Schocknachricht per E-Mail zieht weite Kreise

Gebirgsschütze wird Opfer von Hacker-Angriff

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Waakirchen - Ein führendes Mitglied der Waakirchner Gebirgsschützen ist Opfer eines Hacker-Angriffs geworden. In seinem Namen wurden Unmengen an E-Mails mit einer Schocknachricht verschickt.

Der Absender der E-Mail, die die Redaktion der Tegernseer Zeitung dieser Tage erreicht hat, ist den Mitarbeitern bestens bekannt. Es handelt sich um ein Mitglied der Hauptmannschaft der Waakirchner Gebirgsschützen-Kompanie. Schon häufig hatte man Kontakt. Doch diese Nachricht fällt komplett aus dem Rahmen: „Meine Familie und ich machte eine Reise aus dem Land wegen eines Notfalls. Wir wurden beraubt, und ich war verletzt, auf unserem Weg zurück zum Hotel. Ich brauche eure Hilfe finanziell, um einige Rechnungen bezahlen...“, heißt es darin in schlechtem, teils bruchstückhaftem Deutsch.

Schnell ist klar: Diese E-Mail mit der Bitte um Geld stammt nicht vom vermeintlichen Absender. Betrüger hatten das Benutzerkonto und das Passwort des Waakirchner Gebirgsschützen ausspioniert und so in seinem Namen die Schocknachricht an all seine Kontakte verschickt.

Obwohl die Nachricht dilettantisch gemacht und somit wenig glaubhaft ist, stand das Telefon bei dem betroffenen Gebirgsschützen, der seinen Namen hier nicht lesen möchte, zunächst nicht mehr still. Die E-Mail hatte bei Gebirgsschützen im gesamten Oberland bis hin nach Südtirol sowie bei Freunden und Bekannten des Betroffenen weite Kreise gezogen. Zahlreiche Empfänger wollten auf Nummer sicher gehen und nachfragen, ob auch tatsächlich alles in Ordnung ist bei dem angeblich in Not geratenen Absender.

„Ich finde es äußerst positiv und kameradschaftlich, dass sich so viele gekümmert haben“, sagt der Gebirgsschütze. Ansonsten sei er über die E-Mail, die in seinem Namen verfasst wurde, sehr erschrocken. Wie die Betrüger an seine Daten gekommen sind, kann sich der Tölzer nicht erklären. Er ändere sogar regelmäßig seine Passwörter, sagt er.

Die Familie konnte den vielen Anrufern zwar Entwarnung geben. Alle sind gesund und wohlauf. Auf die leichte Schulter nehmen sollte der Betroffene die Sache aber dennoch nicht, empfiehlt Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. „Der Computer kann nicht mehr bedenkenlos genutzt werden“, sagt Sonntag zu dem Fall. Vielmehr würde er dem Betroffenen raten, seinen E-Mail-Dienstanbieter zu kontaktieren und den Rechner von einem Computer-Fachmann überprüfen und säubern zu lassen.

Die Beamten des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd kennen solche Fälle von versuchten Internet-Betrügereien nur zu gut. In Rosenheim gibt es sogar eine eigene Ermittlungsgruppe für Computerkriminalität (englisch: Cybercrime). Pressesprecher Sonntag schreibt den jetzt am Tegernsee bekannt gewordenen Fall der „Nigeria-Connection“ zu, einer Tätergruppe aus Afrika. „Sie ist für viele Betrugsmaschen bekannt“, sagt Sonntag. E-Mail-Betrügereien wie im Falle des Gebirgsschützen seien dabei nur eine Variante von vielen. Immer mal wieder gebe es deshalb Anzeigen bei der Polizei, doch die Dunkelziffer, da ist sich Sonntag sicher, sei um ein Vielfaches höher.

„Zum Glück fallen die Leute selten darauf rein“, meint der Pressesprecher. Dennoch empfiehlt er Betroffenen, deren E-Mail-Zugang ausgespäht wurde, sich an die Polizei zu wenden. „Auch wenn die Aussichten, den Täter zu schnappen, sehr gering sind“, wie Sonntag einräumt.

Bei der Polizeiinspektion Bad Wiessee bekommen es die Beamten mit Fällen wie dem besagten nur sehr selten zu tun. Häufiger kämen da schon Fälle wie Kreditkarten-Datenklau oder Ebay-Betrügereien zur Anzeige, erklärt der zuständige Ermittlungsbeamte. Oder aber die als „Enkeltrick“ bekannte Betrugsmasche, bei der geschickte Betrüger Ahnungslose mit Schockanrufen überfallen und somit versuchen, an Geld zu kommen.

gab

Rubriklistenbild: © dpa

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