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Die glückliche Braut reckt die Hände in die Höhe: Bei der Hochzeit auf dem Misthaufen blieben kein Auge und auch keine Kehle trocken.
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Bettelhochzeit Waakirchen 
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Gaudi am Faschingsdienstag 

Bettelhochzeit in Waakirchen: Ein wunderbares Gerippe kommt unter die Haube

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Die Ehe währt kurz, darum wird gefeiert, als gäb‘s kein Morgen. Bei der Bettelhochzeit in Waakirchen war die ganze Dorfgemeinschaft auf den Beinen.  

Waakirchen – Sie haben gute Arbeit geleistet. Die Hochzeitslader des Trachtenvereins Schmied von Kochel & Bodenschneid Waakirchen-Hauserdörfl vulgus „spinnade Kochäschneidler“, die seit Januar paarweise in Waakirchen unterwegs waren, hatten eine imposante Gästeschar mobilisiert, die sich „am 56. Tag des Jahres 2020 nach Christus“ an der Zoaßnerischen Miststod versammelten, um Bettelhochzeit zu feiern.

Genau genommen hatte das Spektakel schon um 9.29 Uhr mit der Morgensuppe beim Christlwirt begonnen. Man stärkte sich für das Ereignis, bei dem „Florenttine Urulusus von da schrägn Lein vom Brunawegal“ (Florian Unterluggauer) und „Magarinus Fingerlein vom Mariastoana Koinschacht, Abkömmling der legendären Petronella Fingerlein“ (Margarethe Finger) in den Stand der Ehe traten – mit einem glücklichen Juchzer der Braut und einem strahlenden Bräutigam, dem der Zylinder so schief auf dem Kopf saß, dass man ihn jeden Moment in den Misthaufen fallen sah. Jenen „ehrwürdigen, wohlriechenden und dem Anlass angemessenen Ort“, an dem die Musi „sche grauslig“ spielte, wie Hochzeitslader „Irgl Blousch’nschmie“ (Georg Schmidt) konstatierte, während er versuchte, das Tohuwabohu am Traualtar zu organisieren.

Bettelhochzeit in Waakirchen: Die Braut hat mindestens zwölf ledige Kinder

Da drehte sich die glückliche Braut, „dieses wunderbare Gerippe“, die mit mindestens zwölf ledigen Kindern das biblische „seid fruchtbar und mehret Euch! offensichtlich als Alleinauftrag aufgefasst hat“, so stürmisch zu Paul Kuhns „Es gibt kein Bier auf Hawaii“, dass die Brautjungfern alle Hände voll zu tun hatten, mit der Schleppe hinterher zu kommen. Der feierliche Anlass hatte bei ihnen ohnehin schon Spuren hinterlassen. Der Bräutigam nahm dankbar die Hilfe der Leiterträger an, die ihm dienstbar waren, um seiner Angetrauten von Angesicht zu Angesicht den Hochzeitskuss geben zu können, indes die angeheirateten Bankerte die feierliche Zeremonie in erster Reihe verfolgten und erfuhren, worauf sich die Hochzeiter einließen: Sie unter anderem auf das stets sorgfältige Ausschütteln und Aufbügeln des schmeizlerrotzgetränkten Sacktuchs, er auf Einkaufsfreude und Schweißfüße der liebreizenden Florenttine, in die er sich auf dem Heimweg von der Wiesn unsterblich verliebt hatte. 

Nach der Trauung geht‘s zum großen Festmahl

Sicherlich hätten sie sich alles geschworen und Trauzeugen und Brauteltern hätten allem zugestimmt, um sich nur bald auf den Weg zu machen, das glückliche Ereignis beim Festmahl ordentlich zu feiern. Auf dem Weg dorthin zeigte sich die Gesellschaft noch einmal in voller Pracht und mit herrlichen Details von bunten Hütchen auf den Köpfen der Kutschenpferde der Aussteuerwagen über fantasievoll geschmückte Leiterwagl voll mit allem Nötigen für einen langen Festtag bis zum künftigen Hausstand der Eheleute mit angeschrammten Möbeln und abgeliebten Plüschtieren. Auch irgendwie stimmig: Die feschen Schalkfrauen, die mit gelupften Röcken ihre Notdurft am nächstbesten Baum verrichteten, während ungewöhnlich viele aber im seltensten Fall echte Mannsbilder geduldig auf eine freie Toilette warteten. Zwölf Stunden blieben dem glücklichen Paar, ehe mit dem Kehraus wieder alle in die gewohnten Rollen schlüpften.

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