Landkreis, ein Pilotprojekt: „Und es gibt keinen Zweifel, dass es funktionieren kann.“

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