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„Der schlimmste Fall“: Aufnahmestopp für Krippenkinder –Kita muss Verträge kündigen

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Von: Christina Jachert-Maier

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Platz ist in der Schaftlacher Kindertagesstätte genug. Was fehlt, ist Fachpersonal für die Betreuung.
Platz ist in der Schaftlacher Kindertagesstätte genug. Was fehlt, ist Fachpersonal für die Betreuung. © Thomas Plettenberg

Aufnahmestopp im Schaftlacher Kindergarten: Es ist kein Fachpersonal zu bekommen. Die Verträge für zehn Krippenkinder wurden gekündigt.

Waakirchen – „Es schmerzt uns“, sagte Bürgermeister Norbert Kerkel. Im Gemeinderat machte er bekannt, was Kindergartenleiterin Magdalena Köstler den Eltern bereits in einem Brief mitgeteilt hat. Die offene Erzieherinnen-Stelle hat sich nicht besetzen lassen. Was das bedeutet, hatte Köstler schon im August in einem Brandbrief an den Gemeinderat deutlich gemacht. Wie berichtet, kündigte Köstler damals an, dass eine Gruppe schließen muss, wenn sich keine neue Fachkraft gewinnen lässt.

Dieser „schlimmste Fall“, wie Kerkel erklärte, sei nun eingetreten. Und das, obwohl nach dem Bericht in unserer Zeitung über den Brandbrief sogar ein spontanes Wohnungsangebot für eine Erzieherin kam. „Leider hat das auch nichts genützt“, bedauerte Kerkel. Die Bewerberin, die zuvor Interesse bekundet hatte, sofern sie eine Wohnung finde, habe dann doch woanders zugesagt. Auch eine Zeitarbeitsfirma habe nicht helfen können. „Wir haben wirklich alles versucht“, versichert Kerkel. Die Stellenanzeige laufe auch noch.

Bittere Entscheidung: Zehn Krippenverträge gekündigt

Aktuell mussten Kindergartenleitung und Gemeinde jedoch eine bittere Entscheidung treffen: Die drei Krippengruppen müssen verkleinert werden. Alle Kinder, die ab 1. Oktober neu hinzukommen sollten, finden keine Aufnahme.

Der Gemeinde sei bewusst, was das für die Eltern der betroffenen zehn Krippenkinder bedeute, erklärte Kerkel. „Da wurden Arbeitsverträge unterzeichnet, ein Teil der Familien wird das Geld dringend brauchen können.“ Die Gemeinde versuche derzeit alles Mögliche, um die Situation zu retten. „Leider bekommen wir ein ziemlich enges Korsett aufgedrückt“, meinte der Bürgermeister. So sei es nicht möglich, Eltern als Aushilfskräfte einzusetzen. Für eine Spielgruppe, die mehr als zehn Stunden in der Woche Betreuung biete, sei ausgebildetes Fachpersonal zwingend vorgeschrieben.

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Personalnot in der Kita: Behelfslösung scheitert an Vorgaben von oben

Aktuell versuchten die Eltern, sich selbst zu organisieren, berichtete Kerkel. Die Gemeinde sei auch bereit, einen Raum zur Verfügung zu stellen. Problematisch sei die Versicherungsfrage, wie Geschäftsleiter Markus Liebl erläuterte. Soll die kommunale Haftpflichtversicherung oder auch eine Unfallversicherung greifen, muss die Gruppe offiziell vom Jugendamt genehmigt werden.

Diese Genehmigung werde aber nur erteilt, wenn die Betreuung durch Fachpersonal erfolgt. „Wir können uns kreative Gedanken machen ohne Ende, aber wir sind momentan durch Regelungen blockiert, die aus dem Ministerium kommen“, meinte Liebl. Die Gemeinde werde mit dem Jugendamt über ein Provisorium verhandeln, kündigte er an. „Aber wir kriegen von oben die Prügel zwischen d’Fiaß gschmissn.“

Private Gruppe mit Risiko – und „die nächste Baustelle“

Aber eine private Elterngruppe könne die Gemeinde doch mit einem Raumangebot unterstützen, meinte Gemeinderätin Marquardt (Wir). Kerkel nickte: „Das ist, wie wenn ich zehn Kinder zum Geburtstag einlade. Da trage ich das Risiko.“ Leider könne man nicht ausschließen, dass doch einmal etwas Ernsthaftes passiere: „Und dann wird es schwierig.“ Die Gemeinde, so Kerkel, wäre jedenfalls zu allem Möglichen bereit, um den Eltern zu helfen. Mit Blick auf den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz meinte Kerkel: „Es funktioniert einfach nicht.“ Und jetzt solle auch noch die Ganztagsschule kommen: „Die nächste Baustelle.“

Knapp ist das Personal im Schaftlacher Kindergarten trotz der Gruppenschließung noch. Im Elternbrief schreibt Köstler über ihre Sorge, wenn mit Herbst und Winter die üblichen Krankheiten kommen. Wenn dadurch weitere Mitarbeiterinnen ausfallen, kündigt sie an, müsse man Kinder früher nach Hause schicken.

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