Wo soll die Reise hingehen? Die Bürger sind aufgerufen, sich an der Planung für die Waakirchner Ortsmitte zu beteiligen. Ob es nur um die freie Wiese im Zentrum gehen soll oder die ganze Gemeinde, ist noch offen.
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Wo soll die Reise hingehen? Die Bürger sind aufgerufen, sich an der Planung für die Waakirchner Ortsmitte zu beteiligen. Ob es nur um die freie Wiese im Zentrum gehen soll oder die ganze Gemeinde, ist noch offen.

Gemeinderat unterstützt Gründung von Arbeitskreis

Bürgerbeteiligung in Waakirchen: Aufruf zur Dorfplanung im Team

  • Christina Jachert-Maier
    VonChristina Jachert-Maier
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Jetzt ist der Bürger am Zug. Für die Planung der Waakirchner Dorfmitte, eventuell auch für die Entwicklung der ganzen Gemeinde, werden Engagierte gesucht.

Waakirchen – Einmütig beschloss der Waakirchner Gemeinderat, die Gründung eines solchen Arbeitskreises anzustoßen und zu unterstützen. Als Experte steht der frühere Weyarner Bürgermeister Michael Pelzer der Gemeinde zur Seite. Der Beschluss bedeutet einen Umschwung. Eigentlich hätte Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG) per Beschluss die Ausschreibung für einen Projektsteuerer starten wollen. Wie berichtet, sollte damit nach zwei Jahren der Auftrag des Bürgerentscheids erfüllt werden. Im Juli 2019 hatten die Waakirchner mit deutlicher Mehrheit die vom damaligen Gemeinderat verfolgte Planung für den Bau von 30 günstigen Wohnungen in der Waakirchner Dorfmitte gekippt. Stattdessen sollte die Fläche zwischen der Kreissparkasse und dem Anwesen Bäckervoitl im Dialog mit den Bürgern neu überplant werden.

Aber wie soll dieser Dialog in Gang kommen und Früchte tragen? Wegen Corona hat es bisher lediglich im Oktober 2020 eine Veranstaltung gegeben. Deren Ergebnis: Es wird ein Projektsteuerer beauftragt, der als Fachmann für Bürgerbeteiligung sorgt.

Das war der Ausgangspunkt einer Debatte, die die Fraktionssprecher am Vortag der Sitzung führten. In einer langen Diskussion wurde klar, dass die Gemeinde das Pferd anders aufzäumen muss. Es braucht einen Kreis engagierter Bürger, später kann ein Projektsteuerer konkrete Prozesse begleiten.

Aktive Bürger gesucht

„Wir brauchen ein echtes Gegenüber“, machte Kerkel klar. Das fehlt aktuell noch. Derzeit meldet sich allein Michael Futschik, Initiator des Bürgerbegehrens 2019, im Rathaus. Um das Thema Dorfentwicklung mit dem Bürger anzugehen, bedürfe es einer stabilen Kernmannschaft von vielleicht acht oder zehn Menschen, die je nach Thema weitere Engagierte teils auch für kürzere Zeit ins Boot holt, meinte Kerkel. Er sei sicher, dass sich ein solcher Arbeitskreis bei entsprechender Bekanntmachung auch finde. Rat will Kerkel sich auch bei Ernst Dieckmann, Bürgermeister der Nachbargemeinde Reichersbeuern, holen. Dort läuft bereits ein Bürgerbeteiligungsprozess.

Waakirchen kann auf die Unterstützung Pelzers setzen, der persönlich oder dank seines Netzwerks in diesem Bereich die Gründung des Arbeitskreises begleitet. Ein Glücksfall sei das, meinte Rudi Reber (ABV). Die Gemeinde brauche einen Profi, um den Faden zu finden: „Wir haben uns dem Ganzen noch nicht genügend angenähert.“ Dabei gebe es im Ort ein Riesenpotenzial, was zum Beispiel der Erfolg der jungen Initiative „Wos Guads vor Ort“ zeige. Bisher seien eher Verhinderer in Erscheinung getreten: „Es ist wichtig, dass sich jetzt Leute melden, die etwas bewegen wollen.“

Koordinatorin im Rathaus

Im Rathaus hat Kerkel bereits eine neue Stelle geschaffen, damit der künftige Arbeitskreis eine feste Ansprechpartnerin hat. „Vielleicht gibt’s ja auch mehrere Arbeitskreise“, meinte der Bürgermeister. Denn bis jetzt ist alles offen. Macht man sich nur über die Gemeinde-Wiese beim Bäckervoitl Gedanken oder wird die ganze Gemeinde einbezogen?

Gesetzt ist: Alle Treffen der Arbeitskreise sind öffentlich und finden auch in einem öffentlichen Raum statt, nicht privat. Carolin Marquardt (Wir) ist wichtig, dass jetzt kräftig und auf breiter Ebene geworben wird, um Engagierte zu gewinnen. Die Bedeutung einer lebendigen Bürgerbeteiligung hob auch Cornelia Riepe (Grüne) hervor: „Und es ist wichtig, dass wir jemanden haben, der das von Anfang an professionell begleitet.“ Michael Mohrenweiser (ABV), dessen Fraktion sich schon im alten Gemeinderat – vergeblich – für Bürgerbeteiligung stark gemacht hatte, war mehr als zufrieden: „Da lacht das Herz in meiner Brust.“

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