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Waakirchner Ehepaar wegen mysteriöser Einbrüche in Georgenried vor Gericht

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Um den leerstehenden früheren Bauernhof in Georgenried lagert diverses Holz und Metall (Archivbild).
„Messie-Bauernhof“: Auf dem Anwesen in Georgenried (Archivbild), das nach dem Tod des Eigentümers leer stand, kam es zu mehreren sonderbaren Einbrüchen. © Andreas Leder

Eine ganze Reihe mysteriöser Einbrüche auf einem leer stehenden Hof in Georgenried bei Waakirchen beschäftigt Nachlassverwalter und Justiz seit Jahren. Nun landete ein Ehepaar vor Gericht.

Georgenried – Die Täter schlugen Fenster ein und brachen eine Stalltür aus, klauten wertvolles Pferdegeschirr, das auf einem Acker in Kiefersfelden wieder auftauchte, ließen wertlosen Krempel mitgehen und vergriffen sich am Herrgottswinkel: Fünf Jahre ist es her, dass eine Reihe mysteriöser Einbrüche auf dem Bauernhof eines kinderlos Verstorbenen in Georgenried den Nachlassverwalter und die Strafverfolgungsbehörden beschäftigte. Nun kam’s am Amtsgericht Miesbach zu einem Strafverfahren.

Im Sommer und Herbst 2015 kam es nach dem Tod von Quirinus Staudinger auf dessen leerstehenden Anwesen zu einer Reihe mysteriöser Einbrüche. Auch sechs Kühe wurden mehrmals aus dem Stall „befreit“. Auf einem Zettel gaben sich die Täter als „Tierrettung“ aus. Eine der Kühe brach sich durch den Ausflug ein Bein und musste eingeschläfert werden. Der Nachlassverwalter, Rechtsanwalt Stefan Brandmaier, erstattete damals Strafanzeige. Trotz Überwachungsvideos, die undeutlich drei Gestalten zeigten, zogen sich die Ermittlungen hin. Ende 2018 wurde ein heute 46-jähriger Landwirt aus Waakirchen zu einer Geldstrafe verurteilt, der anhand von Blutspuren am Tatort identifiziert worden war. Ende 2019 ergingen Strafbefehle gegen ein Ehepaar aus Waakirchen. Die Eheleute legten Widerspruch ein, ihr Fall kam nun vors Amtsgericht.

Der 54-jährige Ehemann zog noch vor Beginn der Verhandlung seinen Einspruch zurück und akzeptierte den Strafbefehl doch. Blieb noch die Schuld seiner 52-jährigen Frau zu klären, die dabei gewesen sein sollte, als das Trio laut Anklage im Juli 2015 einen verschlossenen Fensterladen aufhebelte und ein Fenster eindrückte. Mit der Absicht, Gegenstände aus dem Haus zu stehlen, hätten die drei diverse Schmuckstücke, Reichsmark, Silberbesteck, drei Handkörbe und eine Powerstation im Wert von etwa 1000 Euro entwendet.

DNA-Spuren führten auf die Spur der Männer

Die Angeklagte bestritt, das Anwesen auch nur betreten zu haben. „Sie fühlt sich absolut nicht schuldig“, erklärte ihre Rechtsanwältin Anna Grimm. Der Ehemann bekräftigte dies: Der 46-jährige Landwirt habe ihn allein „eingeladen, eine alte Ruine zu besichtigen“. Vor Ort hätten sie sich dann etwas „umgeschaut“. Das Fenster habe aber der Landwirt eingeschlagen. Hier warnte Richter Walter Leitner den Zeugen vor einer Falschaussage: Auf einer Eisenklammer nahe dem Fenster habe man seine DNA-Spuren gesichert.

An Diebesgut konnte sich der 56-Jährige kaum erinnern. Lediglich der Landwirt habe eine Axt und eine Tasse mit 13 Reichsmark mitgenommen. Bei einem zivilrechtlichen Vergleich hätten er und seine Frau sich bereit erklärt, 5000 Euro für die Sachbeschädigung zu zahlen: „Damit da endlich mal Ruhe ist, die Sache geht ja schon so lange.“ Nur das „Abenteuer“ habe gelockt, erklärte der 46-Jährige. Auch er bekräftigte, dass die Frau niemals auf dem Hof gewesen sei, und verließ nach seiner Aussage sichtlich erleichtert den Saal. Die Verhandlung endete schließlich mit einem Freispruch.

10.000 Euro haben das Ehepaar und ein 46-Jähriger schon gezahlt

Das „Abenteuer“ kam die drei jedenfalls teuer zu stehen. Auch der 46-Jährige zahlte beim Vergleich vorm Landgericht München II 5000 Euro an den von Brandmaier verwalteten Nachlass. Das Diebesgut habe er nicht eingeklagt, sagte der Rechtsanwalt im Zeugenstand. Die 10 000 Euro umfassten die Sachbeschädigung, die tote Kuh und seinen Arbeitsaufwand: „Was wirklich alles gestohlen wurde, kann ich gar nicht sagen, das war ja ein Messie-Bauernhof.“

Stefan Gernböck

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