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Ein Tunnel soll das Waakirchner Verkehrsproblem lösen. 

Verkehrsentlastung für Waakirchen

Ein Tunnel: Nur eine Option oder die einzige Lösung?

Es gibt zwei Bürgerinitiativen zum Verkehr in Waakirchen. Beide wollen, dass der Tunnelbau geprüft wird. Aber für die einen ist er die einzige Lösung, für die anderen nur eine Option. Das sorgt für Zündstoff.

 „Waakirchen soll mit einer Murks-Umgehung abgespeist werden“, heißt es in dem Flyer zur Unterschriftenaktion für einen Waakirchner Tunnel. Wie berichtet, hat FWG-Gemeinderätin Gisela Hölscher die Aktion parallel zum jüngsten Beschluss des Waakirchner Gemeinderats in Sachen Verkehr gestartet. Darin fordert das Gremium das Staatliche Bauamt Rosenheim auf, den Bau eines Tunnels als Alternative zu einer Umgehungsstraße zu prüfen.

Für Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) ist die Aktion „eine gute Sache“. Er habe sich schon lange eine Bürgerbefragung gewünscht, meint er. Die Formulierung „Murks-Umgehung“ trifft aus seiner Sicht auch zu. Eine Billiglösung für 6,6 Millionen Euro sei nicht das Richtige. „Das sind nur die Kosten für eine Straße, ohne Einhausung oder Lärmschutz.“

Genau diese Version ist allerdings im neuen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 skizziert und als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft. Über diese Bewertung freut sich die Bürgerinitiative Verkehr sehr. Schließlich hat die Gruppierung jahrelang um eine Entlastung für den Ort gekämpft. „Wir wollen, dass endlich etwas passiert“, erklärt Sprecher Gerhard Voit.

Doch als im Frühjahr 2016 mit dem BVWP-Entwurf eine erste Skizze der Südumgehung öffentlich wurde, gründete sich mit der Bürgerbewegung Entlastung der B 472 eine zweite Gruppierung mit Lars Hülsmann an der Spitze. Sie lehnt eine Umgehungsstraße rundweg ab, will aber auch eine Verkehrsentlastung. „Der Tunnel ist die einzige Lösung“, findet Hülsmann.

Um die durchzukämpfen, hätte Hülsmann die

beiden Bürgergruppen gern vereint. Sein Vorschlag, Hölschers Unterschriften-Aktion gemeinsam zu unterstützen, war Thema eines Gesprächs von Vertretern beider Gruppierungen am Montag. Die Zeichen standen auf Annäherung. Doch am Mittwochabend entschieden die Verantwortlichen der Bürgerinitiative: Sie unterstützen die Unterschriften-Aktion nicht. „Das ist zu viel Geschimpfe auf die Politik“, meint Voit.

Was ihn stört, sind die Anwürfe gegen Verkehrsminister Alexander Dobrindt. Im Text zur Liste führt Hölscher an, der Minister sorge mit teuren Tunnels in Oberau (174 Millionen Euro) und Garmisch (154 und 176 Millionen Euro) bestens für seinen Wahlkreis, während Waakirchen ohne Rücksicht auf Landwirtschaft und Landschaftsschuss mit billigem Murks abgespeist werden solle. „Das ist doch Polemik pur“, findet Voit. „Nicht unser Stil.“

Natürlich plädiere auch seine Initiative dafür, einen Tunnel als alternative Lösung zu prüfen, meint Voit. Doch was letztlich die beste Lösung für Waakirchen sei, müssten die Fachbehörden entscheiden. Sich da einzumischen, stehe Laien nicht zu. Wichtig sei nur, dass Waakirchen endlich vom Verkehr entlastet werde. Das könne auch die Straße sein, findet Voit: „Es muss jetzt etwas kommen.“

Und zwar schnell, wie er findet. Die ganze Pro-Tunnel-Aktion habe doch nur einen Effekt, fürchtet er: „Da wird wieder alles auf die lange Bank geschoben.“

Hülsmann und sein Team legen jedenfalls ab dem morgigen Samstag mächtig los, um die Unterschriften-Aktion richtig in Schwung zu bringen. Ein ganzer Trupp wird von Haustür zu Haustür gehen, um für Unterstützung zu werben. 2500 Flyer hat die Gruppe drucken lassen, um sie im ganzen Ort zu verteilen. Am übernächsten Samstag postiert sich die Bürgerbewegung mit Ständen vor Läsen am Ort, um über ihre Zielsetzung zu informieren. Hülsmann hofft auf viel Resonanz. Aus dem Rathaus hat die Gruppe volle Unterstützung, wie Hartl erklärt. Auch dort liegen Listen zur Unterschrift bereit. Auf Facebook können Unterstützer unter „Tunnel-für-Waakirchen“ ihre Signatur setzen. Und das ist nur der Anfang, wie Hülsmann sagt: „Wir planen auch noch weitere Aktionen.“

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