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Mahd – wie hier in Reitham – ist Landschaftspflege. Wo der Ertrag so gering ist, dass die Landwirtschaft nicht lohnt, gibt’s Zuschüsse. Um die Maßnahmen und ihre Förderung soll sich künftig ein Verband kümmern. 

Gründung von Verband umstitten

Braucht‘s einen Geschäftsführer für die Landschaftspflege? 

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Egal ob Hag stutzen oder Streuwiese mähen - Landschaftspflege kostet Geld. Organisieren soll das in Zukunft ein Verband samt Geschäftsführer. In Waakirchen wurde heiß diskutiert.

Landkreis/Waakirchen – Hinter verschlossenen Türen sind die Gespräche schon weit gediehen. Es geht um die Landschaftspflege, die bisher das Landratsamt organisiert hat. Künftig soll der Geschäftsführer eines Landschaftspflegeverbands die diversen Maßnahmen veranlassen. Vor allem muss er ein Profi im Förderwesen sein. Denn: Im Landkreis gibt es zahlreiche ökologisch kostbare und auch geschützte Gebiete, für deren Pflege der Freistaat hohe Zuschüsse zahlt. Aber die Fördertöpfe hängen hoch. „Und an manche Zuschüsse kommen wir als Landratsamt auch gar nicht ran“, erklärte Florian Busl, der den Bereich bei der Behörde betreut, im Waakirchner Gemeinderat.

Waakirchen war die erste Station einer Reise durch alle Landkreis-Gemeinden. Überall wird Busl zu erklären haben, warum es den Verband braucht. Neu ist das Konzept nicht: Die meisten Landkreise in Bayern haben einen Landschaftspflegeverband. Auch in Miesbach war die Gründung schon 1985 Thema. „Aber dann hat man sich für ein Maschinenring-Modell entschieden“, erklärte Busl. Es funktionierte lange gut, aber jetzt nicht mehr. Das wiederum liegt daran, dass Förderanträge heute viel aufwendiger zu stellen sind. Vor 25 Jahren habe Volker Herden als Landratsamtsmitarbeiter mal eben einen Brief geschickt, dass er 100.000 Mark für eine Maßnahme benötige, schilderte Busl. „Die Woche drauf hat er einen Anruf bekommen, dass er schon mal anfangen kann.“

Inzwischen bedeute jede Fördermaßnahme einen monatelangen Vorlauf. Das Maschinenring-Modell, folgert Busl, habe sich totgelaufen. Diese sehe inzwischen auch der Maschinenring so. Er unterstütze die Gründung des Landschaftspflegeverbands, wie unter anderem auch das Amt für Landwirtschaft, der Bauernverband und der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern.

Getragen wird der Verband – ein Verein – von drei Säulen: Kommunen, Landwirtschaft und Naturschutzverbände. Sie sind auch zu gleichen Teilen im Vorstand vertreten. Herzstück aber ist der Geschäftsführer, der Zuschüsse generiert, Arbeiten vergibt, Netzwerke bildet. Sein Gehalt bezuschusst der Freistaat in den ersten beiden Jahren zu 70 Prozent. Als Anschubfinanzierung – später soll der Verband sich über den Umsatz finanzieren.

Aber auch Kreis und Gemeinden sind gefragt. 35 Cent pro Einwohner soll jede Kommune pro Jahr berappen. Das ergibt einen Gesamtbetrag von 34.000 Euro. Der Landkreis zahlt 50.000 Euro. Dies entspreche in etwa der Summe, die der Kreis auch jetzt schon aufwenden muss, erklärt Busl. Insgesamt beläuft sich der Finanzbedarf des Landschaftspflegeverbands auf insgesamt 112.000 Euro. Das Modell sei schon bei zwei Bürgermeisterdienstbesprechungen Thema gewesen, berichtete Busl.

Jetzt sind die Gemeinde- und Stadträte gefragt. Stimmen sie zu, könne die Gründungsversammlung noch 2017 stattfinden, meinte Busl.

Die Hoffnung, dass Waakichen als Vorreiter schon einmal ein positives Signal gibt, erfüllte sich allerdings nicht – auch wenn lediglich 2000 Euro pro Jahr zu zahlen wären. Es gab heftige Zweifel und viel Kritik, aber auch keinen ablehnenden Beschluss. Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) vertagte die Entscheidung. 

Zuvor hatte unter anderem Balthasar Brandhofer (ABV), selbst Landwirt, seinem Herzen Luft gemacht. „Das ist eine Fehlgeburt“, wetterte er. Über den Verein mischten sich Verbände ein, die von der Praxis keine Ahnung hätten. Andreas Hagleitner (FWG) argwöhnte, der Staat wolle sich wohl aus der Aufgabe zurückziehen: „Soll der Verband gegründet werden, weil ihr vom Landratsamt das Zeitmanagement nicht habt?“ Seine Fraktionskollegin Monika Marstaller fürchtete, dass nach der zweijährigen Anschubfinanzierung des Freistaats die Kosten für den Geschäftsführer zur Gänze bei den Kommunen hängen bleiben: „So geht das doch immer.“

Andere, wie Gwenny Kalch (SPD), sahen Vorteile. „Es hören doch immer mehr Landwirte auf, wir brauchen die Landschaftspflege.“ Und auch Alfred Finger (CSU) wollte dem Konzept eine Chance geben. „Da sind schon Praktiker dabei.“

Waakirchen will nun erkunden, welche Erfahrungen andere mit dem Verband gemacht haben. Nach der Sommerpause wird das Thema schnell wieder aktuell werden. Ab September, so Busl, wird in den nächsten Gemeinderäten diskutiert.

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