Bürgerstiftung Waakirchen
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Zusammenarbeit auf Abstand: Die Stiftungsgründer (von vorne l. im Uhrzeigersinn) Andreas Hagleitner, Alexandra Wermke, Robert Englmann und Hermann Mair mit Sparkassen-Chef Martin Mihalovits und dem künftigen Stiftungsratsvorsitzenden Anton Lentner halten sich an die Distanzregeln zur Eindämmung des Coronavirus.

Gute Sache soll nicht belastet werden

Bürgerstiftung Waakirchen: Gründung erfolgt „unpolitisch“

  • Sebastian Grauvogl
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    Christina Jachert-Maier
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Die „Bürgerstiftung Unser Waakirchen“ wird gegründet. Allerdings etwas anders, als ursprünglich geplant: komplett losgelöst von Gemeinde und Politik.

Waakirchen/Miesbach – Aus eigener Erfahrung weiß Andreas Hagleitner, wie schnell sich das eigene Leben zum Schlechten verändern kann. Nach einem Sturz sei er durch mehrere Wirbelbrüche längere Zeit außer Gefecht gewesen, erzählte der Schreiner und scheidende FWG-Gemeinderat aus Waakirchen gestern beim Pressegespräch zur Gründung der „Bürgerstiftung Unser Waakirchen“ in der Zentrale der Kreissparkasse in Miesbach. „Nicht alle haben das Glück, wieder in ihr normales Leben zurückkehren zu können.“ In solchen Fällen sei es deshalb umso wichtiger, schnell und unbürokratisch an (finanzielle) Unterstützung zu kommen. Und genau dieser Gedanke sei der Anstoß für eine Stiftungsgründung gewesen.

Die Formalien stehen bereits fest. Um schnell handlungsfähig zu werden, schlüpft die Stiftung unter das Dach der Stiftergemeinschaft der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. „Wir sorgen für die Rechtssicherheit und helfen dem Projekt damit, bald ins Laufen zu kommen“, erklärte Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Martin Mihalovits. Die Stiftung könne dabei komplett eigenständig ihren weiteren Weg wählen. Die Sparkasse stelle nur ihre Plattform und ihr Netzwerk zur Verfügung.

Über die Verwendung der Gelder entscheidet der Rat der „Bürgerstiftung Unser Waakirchen“. Dieser wird aus sechs Privatpersonen bestehen. Neben Hagleitner sind dies Alexandra Wermke aus Hauserdörfl, Hermann Mair aus Piesenkam, Sieglinde Winklmair aus Marienstein und Robert Englmann aus Schaftlach. „Uns ist wichtig, dass jeder Ortsteil vertreten ist“, erklärt Hagleitner. Den Vorsitz werde mit Steuerberater und Rechtsanwalt Anton Lentner aus Rottach-Egern bewusst ein Nicht-Waakirchner übernehmen.

Auch eine strikte Trennung von den politischen Geschehnissen im Ort ist den Gründern ein großes Anliegen. Nicht zuletzt die Gespräche in den vergangenen Tagen und die Diskussion in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend (siehe Kasten) haben die Beteiligten dazu bewogen, jeglichen Bezug zu kritischen und stark vorbelasteten Themen zu kappen. Die Gefahr wäre zu groß, dass die rein zum Wohle aller Waakirchner gegründete Stiftung darunter leide, erklärte Hagleitner.

Auch er selbst wolle sich nach der Gründung im Hintergrund halten. „Ich war nur der Ideengeber und habe die Leute zusammengebracht“, sagte Hagleitner, dessen Familie den ersten Grundstein für das Stammkapital der Stiftung legt. „Als Zeichen der Dankbarkeit, dass es mir heute gesundheitlich wieder so gut geht.“ Und in dem Wunsch, auch an die Menschen zu denken, die nicht auf der „Sonnenseite des Lebens“ stehen.

