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Viele Fragen hatte Sepp Hartl (am Rednerpult) bei der Bürgerversammlung in der Turnhalle zu beantworten. Die Gemeinderäte – ganz links sitzt Andreas Hagleitner – und Verwaltungsmitarbeiter stärkten ihm in gewohnter Sitzordnung den Rücken. 

Waakirchner Dorfanger und Grundstückshandel

Bürger verlangen Aufklärung bei Tauschhandel und Mitsprache bei Dorfanger

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Mit dem Dorfanger und dem Gewerbegebiet hat Waakirchen Großes vor. Die Weichen werden hinter verschlossenen Türen gestellt. Bei der Bürgerversammlung wurde Aufklärung gefordert – und Mitsprache.

Waakirchen– Für Michael Futschik ist klar: Die vielen neuen Bauvorhaben werden das Gesicht und die Lebensweise im Ort nachhaltig verändern. Er will nicht warten, bis Waakirchens Bürgermeister Sepp Hartl einen fertigen Entwurf für die Waakirchner Dorfmitte präsentiert. Futschik, Mitglied der Aktiven Bürgervereinigung, will eine Bürgerwerkstatt. Ein Beteiligungsverfahren, bei dem Gemeinderat und Bürger sich die Bälle zuspielen. Dies sei nötig, um „nicht neue Bürgerinitiativen hervorzurufen und das Dorf weiter zu spalten“, heißt es in Futschiks Antrag an die Bürgerversammlung.

„Nehmen Sie es doch in die Hand“, rief ihm Bürgermeister Hartl zu. Der Gemeinderat werde sich einen Beirat gerne anhören. Auf den Hinweis Futschiks, er brauche dazu die Unterstützung der Gemeindeverwaltung, meinte Hartl nur: „Dann ist ja wieder die Politik dabei.“ Futschik könne aber auf Rückenwind zählen und dürfe gerne einen Aufruf im Gemeindeblatt veröffentlichen.

Futschik wiederum verkündet bei der Versammlung in der nur zur Hälfte besetzten Turnhalle bereits einen Termin für ein erstes Treffen: Am Mittwoch, 9. Mai, um 19 Uhr soll es  für alle Interessierten eine Diskussionsrunde im Sportheim Am Kray geben.

Es geht um den Dorfanger, den Bereich zwischen dem Anwesen Bäckervoitl und der Kreissparkasse. Vier Wohn- und Geschäftshäuser will die Gemeinde dort hochziehen. In Erdgeschoss sind Läden eingeplant, darüber Wohnungen, 28 an der Zahl. Dazu gehört eine Tiefgarage mit 80 Stellplätzen. Den Plan hat Architekt Hans Hagleitner erstellt. Vom Gemeinderat gab’s in nicht öffentlicher Sitzung grundsätzlich grünes Licht für den Entwurf.

Das Mega-Projekt steht für ein großes Ziel: günstige Wohnungen für Bürger mit kleinem Geldbeutel zu schaffen. Die Gemeinde will die Realisierung selbst in die Hand nehmen, voraussichtlich über ihr Kommunalunternehmen Wohnbaugesellschaft Waakirchen (WBW). Das wird von Gemeinderäten geführt, an der Spitze steht Andreas Hagleitner (FWG), Bruder des Architekten.

Wer zur Bürgerversammlung eine erste Präsentation erwartet hatte, wurde enttäuscht.

EU-Ausschreibungfür Dorfanger

Hartl vertröstete seine Zuhörer. Anders als erwartet müsse die Gemeinde das Vorhaben EU-weit ausschreiben, erklärte er. Denn sonst gibt’s keine Zuschüsse vom Freistaat. Ohne die ist das Wohnbauprojekt nicht realisierbar. Schließlich soll die Miete 8,50 Euro pro Quadratmeter nicht übersteigen.

Damit steht das Projekt jetzt wieder auf Anfang. Die Gemeinde hat ein Münchner Büro mit der Ausschreibung der Planungsleistung beauftragt. Architekt Hagleitner kann sich mit seinem Entwurf bewerben. Ob er zum Zug kommt, ist offen. Die Gemeinde muss sich für den günstigsten Anbieter entscheiden, sofern der Entwurf den Zielen entspricht. Zudem erfolgt eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Erst wenn deren Ergebnis positiv ausfällt, ist an die Umsetzung zu denken. Sobald Konkretes vorliege, versprach Hartl. werde er die Bürger auch beteiligen.

Während in der Dorfmitte Wohnungen entstehen, wächst am Brunnenweg ein Gewerbegebiet. Für die 50.000 Quadratmeter große Erweiterungsfläche hat die Gemeinde mit zwei Grundstücksbesitzern verhandelt: Franz Öttl und Gemeinderat Hagleitner. Letzter hat den weitaus kleineren Anteil beigesteuert: 15 Prozent der Gesamtfläche. Der Handel, den die Gemeinde mit ihm getätigt hat, sorgt jedoch für Spekulationen. Gleich mehrere Bürger hatten einen Antrag eingereicht, in dem sie Aufklärung fordern: Was hat Hagleitner für seine Wiese bekommen? Als Antwort verwies Hartl auf ein Schreiben des Landratsamtes als Aufsichtsbehörde. Demnach besteht kein Anspruch auf Auskunft. Es habe sich aber kein Vertragspartner unredlich persönlich bereichert.

Tauschhandelwird geprüft

Die Gemeinde habe das ganze Paket aber zur Prüfung bei der Kommunalaufsicht eingereicht, erklärte Hartl weiter. Nach deren Abschluss werde er die Details des Tauschhandels in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung offen legen.

Bekannt ist, dass Hagleitner unter anderem ein Wohnhaus mit drei Mietparteien im Zug des Tauschgeschäfts erhalten hat (wir berichteten). Weiter gehören dem Vernehmen nach ein Wiesengrundstück dazu, das in etwa so groß ist wie die abgetretene Fläche, sowie ein Grundstück, auf dem sich ein gemeindlicher Spielplatz befindet. Auch eine Geldzahlung soll Inhalt des komplizierten Vertragswerks sein. Hartl versichert, es sei stets alles rechtlich absolut korrekt gehandhabt worden, Die Gemeinde habe in alle Verhandlungen einen Rechtsanwalt eingebunden und auch den Gutachterausschuss befasst.

Die Vereinbarung gilt übrigens erst, wenn der Bebauungsplan fürs Gewerbegebiet rechtskräftig ist. Die Gemeinde profitiere sehr von dem Handel, versichert Hartl. Beim Verkauf der Gewerbeflächen an Unternehmen werde sie sicher „einen schönen Gewinn“ machen.

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