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Die rote Linie wäre für die Bürgerbewegung eine mögliche Tunneltrasse. Rechts und links auf der B 472 die beiden Tunnelportale. 

Bürgerbewegung kämpft für ihr Ziel

Politiker sollen Flagge zeigen für Waakirchner Tunnel

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Jetzt muss Schluss sein mit Taktieren, es ist höchste Zeit für klare politische Signale und ein Bekenntnis pro Tunnel in Waakirchen. Das fordert die Bürgerbewegung Entlastung B 472. 

Waakirchen – Die Zeit drängt. Knapp acht Wochen haben die Waakirchner Zeit, um ihre Vorschläge für eine sinnvolle Variante zur Verkehrsentlastung beim Staatlichen Bauamt Rosenheim einzureichen. Dann legt sich die Behörde auf einen Favoriten fest. Wobei drei Trassen für eine Umfahrung laut Raumwiderstandsanalyse durchaus denkbar wären, wie sich vor Kurzem bei einer Bürgerversammlung zeigte. Für die Bürgerbewegung aber nicht: „Nur ein Tunnel für Waakirchen und die Region ist die beste Verkehrslösung, die keine negativen Folgen aufweist“, betont Sprecher Lars Hülsmann, der am Montag bei einem Mediengespräch die Positionen und Strategien der Bürgerbewegung vorstellte. Denn bei einer Umgehungsstraße, egal ob im Norden oder Süden des Orts, seien die Charakteristika des Landschaftsschutzgebiets Egartenlandschaft eindeutig betroffen. „Laut Alpenkonvention ist dies aber ein Ausschluss-Kriterium“, so Hülsmann, der sich auch auf die Unterstützung der CIPRA Deutschland, dem Dachverband vieler Umweltschutzorganisationen, beruft. Eine Waakirchner Ortsumfahrung wäre ein Präzedenzfall.

Daher lautet die Devise: Ein Tunnel, sonst nichts. Um diese Einstellung auch in den Köpfen der Politiker zu manifestieren, hat Hülsmann nun auch einen vierseitigen Brief an Bürgermeister Sepp Hartl und alle Gemeinderäte geschickt. „Jetzt gilt es, Flagge zu zeigen“, fordert die Bürgerbewegung darin, sonst werde es womöglich zu einer Lösung kommen, die Waakirchen mehr schade, als nutze.

Die Gemeinde müsse sich aktiv in den Tunnelplanungsprozess einbringen und auch den Bürgerwillen beachten, der bereits mit 3500 Unterschriften deutlich geworden sei. Ein passives „Laufen lassen“ der Überlegungen sei jetzt nicht mehr angesagt.

Laut Staatlichem Bauamt wäre ein Tunnel, rund 16 Meter tief unter Waakirchen, grundsätzlich möglich. Die Strecke wäre etwa 2,3 Kilometer lang und würde, entgegen einer ersten Idee, nicht genau unter der B 472, sondern auf relativ gerader Route verlaufen. Man würde in sogenannter Deckelbauweise und bergmännisch mit einer „Rohrschirmvortrieb-Methode“ bauen. Nötig wären dafür auch zwei Rampen und Tunnelportale. „Da wird nicht gesprengt und gefräst“, sagt Hülsmann, der die Kosten ganz vorsichtig auf rund 100 Millionen Euro schätzt.

Hülsmann versucht mit aller Kraft, die Politik vom Tunnel zu überzeugen. So habe SPD-Landtagsabgeordneter Florian von Brunn nach einem Treffen mit der Bürgerbewegung eine Parlamentarische Anfrage an die Staatsregierung gesendet mit dem Titel „Umweltverträgliche Verkehrslösung für Waakirchen statt undurchdachte Landschaftszerstörung.“ Die Antworten stehen noch aus.

Am 28. September, also nach der Bundestagswahl, soll die bisherige CSU-Ministerin und Wahlkreis-Abgeordnete Ilse Aigner in Waakirchen vorfahren. Bei dem Treffen will die Bürgerbewegung für den Tunnel trommeln. Hülsmann will dabei auch die Themen Strukturgutachten Oberland, Alpenstrategie, intelligente Mobilitätskonzepte und Flächenversiegelung ansprechen. Den Draht nach ganz oben zum Bundesverkehrsminister will Hülsmann nach der Wahl knüpfen. „Herr Dobrindt hat sich gedanklich ja wohl schon verabschiedet.“ Alexander Radwan soll bereits am 12. September zu den Waakirchnern kommen. Für den CSU-Abgeordneten ist das Wahlkampf. Für Hülsmann wieder ein Kampftag pro Tunnel.

gr

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