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Als grünes Idyll präsentiert sich der Waakirchner Dorfanger jetzt.

Zuschussantrag heiß diskutiert 

Dorfanger: Zu früh für die Bürgerwerkstatt?

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Der Dorfanger, das ist ein Wohnbauprojekt, das Waakirchens Mitte verändern wird. Aber wollen die Bürger das überhaupt? Michael Futschik hat eine Beteiligung angestoßen. Das sorgte im Gemeinderat für Debatten.

Waakirchen – „Nehmen Sie’s doch in die Hand!“, hatte Rathauschef Sepp Hartl (FWG) Michael Futschik bei der Bürgerversammlung zugerufen. Es war die Antwort auf Futschik Antrag, eine Bürgerwerkstatt zum Thema Dorfmitte und Bürgersaal einzurichten. Ein Verfahren zur Bürgerbeteiligung also, wie es in anderen Gemeinden wie Weyarn, Holzkirchen und Gmund schon praktiziert wurde. Futschik, der zur Aktiven Bürgervereinigung (ABV) gehört, verkündete noch bei der Bürgerversammlung einen Termin: Am Mittwoch, 9. Mai, soll um 19 Uhr die Auftaktveranstaltung im Sportheim Kray stattfinden (wir berichteten). Inzwischen laufen die Vorbereitungen. Futschik hat sich inzwischen dreimal mit Schreiben an die Verantwortlichen im Rathaus gewandt. Hartl verlas die Briefe im Gemeinderat.

Im Kern geht es um zwei Forderungen: Futschik wünscht sich eine Präsentation des Dorfanger-Entwurfs von Architekt Hans Hagleitner und eine professionelle Unterstützung für das Verfahren Bürgerwerkstatt. Für Letzteres hat er – auf Empfehlungen aus Gmund – ein Büro im Auge: Identität&Image mit Sitz in Eggenfelden. Für 1500 Euro Honorar würde das Büro die Vorbereitung und Durchführung der Auftaktveranstaltung übernehmen. Diese Kosten, so der Antrag Futschiks, soll die Gemeinde übernehmen.

Eine Gangart, die der Mehrheit des Gemeinderats übereilt erschien. Warum sollten Bürger schon über ein Projekt reden, das sich in der Schwebe befindet? Erst seit wenigen Tagen läuft die EU-weite Ausschreibung der Planung. Die ist angesichts der finanziellen Dimension nötig, was der Gemeinde zuvor nicht klar war. Sie hatte Hagleitner mit einer Planung beauftragt und diese im Grundsatz schon befürwortet. Der Entwurf sieht vier Wohn- und Geschäftshäuser vor. Im Erdgeschoss befinden sich Läden, darüber insgesamt 28 Wohnungen. Dazu gehört eine Tiefgarage mit 80 Plätzen. Die Häuser will die Gemeinde selbst hochziehen und die Wohnungen günstig vermieten. Ein Quadratmeter soll höchstens 8,50 Euro kosten. Möglich ist das Projekt nur, wenn der Freistaat eine satte Förderung ausschüttet. Ob er sie gewährt, ist offen.

Beraten wurde bisher alles nicht öffentlich. Doch im Herbst weihte Hartl die Vorsitzenden der Vereine ein und zeigte ihnen Hagleitners Entwurf. Ein Fehler, wie Georg Rausch (CSU) findet. „Es war nicht richtig, das einem elitären Kreis zu zeigen.“

Fakt ist nun: Mit der Ausschreibung beginnt die Planung von vorn. Hagleitner kann seinen Entwurf einreichen. Doch ob sein Büro oder ein anderes gewinnt, ist vorerst offen. Darum, da war sich der Gemeinderat einig, muss die Skizze jetzt unter Verschluss bleiben.

„Wir müssen vermitteln, dass es um wahnsinnig viel Geld geht, das wir in den Ort holen wollen“, erklärte Gisela Hölscher (FWG). Wenn dies gelinge, könne eine Bürgerwerkstatt der nächste Schritt sein. „Wir müssen doch erst was zum Vorzeigen haben“, bekräftigte Rausch. Derzeit sei es einfach zu früh für eine solche Veranstaltung.

Georg Bachhuber (ABV) sah dies anders. Wenn die Planung vorliege, sei doch alles schon fertig. „Wir wissen ja gar nicht, ob die Leute das akzeptieren.“ Sein Fraktionskollege Rudi Reber pflichtete ihm bei. „Wenn 60 Prozent der Leute sagen, wir wollen da unten nichts, dann können wir uns die Planung sparen.“ Die Gemeinde habe mit dem dritten Schritt angefangen und den ersten ausgelassen. „Wir brauchen die Bürgerbeteiligung“, bekräftigte Martin Weingärtner (ABV). Die 1500 Euro für das Engagement von Identität&Image seien doch „fast geschenkt“.

Alfred Finger (CSU) schüttelte den Kopf. 1500 Euro für einen Abend seien zu viel. „Jeder Vereinsvorstand muss seine Leute selbst motivieren.“ Das müsse für Futschik und seine Bürgerwerkstatt ebenso gelten. Auch Robert Englmann (CSU) empfahl, mit der Auszahlung von Startkapital zurückhaltend zu sein. Knapp setzte sich schließlich Hartls Vorschlag durch, der Bürgerwerkstatt eine kleine Anschubfinanzierung zu leisten und bei Bedarf aufzustocken: Mit 9:8 Stimmen gewährte der Gemeinderat 500 Euro.

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