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Die drei Bürgermeister von Waakirchen: (v.l.) Rudi Reber (ABV), Norbert Kerkel (FWG) und Alfred Finger (CSU) bei der konstituierenden Sitzung. Cornelia Riepe (Grüne) hatte vergeblich kandidiert. 

Kandidatur von Cornelia Riepe (Grüne) scheitert

Wahl der Bürgermeister-Stellvertreter in Waakirchen: Herrenriege setzt sich durch

  • Christina Jachert-Maier
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Ein neuer Bürgermeister und zwölf neue Gesichter am Ratstisch: In Waakirchen stehen die Zeichen auf Anfang. Bei der Stellvertreter-Wahl setzten sich jedoch die alten Hasen durch.

Waakirchen– Ein bisschen fühlte sich Norbert Kerkel wie Napoleon. „Ich kröne mich selbst“, scherzte Waakirchens neuer Bürgermeister, als er sich die schwere Amtskette umlegte. Dabei war dies mitnichten seinem Selbstbewusstsein geschuldet, sondern dem Corona-Virus. Um den Abstand zu wahren, hatte Gemeinderats-Ältester Günther Jeske (FWG) darauf verzichtet, seinem früheren Fraktionskollegen das Symbol der Bürgermeister-Würde umzuhängen. Kurz zuvor hatte der 73-Jährige den Rathaus-Chef vereidigt.

Die Sache mit der Amtskette blieb die einzige diktatorische Geste. Vielmehr war bei der konstituierenden Sitzung in der Turnhalle der Wille spürbar, zu neuer Harmonie zu finden. Man muss sich auch erst kennenlernen: Von 20 Gemeinderäten sind zwölf neu im Amt.

Absprachen vor der Sitzung

Im Hintergrund sind aber bereits intensive Gespräche geführt worden. Zum Beispiel zur Frage der Stellvertreterposten. Dabei machte Rudi Reber (ABV), der es als Bürgermeisterkandidat in die Stichwahl geschafft hatte, auch öffentlich keinen Hehl aus seinen Ambitionen. „Ich hätte gern als zweiter Bürgermeister kandidiert“, ließ er wissen. Doch habe man ihn im Vorfeld darauf hingewiesen, dass er nicht die nötigen Stimmen erhalten werde.

Die Bewerbung ums Vize-Amt überließ er den Absprachen gemäß Alfred Finger (CSU). Der wurde nicht nur von seiner Fraktion vorgeschlagen, sondern auch von der FWG unterstützt. Deren Sprecher Jeske erklärte, die FWG stehe einstimmig hinter Fingers Kandidatur. Nachdem FWG und CSU mit je fünf Sitzen gleich starke Fraktionen bildeten, die FWG aber den ersten Bürgermeister stelle, sei es „selbstverständlich“, dass der Vize-Posten der CSU gebühre. Finger erhielt als einziger Bewerber ums Vize-Amt 20 der 21 Stimmen und freute sich sichtlich über die Wahl. Mit ihr wiederholt sich Geschichte, wie Erwin Welzmiller (CSU) wissen ließ. 1984 sei Norbert Kerkels Vater Bürgermeister geworden und Fingers Vater Peter sein Stellvertreter. Welzmiller, der zuvor selbst Zweiter Bürgermeister war, hatte Finger für das Amt vorgeschlagen. Spannung kam auf, als es um den Posten des Dritten Bürgermeisters ging. Rudi Reber hatte diesen in der vergangenen Amtsperiode inne und wollte ihn gerne wiederhaben – wenn er schon als Vize nicht in Betracht kam.

FWG-Sprecher Jeske versicherte Reber die Unterstützung seiner Fraktion. Die CSU äußerte sich nicht.

Riepe bewirbt sich umsonst um Amt

Doch auch Cornelia Riepe (Grüne) bewarb sich um das Amt. Sie erinnerte an das veritable Ergebnis ihrer Kandidatur als Bürgermeisterin und daran, dass die Grünen das drittbeste Wahlergebnis in Waakirchen eingefahren haben. Mit ihr käme auch einer der neuen Gemeinderäte und eine Frau ins Führungstrio. „Wir müssen uns bewusst machen, warum wir hier eigentlich sitzen und wem wir verantwortlich sind: Das sind unsere Wähler“, mahnte Riepe. Es gehe nicht nur um den Posten, sondern auch um das Zeichen, das dieser neue Gemeinderat nach außen senden wolle.

Ihr Appell fruchtete nicht. Reber erhielt bei der Wahl 13 Stimmen, Riepe acht. Während Riepe sich höflich dem Applaus für den Gewinner anschloss, strahlte Reber erleichtert. Er gönne Finger das Amt und werde den Kollegen loyal zur Seite stehen.

Lesen Sie auch: Norbert Kerkel wird Waakirchens neuer Bürgermeister

Im geheimen Corona-Lager des Landkreises

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