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Die Dorfmitte von Waakirchen: bewahren oder bebauen?

Bürgerwerkstatt befasste sich mit „Sahnegrundstück“ in Waakirchen

Acht Ideen für die Dorfmitte

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Die bisher noch grüne Dorfmitte zwischen Sparkasse und Bäckervoitl-Anwesen halten viele Waakirchner für ein „Sahnestück“. Um die bestmöglichen Ideen zur Gestaltung ging es bei einer Bürgerwerkstatt. 

Waakirchen – Der Name „Bürgerwerkstatt“, so zeigte sich am Ende des Abends nach gut zweieinhalb Stunden, war richtig gewählt worden: Gut 50 engagierte Waakirchner waren ins Vereinsheim beim Kray gekommen, um Ideen für die Dorfmitte zwischen Sparkasse und Bäckervoitl-Anwesen im wahrsten Sinne des Wortes zu erarbeiten. 

Der Waakirchner Michael Futschik hatte das Fachbüro Identität & Image auf eigene Kosten für die Vorbereitung und Durchführung der Bürgerwerkstatt engagiert. Er und viele Mitstreiter wollen die Gestaltung nämlich nicht der Gemeinde überlassen. Die hat bereits eine EU-weite Ausschreibung gestartet – zur Bebauung mit Läden, rund 30 Wohnungen und Tiefgarage mit einem Bauvolumen von rund neun Millionen Euro. Weil öffentliche Gelder aber nur zu bekommen sind, wenn auch die Bürger beteiligt werden, kam die Initiative Futschiks im Nachhinein recht. Und Futschik bekam 500 Euro Zuschuss. 

Im Sportheim beim Krey fand die Veranstaltung statt.

Am Montagabend kamen nur die Vertreter der ABV-Fraktion, alle anderen Gemeinderäte hatten sich für zeitgleich stattfindende Fraktionssitzung entschieden. Also hörten nur die ABVler die Vorwürfe, etwa von Gerhard Voit: „Ich habe das Gefühl, dass wir verarscht werden. Es läuft hier nicht richtig.“ Er bekam Applaus. Auch sei vielen nicht klar, ob es denn schade um die Zeit sei, wenn sie sich für die Dorfmitte engagieren. Was nütze es, wenn doch der Zug für das Grundstück schon abgefahren sei. 

Dritter Bürgermeister Rudi Reber (ABV) versuchte, die Wogen zu glätten: „Der Zug ist eben noch nicht abgefahren“, sagte er und bat eindringlich: „Bitte seid’s nicht grantig.“ Er machte aber klar: Die Ausschreibung sei ihr Geld wert, weil sie zeigen werde, was machbar sei. Man wolle verhindern, dass ein Bauträger das Grundstück bebaut, das die Gemeinde 2010 vom inzwischen betagten Besitzer des Bäckervoitl-Anwesens mitsamt etlicher Grünflächen in und um Waakirchen erwerben konnte. Er musste aber einräumen, dass bei der Einbindung der Bevölkerung „einiges schief gelaufen“ sei.

Zu acht Themenblöcken wurden dann an Stehtischen Ideen gesammelt und beackert. Die Ideengeber fassten die Ergebnisse zusammen: 

Gerhard Voit kann sich ein Heimatmuseum oder einen Ort der Begegnung gut vorstellen. Auf keinen Fall aber „zubetonieren mit Wohnungen wie das in der Betonwüste am Gmunder Ludwig-Erhard-Platz passiert ist.“ 

Balthasar Brandhofer warnte ebenfalls vor einem „Zupflastern, denn dann ist es vorbei.“ Er würde die Fläche, die sich auch als Park und Festplatz eigne, gerne behutsam gestalten. „Lassen wir doch der nächsten Generation die Chance, „diese grüne Lunge“ weiterzuentwickeln, so Brandhofer. „Wir haben keinen Zeitdruck und sollten wirklich gut überlegen.“ 

Carsten Schramm warb für ein Mehrgenerationenhaus, Sabine Dorner für eine Tagespflege. 

Die Schaffung von Raum für Vereine hielt Michael Bichler für sinnvoll. „Denn wie wir wissen, sind Veranstaltungen bei uns nur mit großem Aufwand zu stemmen.“

Lars Hülsmann warb im Wesentlichen dafür, den Charakter des Platzes zu erhalten und die bestehende Bebauung, sprich das Bäckervoitl-Anwesen selbst, umzugestalten. Therese Obermüller fände eine Mischung aus Park und Skulpturenweg charmant.

Die Moderatoren Stephanie Pettrich und Torsten Zink lobten die Waakirchner am Ende für ihr Engagement. Wie geht’s nun weiter? Rudi Reber bat um eine Präsentation der Ergebnisse im Gemeinderat und für Initiator Michael stand fest: Die Waakirchner müssen weiter Druck machen.

gr

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