Der Bau der großen Lagerhalle ist genehmigt. Die angrenzende Fläche (r.) soll zum Lagerplatz werden. Den Bauantrag hierfür lehnte der Bauausschuss ab.
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Der Bau der großen Lagerhalle ist genehmigt. Die angrenzende Fläche (r.) soll zum Lagerplatz werden. Den Bauantrag hierfür lehnte der Bauausschuss ab.

Antrag auf Lagerplatz abgelehnt

Empörung nach Ortstermin: Bauausschuss Waakirchen will Unternehmer Haslberger stoppen

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Wo einst in Marienstein das Zementwerk stand, gehört Baustoffunternehmer Franz Haslberger der ganze Berg. Dort hat er einen Lagerplatz beantragt. Doch der Bauausschuss lehnte ab - und war empört.

  • Baustoffunternehmer Franz Haslberger will in Marienstein einen Lagerplatz errichten
  • Der Waakirchner Bauausschuss lehnt nach einem Ortstermin empört ab
  • Auch das Landratsamt Miesbach bezieht Stellung zu dem Fall

Waakirchen – Es war schon dämmrig, als die Mitglieder des Waakirchner Bauausschusses in Marienstein den Hang hinaufstapften. Sie wollten sich ein Bild von dem Gelände machen, auf dem der Freisinger Unternehmer Franz Haslberger laut Antrag eine 3300 Quadratmeter große Lagerfläche anlegen will. Er habe eine naturbelassene Fläche erwartet, erinnert sich Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG). Stattdessen fand die Abordnung eine gerodete, aufgekieste Fläche vor, dazu Berge von Erdaushub. „Ich glaube, es ist fast fertig“, stellte Kerkel nach der Rückkehr vom Ortstermin fest.

Bei der öffentlichen Sitzung im Gemeindesaal stand Haslbergers Antrag, besagte Lagerfläche zu bewilligen, auf der Tagesordnung. Angesiedelt ist sie in der Nachbarschaft einer Lagerhalle für Maschinen und Waren, deren Bau bereits vor über zwei Jahren genehmigt wurde. Sie hat beachtliche Ausmaße: 80 Meter lang, 24 Meter breit, 7,50 Meter hoch. Der Bau ist aktuell im Gang.

Bauausschuss ärgert sich: Wurden vor vollendete Tatsachen gestellt

Für eine bereits geschaffene Lagerfläche die Hand zu heben, kam für die Mitglieder des Bauausschusses nicht in Frage. „Es ist nicht die feine englische Art, uns vor vollendete Tatsachen zu stellen“, erklärte Kerkel. Haslberger habe bereits einen ziemlich großen Eingriff vorgenommen. Und dies im Außenbereich, wie Rudi Reber (ABV) anmerkte. Der Bau der Halle gehe in Ordnung, aber nicht die „riesigen Haufen Dreck“, die sich im angrenzenden Gebiet auftürmen. Haslberger möge sie abfahren lassen und „alles wieder schön herrichten“. Es gehe nicht an, dass ein Bauherr nach Belieben handle und eine Strafzahlung in Kauf nehme: „Auch wenn man viel Geld hat, kann man nicht alles machen.“

CSU-Gemeinderat „absolut irritiert“ über die Vorgehensweise des Antragstellers

Auch Robert Englmann (CSU) verweigerte seine Zustimmung. „Ich bin absolut irritiert über die Vorgehensweise und spiele das Spiel nicht mit“, ließ er wissen. Üblicherweise stelle ein Bauherr erst den Antrag und beginne dann mit den Bauarbeiten – nicht andersherum. „Es ist ein massiver Eingriff in die Landschaft, den ich nicht akzeptieren möchte“, machte Englmann klar.

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Es sei ja auch noch nicht zu spät für einen Rückbau, resümierte Cornelia Riepe (Grüne). „Den kann man schon noch vollziehen“, meinte die Gemeinderätin. Sie halte auch die Abholzung der Fläche für nicht zulässig. Den Rückbau des Lagerplatzes will auch Günther Jeske (FWG) durchsetzen. „Herr Haslberger hat das Gelände massiv verändert und abgegraben“, erklärte er. Der Unternehmer solle die Fläche wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen.

So einig sich der Ausschuss in diesem Punkt ist: Die Gemeinde Waakirchen kann zwar ihr Einvernehmen zur Schaffung des Lagerplatzes verweigern, Haslberger aber nicht zum Rückbau zwingen. Genehmigungsbehörde ist das Landratsamt. Dort liegt der vom Bauausschuss einmütig abgeschmetterte Antrag Haslbergers zwar noch nicht auf dem Tisch, aber die Maßnahme ist bekannt.

Landratsamt Miesbach sind die Vorgänge bekannt

Bereits im Juni sei die Untere Naturschutzbehörde auf die Erdbewegungen aufmerksam geworden, schildert Martin Pemler, Verwaltungsleiter am Landratsamt Miesbach. Bei einer Kontrolle habe man sich mit dem Bauherren auf eine ökologische Baubegleitung verständigt. Aus deren Sicht sei es sinnvoll, den beim Bau der genehmigten Halle anfallenden Aushub vor Ort zu lagern und nicht mit Schwerlastern abzufahren, so Pemler. Wenn dazu angrenzende Flächen vorübergehend genutzt würden, sehe das Landratsamt auch bei anderen Bauherren darüber meist großzügig hinweg. „Die Verkehrsbelastung bei uns ist ja schon hoch genug.“ Allerdings habe die Naturschutzbehörde Haslberger darauf hingewiesen, dass er die Lagerfläche planerisch darstellen und zur Genehmigung einreichen solle, erklärt Pemler. Insofern dürfe man wohl von einem Missverständnis sprechen. Das Landratsamt werde die Angelegenheit prüfen. Es handle sich bei dem Areal auch um eine vorbelastete Fläche.

Bergbauverein Marienstein würde Stolleneingang gerne als Denkmal erhalten

Sie liegt beim früheren Kohlebergwerk und Zementwerk Marienstein. Die Bergleute fuhren 1962 die letzte Schicht, im Zementwerk war 1998 Schluss. Die Abwicklung zog sich bis 2006 hin. Baustoffunternehmer Haslberger kaufte der Firma Rohrdorfer Zement das riesige Areal ab. Gleich bei seiner neuen Lagerhalle liegt auch der Eingang des – nicht zugänglichen – Marienstollens. Der Bergbauverein Marienstein, dessen Vorsitzender Reber ist, würde den Stolleneingang gern als Denkmal erhalten. „Wir möchten einen Rundweg mit Schautafeln anlegen“, berichtet Reber. Die Initiative habe deshalb schon einmal bei Haslberger angefragt – leider vergeblich.

jm

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