Sobald die Gründungsurkunde unterzeichnet ist, wollen die Initiatoren das Spendenkonto bei der Kreissparkasse bekannt geben. „Wir haben das Bäumchen gepflanzt, damit es wächst und sich tief in der Gemeinde verwurzelt“, sagte Lentner. Ob sich auch die Gemeinde selbst finanziell an der Stiftung beteiligt, bleibt abzuwarten. Zustiftungen seien jederzeit möglich, erklärte Hagleitner. Darüber könne sich aber der neue Gemeinderat Gedanken machen. „Die Stiftung ist ein absolut unpolitisches Instrument, um Waakirchner Bürgern in Notsituationen zu helfen.“

Ein Gedanke, der auch dem Sparkassen-Chef am Herzen liegt. Eine Stiftung sei frei vom parteipolitischen „Hin und Her“, von dem die Bürger gemeinhin „die Nase voll haben“, sagte Mihalovits. Vielmehr helfe sie, „unbefangen“ Spenden für einen guten Zweck zu sammeln. In Zeiten der Corona-Krise, deren soziale Folgen noch nicht absehbar seien, komme die Gründung genau zum richtigen Moment. Den künftigen Stiftungsräten gab Mihalovits auf den Weg, nicht zu leise für ihre Ziele zu werben. „Für so eine Sache darf man durchaus trommeln.“

Mehrerlöse der Gemeinde aus Grundstückshandel sollten in Stiftung fließen

Über die Gründung der „Bürgerstiftung Unser Waakirchen“ wurde im Gemeinderat viel diskutiert, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Konfliktbeladen ist das Thema, weil die Grundidee vorsah, Erträge aus dem Grundstücksverkauf im Gewerbegebiet Brunnenweg in diese Stiftung fließen zu lassen. Wie berichtet, hat FWG-Gemeinderat Andreas Hagleitner der Gemeinde in einem – sehr heftig umstrittenen – Tauschhandel Grundstücke fürs Gewerbegebiet überlassen. Verkäufer der Flächen ist die Gemeinde Waakirchen, die mehr Geld einnehmen wird, als sie aufgewendet hat. Im Kaufvertrag ist festgehalten, dass diese Mehrerlöse den Bürgern Waakirchens zugute kommen sollen. Die Grundstücke werden noch heuer verkauft. Bis kurz vor der Sitzung schien ausgemacht, dass die Gemeinde die Stiftung gründet. 

Daran erinnerte Rudi Reber (ABV) in der öffentlichen Sitzung: „Wir waren doch soweit, dass es von der Gemeinde hätte ausgehen können.“ Leider habe das eine Fraktion „anders diskutiert“. Reber spielte auf die Haltung der CSU an, die nicht in der allerletzten Sitzung des jetzigen Gemeinderats über die Stiftung und die Verwendung der Grundstückserlöse entscheiden wollte. „Vor allem unsere neuen Gemeinderäte waren skeptisch“, erklärt CSU-Fraktionssprecher Alfred Finger auf Nachfrage. Dabei sei die Stiftung sicher eine feine Sache. „Aber das ist alles so hopplahopp abgelaufen.“ Angesichts des politischen Gegenwinds hatte sich Ideengeber Hagleitner entschlossen, die Stiftung als Privatinitiative zu gründen. Es sei gut, wenn die Politik außen vor bleibe, meinte er: „Da wird viel zerredet.“ Auf Hagleitners Bitte hin verzichtete Reber darauf, kurzfristig den Antrag einzubringen, die Stiftung zur Sache der Gemeinde zu machen. 

Reber hatte die Verträge für das Grundstücksgeschäft am Brunnenweg verhandelt. Er rechnet damit, dass die Gemeinde fünf Millionen Euro einnimmt. Nach jetziger Beschlusslage trägt die Stiftung lediglich den Namen der Gemeinde Waakirchen und ist nicht beteiligt. Zustiftungen der Gemeinde sind möglich. Bürgermeister Sepp Hartl legte dem neuen Gemeinderat die Unterstützung ans Herz: „Die Tür ist nicht zu.“

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