Familiendrama in Waakirchen

Diese besoffene Tat wird ein Familienvater sein ganzes Leben bereuen

Er hat sie beide verloren, Mutter und Tochter. Der Alkohol war der eine Grund. Viel schlimmer noch, was er seinen Liebsten im Suff angetan hat.

Waakirchen – Tränen weinte ein Waakirchner (48), geknickt auf der Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts sitzend. „Ich habe verloren, wen ich am meisten geliebt habe“, murmelte er und meinte seine Noch-Ehefrau sowie seine Tochter. Es kriselte schon länger in der Ehe, doch was im Mai dieses Jahres passierte, führte zu einem Kontaktverbot – und das wegen viel zu viel Alkohol.

Viel zu den Vorfällen berichten konnte der Mann selbst nicht. „Wenn es meine Frau und meine Tochter so sagen, dann wird es aber schon stimmen. Ich bin erst in Agatharied in der Geschlossenen wieder zu mir gekommen.“

Was war passiert? Der Berufskraftfahrer kam am 20. Mai gegen 3 Uhr betrunken nach Hause und ging in das Gästezimmer, wo seine Frau seit mehreren Stunden schlief. Er weckte sie und schleuderte ihr aus etwa einem halben Meter seine Uhr aufs Auge. Die Verletzte blutete und musste von der Tochter verarztet werden. „Es tut mir leid, ich weiß nur noch, dass ich an dem Abend etwa zehn Bier getrunken habe, als ich mit einem Kumpel unterwegs war“, erinnerte sich der Waakirchner. In der Klinik sollen mehr als zwei Promille diagnostiziert worden sein. Seine Gattin ergänzte: „Dass er das gemacht hat, hat ihn selbst geschockt.“

Bleibende Schäden hat sie nicht, ihr Auge wurde aber rund eine Woche lang von blauer Farbe geziert. Tags darauf eskalierte die Situation noch mehr. „Ich kam mit meiner Tochter vom Sport nach Hause und merkte, dass mein Mann von innen die Tür verriegelt hatte“, erzählte die Frau. Sie schaffte es aber, mit der Tochter das Haus zu betreten. Das erzürnte den Waakirchner enorm und er forderte die beiden auf, das Haus zu verlassen. „Binnen 15 Minuten sollten wir verschwunden sein“, sagte die 49-Jährige. Als sie ihre Sachen packte, stürmte der Mann ins Zimmer, zog sie an den Haaren „und versuchte, mich aus dem Haus zu schleifen“. Er sei sehr betrunken gewesen. „Man merkt das, wenn man so etwas jahrelang mitmacht.“ Als es dem 48-Jährigen nicht gelang, seine Frau aus dem Haus zu schleifen, holte er ein Messer. „Er hat es sich auf die Brust gesetzt“, erinnerte sich die Frau. Anschließend habe er gedroht, entweder sich, die Tochter oder die Frau umzubringen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der 48-Jährige nach eigenen Angaben einen ganzen Kasten Bier intus. Die Tochter setzte einen Notruf ab. Glücklicherweise kühlte die Situation ab. „Mit dem Messer direkt bedroht hat er uns auch nicht“, stellte die Noch-Ehefrau klar. „Ich denke, es war eine Verzweiflungstat, da er ohne uns nicht mehr leben wollte.“ Mittlerweile hat das Paar auch dank des Kontaktverbots nichts mehr miteinander zu tun. Beide wohnen jedoch noch in Waakirchen, und die 49-Jährige erklärte: „Wir haben trotzdem Angst.“

Der Angeklagte hat sich seit dem Vorfall indes gebessert, trinkt keinen Alkohol mehr und besucht Treffen der Anonymen Alkoholiker. Vorstrafen hatte er bis dato nicht. Die Staatsanwaltschaft stufte die Sache mit dem Messer nicht als Bedrohung, sondern als Nötigung ein, „um Frau und Tochter schnellstmöglich aus dem Haus zu bekommen“, und forderte zehn Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung sowie eine Zahlung von 2000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung.

Richter Leitner verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 220 Tagessätzen à 60 Euro, also 13.200 Euro. Eine Geldstrafe, die dem Waakirchner sichtlich weniger ausmachte, als der Verlust seiner beiden Liebsten.

Philip Hamm

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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