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Im Hühnerstall zeigt Christine Weindl die Eier.

Ein kunterbunter Hühnerhaufen

Ohne Färben: Diese Biobauern produzieren das ganze Jahr bunte Eier

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Familie Weindl mag es bunt – sowohl bei den Eiern als auch bei den Hühnern. Und das nicht nur zur Osterzeit: Ihre Hühner produzieren ganz natürlich und ganzjährig farbige Eier.

Krottenthal – Manche sind dunkelgrün, andere hellgrün bis oliv, einige sind dunkelbraun, andere cremefarben oder auch ganz „normal“ weiß. Gefärbt sind sie allesamt nicht, auch nicht mit Natursud aus Zwiebelschalen, Rote-Beete-Saft oder Kümmelsamen. Die Hennen, die die Biolandwirte aus Spaß an der Freud’ halten, legen die Eier schon bunt.

Welche Farbe hinten rauskommt, hängt mit der Rasse zusammen. Am Hof der Weindls in Krottenthal stakst etwa ein Vorwerkhuhn, braun mit schwarzem Kragen und schwarzem Hinterteil, durch den Stall. Daneben eine fette, fast schwarze, französisch-stämmige Maran-Henne und ein weißes, englisch-stämmiges Sussex-Huhn mit grauem Kragen und feuerrotem Kamm. Alle gehören sie alten, teilweise vom Aussterben bedrohten Rassen an.

„Die Maran-Henne legt die schokobraunen Eier und die Sussex die cremefarbenen“, erklärt Christine Weindl. „Aber nicht die Farbe des Federkleids ist ausschlaggebend für die Eierfarbe, sondern die der Ohrläppchen“, ergänzt Hans Weindl und deutet dabei auf einen kleinen Hautlappen unterhalb des Auges. Bei den „Grünlegern“ oder „Aracauna“ sind diese Läppchen grünlich gefärbt. Die schwarzen Grünleger-Hennen produzieren dunkelgrüne, die weißen hellgrüne Eier, manche sogar eher bläulich-grüne.

Extra gefärbt werden die meisten Eier bei Weindls nicht. Um ihre natürliche Schönheit zu unterstreichen, buttert Christine Weindl sie lediglich nach dem Kochen, damit sie schön glänzen. Nur die weißen Eier tunkt sie traditionell am Gründonnerstag in gelbe und orange Eierfarbe, die braunen in rote und blaue. Das sei schließlich auch für das Brauchtum am „Schnapstag“ wichtig, erklären die Weindls. Da wollte es der Brauch, dass die jungen Mädels bei den Burschen Farbe bekennen. „Schenkten sie ihrem Verehrer am Ostermontag ein blaues Ei, war das eine eindeutige Absage. Beim grünen Ei durfte er sich wenigstens Hoffnung machen, und ein rotes Ei war quasi ein Versprechen, dass was geht“, sagt Hans Weindl augenzwinkernd.

Und auch für die richtige Zubereitung der Eier haben die Hühner-Experten Tipps. Kocht man ganz frische Eier, lässt sich die Schale – selbst wenn gehörig abgeschreckt – nur schwer abpellen. Und die Farbe halte auf ganz frischen Eiern auch nicht sonderlich gut. Eier fürs Osterfest sollten deshalb mindestens drei bis vier Tage lagern, bevor man sie verarbeitet. Da ist frühzeitige Planung angesagt.

Das gilt besonders für Leute wie die Weindls, die ihre Eier von den eigenen Hühnern produzieren lassen. Denn nicht jedes Huhn legt täglich ein Ei. Es gibt Rassen, die haben „nur“ eine Jahresleistung von 140 bis 180 Eiern. Die Eiergröße hängt dabei vom Alter der Henne, der Fütterung und dem Wetter ab. Ein junges Huhn gibt kleine Eier, dann immer größere und am Ende ihres produktiven Lebens wieder kleine und oft etwas schrumpelige. Manche legten auch einfach mal eine Legepause ein. Auch davor werden die Eier kleiner. „Das Allerwichtigste bei der Hühnerhaltung ist das Tageslicht, wegen des Vitamins D 12“, erklärt Hans Weindl. Zusammen mit dem Kalksand, einer Bio-Körner-Mischung und stets frischem Wasser sei die Hühnerhaltung samt erfolgreicher Eierproduktion recht einfach und auch jedem gestattet, der einen Garten besitzt.

Stolz deuten die Weindls auf den sattgelben Dotter eines hartgekochten Eis: schön gelb, nicht orange vom Carotin-versetzten Industrie-Futter, geben sie zu verstehen. Mit ihren elf Hennen und zwei Gockeln, die derzeit bis zu fünf Jahre alt sind (und nicht wie ihre Kolleginnen in der Legebatterie nach zwei Jahren „verabschiedet“ werden), versorgen die Weindls ausschließlich ihre Familie, die mittlerweile aus vier Haushalten besteht.

Nach Ostern, wenn donnerstags beim Lagerhaus Miesbach der Lebend-Hühner-Handel wieder startet und es für das liebe Federvieh auch bald wieder raus in den greifvogelsicheren Auslauf geht, soll es Nachwuchs auf dem Hof der Familie geben: Christine Weindl wünscht sich noch ein Sperber- und ein Appenzeller Spitzhauben-Huhn für ihre kunterbunte Kollektion.

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