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Tag für Tag rauschen Tausende Fahrzeuge durch die Waakirchner Ortsdurchfahrt. Der Verkehr belastet die Bürger seit vielen Jahren.

BI Verkehr ruft zu Geschlossenheit auf

Ortsumgehung nur gemeinsam zu schaffen

Waakirchen - Lärm, Abgase, Unfallgefahr: Der Leidensdruck für die verkehrsgeplagten Waakirchner ist groß. Die Bürgerinitiative Verkehr diskutierte am Samstag mit Bürgern das Problem.

14.000 Fahrzeuge rauschen derzeit täglich durch die Waakirchner Ortsdurchfahrt. Und es sollen noch mehr werden. Um der für die Waakirchner unerträglichen Entwicklung Einhalt zu gebieten, braucht es ein gemeinsames, tragfähiges Konzept, ein geschlossenes Vorgehen von Bürgern und Gemeinde gegenüber den zuständigen Behörden und Politikern sowie Geduld und einen langen Atem. Das waren die wichtigsten Erkenntnisse aus der umfassenden Informationsveranstaltung im Waakirchner Pfarrheim, bei der sich am Samstag die Bürgerinitiative (BI) „Verkehr in der Gemeinde Waakirchen“ und Mitbürger austauschten.

Sie alle eint der Leidensdruck. Die beiden Hauptverkehrsstraßen zerschneiden buchstäblich den Ort Waakirchen: die Bundesstraße 472 als einzige überregionale Ost-West-Verbindung südlich von München und die Staatsstraße 2365 vom Löwen-Denkmal durch Hauserdörfl über Dürnbach zum Irschenberg als Route für Pendler, Ausflügler und Tegernsee-Urlauber. Im Gegensatz zur Nachbarkommune Holzkirchen mit ihrem hohen Anteil an Ziel- und Quellverkehr fahren die meisten Autos und Lastwagen auf ihrem Weg von der Garmischer zur Salzburger Autobahn durch Waakirchens lange, bergige S-Kurve mit ihren gefährlichen Einmündungen und Kreuzungen lediglich hindurch.

Was die BI um Gerhard Voit, Anton Doll, Rainer Küppers, Rudolf Reber und andere Mitstreiter in den vergangenen Jahren an Argumenten, Meinungen und Fakten zusammengetragen hat, fasste ein Dutzend großer Informationstafeln zusammen. Diese Fülle ergänzte eine ausführliche und sachliche Diskussion. Und die zeigte immer wieder: Viele Wunschvorstellungen der Waakirchner sind nur schwer umsetzbar. So könnte ein Kreisverkehr am Löwen-Denkmal im Winter kaum auflösbare Staus am Berg bewirken. Georg Obermüller wies auf das Risiko hin, dass Flächen zwischen Umgehungsstraße und Ortsrand häufig schnell bebaut werden. Und: Die jüngst angedachte gemeinsame Piesenkamer Umgehung für Holzkirchen und Waakirchen würde den Verkehr zum Tegernsee verstärkt nach Schaftlach und Hauserdörfl lenken, legte Jakob Pfeiffer anhand einer Straßenkarte dar.

Allerdings gab der anwesende SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel dieser Trasse ohnehin „keine Chance“, da mit zunehmender Ortsferne das Kosten-Nutzen-Verhältnis immer ungünstiger werde. „Die Lkw-Fahrer nehmen immer die kürzeste Strecke“, begründete er zudem, warum er bei einer Holzkirchner Südumgehung kaum eine Entlastung für Waakirchen sähe und daher eine eigene Umgehung empfehlen würde. Der Bund sollte es sich leisten, nach dem 200 Millionen schweren Ausbau der B 472 eines der letzten Nadelöhre zu beseitigen, fand Rainer Küppers.

Wie ein Ausschnitt aus der Fernsehdiskussion „Jetzt red i“ belegte, gab es bereits 1989 mit „nur“ 11.000 Fahrzeugen täglich gute Gründe, Waakirchen im Jahr 1993 in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufzunehmen. Nachdem die Ortsdurchfahrt 2003 wieder herausgefallen war, stellte Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) einen entsprechenden Antrag im September 2012 erneut – in Konkurrenz zu einem halben Dutzend ähnlicher Projekte in der nächsten Nachbarschaft.

„Wir brauchen uns nicht vorzumachen, dass da alle gleichzeitig drankommen“, meinte Barthel. Er ermunterte die Besucher, mit eigenen konkreten Plänen, hinter denen die Bevölkerung geschlossen stehe, gegenüber der Bundesregierung zu punkten. So appellierte auch Gerhard Voit an alle: „Haltet zusammen und macht Nägel mit Köpfen!“ Dann könnte es in 15 bis 20 Jahren endlich etwas mit der Umgehung werden, hoffte Hartl. „Wenn es schneller geht, wäre es freilich noch besser.“

Gudula Beyse

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