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Ein Treffpunkt mitten im Ort: Der attraktiv gestaltete Platz wird von fünf Wohn- und Geschäftshäusern umrahmt. Die 29 Wohnungen sind allesamt barrierefrei und werden von der Gemeinde vergeben.

Bürgerversammlung in Waakirchen 

Entwurf für Dorfmitte stößt auf Widerstand

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Fünf Häuser um einen Platz geschart, Läden, Cafés, 29 Wohnungen zum kleinen Preis: So könnte die Waakirchner Dorfmitte aussehen. In einer Bürgerversammlung stellte Architekt Hans Hagleitner seinen Entwurf vor.

Waakirchen– Am Ende platzte Planer Hans Hagleitner schier der Kragen, die Riege der Gemeinderäte und Bürgermeister Sepp Hartl wirkten betroffen. Da hatte gerade eine Handvoll Bürger den mit Stolz präsentierten Entwurf fürs neue Herz des Dorfs zerpflückt und bekam dafür kräftigen Applaus. Als Bürger Gerd Hüfken erhitzt am Mikrofon zur Probe-Abstimmung in der gut besetzten Turnhalle aufforderte, hoben sich nur wenige Hände für eine Bebauung des Grüns im Dorfkern. Kurz zuvor hatte Hans Kinshofer den Gemeinderat vor einem „Riesenfehler“ gewarnt: „Ihr könnt doch nicht den schönsten Platz im ganzen Dorf zubauen.“

Dabei ist das, was Hagleitner bei dieser Bürgerversammlung erstmalsöffentlich präsentierte, das Ergebnis vieler Sitzungen und Zuschuss-Verhandlungen mit der Regierung von Oberbayern. Ein Paket, das eigentlich all die Bürgerwünsche erfüllen soll, die seit einer öffentlichen Sitzung des Ortsplanungsausschusses im Jahr 2015 im Raum stehen. Geplant sind 29 bezahlbare und barrierefreie Wohnungen in fünf Häusern vor allem für Senioren, dazu Läden, Cafés, ein hübsch gestalteter Platz, eine Tiefgarage für 70 Autos. Das Vergaberecht für die Wohnungen hat die Gemeinde. Die Miete soll bei 8,50 Euro pro Quadratmeter liegen. Die Pacht für die Ladeneinheiten ist auf 14 Euro pro Quadratmeter kalkuliert.

An die Chronologie der Planung erinnerte Rathauschef Hartl zu Beginn der Bürgerversammlung. Begonnen hatte alles mit dem Kauf des Bäckervoitls-Anwesens im Jahr 2010. Seitdem befindet sich das gesamte Areal zwischen dem Bauernhof und der Filiale der Kreissparkasse im Besitz der Gemeinde. Aber was soll darauf entstehen?

Damit befasst sich seit 2012 der Ortsplanungsausschuss. Auf die Bürgerbefragung 2015 folgte das Ringen um die Realisierung des Gewünschten. Die Hoffnung auf Mittel aus der Städtebauförderung zerschlug sich. Doch das vom Freistaat neu aufgelegte Förderprogramm für Wohnbau könnte helfen. „Unser Ziel ist es, dass die Senioren bei uns bleiben können“, erklärte Hartl. Auf ihre Bedürfnisse ist das Gros der Wohnungen zugeschnitten. Wie die Gewerbeflächen in den Erdgeschossen der Häuser genutzt werden, ist noch offen. Die Bürger könnten bis Januar Vorschläge dazu machen, meinte Hartl.

Kalkuliert ist das Projekt auf 14 Millionen Euro. Zehn Millionen Euro müsste die Gemeinde finanzieren, knapp vier Millionen Euro schießt der Freistaat zu. Bei der Finanzierung des Gemeinde-Anteils hilft der Staat mit einem zinsgünstigen Darlehen. Fix ist das Finanzpaket noch nicht. Erst wenn ein genehmigter Plan vorliegt, prüft die Regierung von Oberbayern in einer Wirtschaftlichkeitsberechnung, ob das Projekt auch trägt. Aktuell erstellt das Architekturbüro Hagleitner erst die Eingabeplanung.

Bürgermeister Hartl hätte mit der Präsentation des Entwurfs gerne noch gewartet. Aber im Dorf rumort es. Michael Futschik initiierte im Mai eine Bürgerwerkstatt und sammelte seinerseits Vorschläge für die Gestaltung der Dorfmitte. Er beantragte die Bürgerversammlung und setzte sie mit einer Unterschriftenliste durch. Die Ergebnisse der Bürgerwerkstatt trugen die Ideengeber in der Versammlung auch vor. Gerhard Voit wünscht sich ein Heimatmuseum, Michael Bichler zentrale Räume für Vereine, Resi Obermüller mehr Parkplätze für die Kirche und einen Skulpturenpark mit Werken des ortsansässigen Bildhauers Otto Wesendonck. Michael Holzner will mehrere Alternativen zur Gestaltung der Dorfmitte sehen, um die Wahl zu haben. Für ABV-Gemeinderat Balthasar Brandhofer hingegen ist die beste Lösung, alles so zu lassen, wie es ist. Das Grün im Dorfkern sei ein wunderbares Fotomotiv, das es für künftige Generationen zu erhalten gelte. Neue Geschäfte brauche der Ort nicht.

Futschik findet die Bebauung zu mächtig. Er will mit einem Antrag die Arbeit der Architekten stoppen und in eine Dialogplanung eintreten. Der Gemeinderat werde darüber abstimmen, meinte Hartl knapp. Futschik prangerte die Kosten an, die Hagleitners Planung schon verschlungen habe. Es gehe um 250 000 Euro.

Es ist kurz vor 23 Uhr, die Wortwahl wird rau. Hüfken ereifert sich über Flächen, die „verballert“ werden und „rausgeschmissene Kohle“. Hans Hagleitner verlässt die Geduld. Er habe mitnichten 250 000 Euro verdient, macht er klar. Die Summe sei „eine Lüge“, die Neiddebatte unerträglich. „Da werden die Leute aufgehetzt.“ Zum Dialog, lässt Hagleitner wissen, gehöre eine gewisse Augenhöhe. Für die Planung brauche es Fachleute. Das hoch geförderte Projekt sei an ein Zeitfenster gebunden: „Wenn wir jetzt bei Null anfangen, dann wird das nie etwas.“

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