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Jede Woche trainieren die jungen Denksportler vom Verein Schulschach im Landkreis Miesbach in der Tenne des Bräumannhofs. Ob sie weiterhin dort bleiben, ist aber nicht gewiss.

Umstände für Denksportler haben sich verschlechtert

Bräumannhof: Sorge um Zukunft des Schach-Domizils

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Waakirchen - Hat der Schach-Nachwuchs im Bräumannhof in Waakirchen noch eine Zukunft? Das denkmalgeschützte Gebäude rückt jetzt ins Blickfeld, nachdem dort ein Zirkus sein Winterlager aufgeschlagen hat.

Kamele und Dromedare, Lamas, Pferde und Esel tummeln sich auf dem exponierten Grundstück an der Tegernseer Straße. Mitte dieser Woche hat die Familie William nun auch ihr großes Zirkuszelt aufgebaut, ringsherum stehen die dazugehörigen Wagen und Anhänger. Mindestens bis 8. Januar, wenn sich der Vorhang für die letzte Weihnachtsvorstellung senkt, will der Zirkus beim Bräumannhof bleiben. Vielleicht auch länger. „Das kommt aufs Wetter an“, sagt Zirkus-Chefin Marion William. Bei einem Wintereinbruch mit viel Schnee könnte sich das Gastspiel durchaus verlängern.

Dass der Familienzirkus überhaupt an diesem Standort in Waakirchen gelandet ist, war reiner Zufall. Hannelore Rehme, Eigentümerin des Bräumannhofs, hatte die Zirkusleute bei einem sommerlichen Gastspiel in der Region offenbar gezielt angesprochen. „Sie hat uns gefragt, was wir eigentlich im Winter machen“, erzählt William. Und habe der Familie mit den 15 Zirkusleuten sodann ihr Waakirchner Grundstück angeboten.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die ältere Dame gönnerhaft zeigt. 2010 hat Rehme für ihr Engagement sogar das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten erhalten, 2013 gründete sie eine eigene Stiftung. Allerdings ist der Umgang mit der Mäzenin mittlerweile – wohl auch gesundheitsbedingt – schwierig geworden. Klare Aussagen zum Engagement für den Zirkus waren auch für unserer Zeitung gestern nicht zu bekommen. Fest steht: Rehme, die früher in Bad Wiessee lebte, bewohnt inzwischen selbst Räumlichkeiten im Bräumannhof. Den hatte sie vor einigen Jahren erworben, um ihre Stiftung mit Leben zu erfüllen. Zu dem Anwesen gehören 2,7 Hektar Land.

Seit Ende 2014 bietet Rehme in der Tenne ihres Bräumannhofes auch dem Schach-Nachwuchs eine Heimat. Wie berichtet, hat sich hier der Verein Schulschach im Landkreis Miesbach mit viel Enthusiasmus ein Trainings- und Wettkampf-Domizil geschaffen. Nun hadert er aber schon länger mit den Zuständen, die dort mittlerweile herrschen. Unter anderem ist von hygienischen Mängeln zu hören.

„Die Umstände haben sich – zuletzt auch bedingt durch den Zirkus – für die Schachkinder wesentlich verschlechtert“, sagt Horst Leckner (70) vom Vorstand des Schulschach-Vereins, ohne weiter ins Detail zu gehen. Deshalb weiche der Schach-Nachwuchs seit einigen Monaten mit Turnieren, zu denen auch Auswärts-Mannschaften erwartet werden, ins Hotel Zur Post nach Bad Wiessee aus. Die wöchentlichen Trainingsstunden mit rund 130 Kindern absolviert der Verein allerdings nach wie vor in Waakirchen. Wie es weitergeht, ist offen. „Wir müssen abwarten, wie sich die Situation entwickelt“, meint Leckner. Es könnte aber sein, dass sich der Verein bald wieder nach einem Alternativ-Standort umsehen müsse.

Ist der Zirkus an dieser Stelle also richtig aufgehoben? Für die Gemeinde Waakirchen jedenfalls gibt es keinen Handlungsbedarf. Der Zirkus gelte rein rechtlich als „fliegender Bau“ und sei als solcher nicht genehmigungspflichtig, stellt Markus Liebl vom Waakirchner Rathaus klar. Für mögliche Probleme – etwa bei der Abwasserentsorgung – müsse die Grundstücks-Eigentümerin haften.

Übrigens: Von Donnerstag 22. Dezember, bis Sonntag, 8. Januar, bietet der Zirkus täglich eine große Weihnachtsshow. Der Kartenvorverkauf, sagt Marion William, sei schon gut angelaufen.

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