+
Die Pizzeria von Marchetti Romolo ist das einzige Lokal in Schaftlach. Unklar ist, was mit dem Wohn- und Geschäftshaus passiert, in dem es angesiedelt ist. Die Gemeinde will die gastronomische Nutzung sichern. 

Veränderungssperre verhängt 

Gemeinderat will das letzte Lokal in Schaftlach sichern

  • schließen

Das einzige Gasthaus in Schaftlach ist eine Pizzeria. Aber kann sie bleiben? Weil Gerüchte über Verkaufsabsichten durch den Ort wabern, hat der Gemeinderat eine Veränderungssperre gesetzt. Sie soll Baulöwen in Zaum halten – und das letzte Lokal im Dorf retten.

SchaftlachMarchetti Romolo (62) liebt seinen Beruf. 2011 hat er die frühere Bahnhofswirtschaft gepachtet und dort eine Pizzeria eingerichtet. „Das war ein Risiko“, weiß er. In den Anfangsjahren kam es ihm gelegen, dass der Pachtvertrag immer nur ein Jahr lief. Jetzt würde er sich mehr Sicherheit wünschen, eine längerfristige Pacht. „Ich möchte hierbleiben“, sagt Romolo. Acht Angestellte, die Pizzeria läuft gut. An den Ruhestand denkt er nicht: „Ich kann gut noch zehn Jahre arbeiten.“

Aber wie es mit dem Gebäude am Bahnhof weitergeht, ist derzeit offen. Im Ort wird davon gesprochen, die Eigentümerfamilie Kohl wolle das Grundstück mit den vorhandenen beiden Gebäuden verkaufen. Die Schaftlacher sorgen sich, dass ihre Pizzeria am Ende einem Komplex mit schicken Eigentumswohnungen weichen muss. Auch Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) hat davon gehört. „Wir haben versucht, mit der Eigentümerin Kontakt aufzunehmen“, berichtete er im Gemeinderat. Als keine Reaktion kam, entschied er, ortsplanerisch Pflöcke zu setzen. Der Gemeinderat stimmte seinem Kurs bei der jüngsten Sitzung zu. Damit gilt nun eine Veränderungssperre. Heißt: Die Eigentümer dürfen vorerst am jetzigen Zustand nichts ändern. Dies gilt, bis die Gemeinde einen Bebauungsplan über das Gebiet am Michael-Schreiber-Weg gezogen hat. Ziel ist es, die Gastronomie dort zu verankern. Wohnungen – die es dort bereits gibt – sind zusätzlich zulässig.

Nur Hermann Mair (SPD) stemmte sich gegen den Beschluss. „Das ist ja fast eine kleine Enteignung“, meinte er. Er persönlich würde „sich bedanken“, wenn sein Café in Piesenkam plötzlich mit einer Veränderungssperre belegt wäre. „Das ist – um jetzt eine Zahl zu sagen – vielleicht 100 000 Euro wert. Aber mit Veränderungssperre dann nur noch 50 000 Euro.“ Er halte das Vorgehen auch für einen Schnellschuss. Noch stehe ja nichts fest.

Seine Kollegen am Ratstisch widersprachen. „Wir sollten jetzt nicht warten, bis uns ein Plan vorgelegt wird“, erklärte Günther Jeske (FWG). Von Enteignung könne keine Rede sein, meinte Robert Englmann (CSU), von Beruf Richter. Es handle sich um eine für die Öffentlichkeit wichtige Fläche: „Da steht nicht immer das individuelle Interesse der Eigentümer im Vordergrund.“ Dem Gemeinderat bleibe nichts anderes übrig, als jetzt eine Veränderungssperre zu erlassen, urteilte Rudi Reber (ABV): „Sonst ist dort mal alles ausgestorben.“ Wenn eine adäquate Planung vorgelegt werde, stehe dieser ja auch nichts im Wege, machte Balthasar Brandhofer (ABV) deutlich.

Unterdessen ist Pamela Kohl überrascht, dass ihr Eigentum Gegenstand einer Gemeinderatssitzung war. Die Immobilie gehört ihr nicht allein, sie hat einen Bruder. Eine Aussage zu den Zukunftsplänen möchte sie nicht treffen: „Wir haben im Moment keine Ahnung, wohin die Reise führt.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Airbus „Tegernsee“ nach Bodenkollision demoliert - Fliegender Botschafter soll bleiben 
Seit über 25 Jahren hat Tegernsee einen fliegenden Botschafter.  Doch der Airbus der Lufthansa, der den Namen „Tegernsee“ trägt, wird nach einer Bodenkollision …
Airbus „Tegernsee“ nach Bodenkollision demoliert - Fliegender Botschafter soll bleiben 
Gemeinsame Liste steht für Risiko: Brandhofer zieht Antrag auf Einheitsliste zurück
Der Waakirchner Balthasar Brandhofer wollte im Gemeinderat keine Parteien mehr. Trotzdem hat er seinen Antrag, eine gemeinsame Liste für die Kommunalwahl 2020 zu bilden, …
Gemeinsame Liste steht für Risiko: Brandhofer zieht Antrag auf Einheitsliste zurück
Als Bürgermeisterkandidat für Bad Wiessee nominiert: Robert Kühn hat die SPD hinter sich
Die Wiesseer SPD hat Robert Kühn als ihren Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl 2020 nominiert. 
Als Bürgermeisterkandidat für Bad Wiessee nominiert: Robert Kühn hat die SPD hinter sich
Wie von Panzern gemacht: Mäharbeiten an der Weißach laufen aus dem Ruder
Der Rottacher Grünen-Gemeinderat Thomas Tomaschek ist entsetzt: Tiefe Spuren, wie von Panzern gemacht, zeugen auf einer Wiese an der Weißach von Mäharbeiten, bei denen …
Wie von Panzern gemacht: Mäharbeiten an der Weißach laufen aus dem Ruder

Kommentare