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Auf dem Weg in die Zukunft: Bücherei Waakirchen wird 50 - und digital

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Für jeden Besucher das passende Buch: Monika Finger arbeitet ehrenamtlich in der Waakirchner Gemeindebücherei, die heuer 50-jähriges Bestehen feiert.
Für jeden Besucher das passende Buch: Monika Finger arbeitet ehrenamtlich in der Waakirchner Gemeindebücherei, die heuer 50-jähriges Bestehen feiert. © Thomas Plettenberg

Die Gemeindebücherei Waakirchen wird 50 Jahre alt. Das Jubiläum verläuft eher still. Dafür steht eine digitale Umstellung an.

Waakirchen – Waakirchen hat eine eigene Bücherei. Seit 50 Jahren gibt es sie. Ein kommunales Angebot, das wenig bekannt ist.

Jetzt, in der dunklen Jahreszeit, ist der Eingang in den Keller schwer zu finden. Gott sei Dank leuchtet das Licht am unteren Ende der Treppe. An der Südseite der Waakirchner Grundschule, hinterm Brunnen, geht es rein. „Wir brauchen tatsächlich Wegweiser“, sagt Bürgermeister Norbert Kerkel. Nicht nur, damit man den Weg findet, „auch, damit die Leute beim Vorbeifahren wenigstens lesen, dass wir so etwas im Ort haben.“ Kerkel liest auch selbst gern. „Sitzungsvorlagen“, schäkert er, „und, Heimatkrimis, die liebe ich!“

Lektüre mit Heimatbezug wird gerne mitgenommen in der Bücherei. Auf einem Tisch sind zum Beispiel die Bestseller von Andreas Föhr, aktuelle Neuerscheinungen aus der Region wie Beni Eisenburgs „A Bleamal am Huat“ oder das Buch „Boarischer Lausbua“ von Marinus Weindl, dem Ehrenbürger von Waakirchen, ausgestellt.

Alle Literatursparten sind vertreten

Monika Finger ist, neben Kristina Sendlhofer, ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Bücherei und scheint das Angebot bis zur hintersten Regalecke zu kennen. Sie kann durch alle Sparten der Bücherei dem Besucher eine passende Lektüre empfehlen. Dafür ratscht sie mit ihm, fragt nach den Interessen und wählt dann aus dem breiten Repertoire etwas aus. „Eine Leseratte sollte man schon sein“, sagt sie. „Nur so kann man dann auch auf den Kunden eingehen.“ Man ist hier eben nicht im Supermarkt, wo man seine Ware einfach in den Wagen legt.

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Eine gut geführte Bibliothek führt Seele und Geist zusammen, bietet Unterhaltung und Stoff für den Kopf. „Das Buch ist das Gefäß des Geistes, das wir bewahren wollen“, so schön, fast schon poetisch, formuliert es der Bürgermeister. Er sieht das Angebot auch als wichtiges Instrument für die Jugend. Schließlich war er selbst früher auch gerne hier. „Lesen ist Fernsehen im Kopf“, sagt Monika Finger. Sie findet, es ist auch nachhaltig, wenn man sich Bücher entleiht. „Schließlich muss man nicht jedes Buch selbst besitzen, kaufen, schicken lassen und dann im Regal verwahren.“

7000 Medien im Angebot

Das Angebot in Waakirchen ist breit. Um die 7000 Medien gibt es. Kinderbücher. Jugendbücher. „Die Olchis“, „Die Schule der magischen Tiere“, „Der kleine Drache Kokosnuss“. Es gibt Sachbücher und schöne Literatur. Auch Hörbücher, CDs, DVDs und Tonies. Die Hörfiguren sind gerade der Renner bei den ganz kleinen Lesern.

Schon die Gründungs-Bücherei-Leiterin, Gerti Sappl, legte viel Wert auf die jungen Leser. „Ich erinnere mich wirklich gerne an die Zeit“, schwärmt sie noch nach 50 Jahren. „Wir haben damals immer die Kinder, die gerade das Lesen lernten, durch die Räume geführt.“ Das Schönste war für sie, wenn aus den Kindern Eltern wurden und diese auch wieder mit ihren Kindern zum Bücherentleihen kamen.

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1971 war für die Bücherei extra der Anbau ans Waakirchner Rathaus errichtet worden. Man hatte die zwei Räume, wo später die Einwohnermeldestelle untergebracht wurde. Grundstock für die Bücherei war die ehemalige Mariensteiner Bergwerksbibliothek. Sie war nach der Schließung des Bergwerks eingelagert worden und kam dann wieder zu neuen Ehren.

Umstellung auf online 2022

„Man muss immer dabeibleiben, damit man dem Leser Aktuelles bieten kann“, sagt Sappl. Darum wird die Gemeinde 2022 endlich auch auf eine digitale Erfassung und online umstellen. „Dann sieht man, was da ist. Durch die Vernetzung mit dem OPAC-System der Bayerischen Staatsbibliothek lassen sich auch Bücher oder Magazine aufs Tablet laden“, erklärt Finger. Das wäre dann auch ein Stück Barrierefreiheit, denn die Treppe macht es nicht jedem leicht, in die Bücherei zu kommen.

30 Jahre Erfahrung in der Büchereiarbeit bringt Monika Finger mit. Sie hält sich auch immer auf dem neuesten Ausbildungsstand durch Seminare bei der Fachstelle für öffentliche Büchereien oder dem Michaelsbund.

Wenn die EDV kommt, werden die alten Entleihkarten, mit denen die Bücherei bislang noch arbeitet, ausgemustert. Darum scheint es fast ein bisserl schade. Denn nur mit Hilfe eines Kärtchens hat man sich an das Jubiläum der Gemeindebücherei überhaupt erinnert: Im Karteikasten war die Karte mit dem ersten Entleiher überhaupt markiert. Er ist inzwischen 80 Jahre alt. Manchmal schaut er noch vorbei. Und das nicht nur zum Jubiläum.

Die Öffnungszeiten

Geöffnet ist die Gemeindebücherei Waakirchen im Untergeschoss des Schulhauses (Buchenweg 1) dienstags von 16.30 bis 19 Uhr und freitags von 17 bis 19 Uhr.

Sonja Still

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