Justitia im Gericht
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Zu acht Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 3000 Euro wurde ein Waakirchner verurteilt. (Symbolbild)

Vorwurf der sexuellen Nötigung dagegen wohl nur erfunden

Waakirchner wegen Kinderpornografie-Besitz verurteilt

Ein Waakirchner (37) ist wegen des Besitzes von Kinderpornografie verurteilt worden. Der Vorwurf der sexuellen Nötigung konnte dagegen nicht bewiesen werden.

Waakirchen – Wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material und sexueller Nötigung von Kindern musste sich ein Waakirchner (37) jetzt vor dem Jugendschutzgericht Miesbach verantworten. Laut Anklage wurden auf dem Rechner des Mannes 50 einschlägige Bilder sowie 389 Videos sichergestellt.

Sein Mandant räume diesen Vorwurf ein, erklärte Verteidiger Marc Duchon. Laut einem Gutachten habe er zwar viel pornografisches Material heruntergeladen, lediglich zwei Prozent seien aber einschlägig gewesen. Sein Mandant habe keinerlei kinderpornografische Fantasien. Ihm sei erst jetzt bewusst geworden, dass der Konsum solcher Inhalte auch deren Produktion fördere, und er bedaure sein Verhalten sehr.

Die beiden weiteren Vorwürfe bestritt der Angeklagte jedoch. Zum einen wurde ihm vorgehalten, 2015 die damals zehnjährige Tochter seiner ehemaligen Vermieterin unsittlich berührt zu haben. Das Mädchen habe unter einem Ausschlag gelitten. Als sie zum Schwimmen im elterlichen Pool nur einen Bikini getragen habe, habe der Waakirchner ihr unter dem Vorwand, die Hautirritation zu begutachten, an Oberschenkel und Intimbereich gefasst.

Eine gleichaltrige Freundin sei Zeugin des Vorfalls gewesen. Sie soll 2016 auch Opfer eines Übergriffs geworden sein. Der Angeklagte soll sie an den Handgelenken festgehalten und ihr einen Schlag auf das Gesäß versetzt haben. Die beiden Mädchen hätten sich seinem Mandanten gegenüber sehr frech und beleidigend verhalten, erklärte Duchon. Der Klaps sei die Reaktion gewesen.

Die Berührung am Pool sei wohl absichtlich erfolgt, sagte die heute 16-jährige Haushamerin aus. Selbstbewusst berichtete sie dann von obszönen Bemerkungen seitens des Angeklagten. Als dieser keine Miete mehr bezahlt habe, hätten die Eltern ihm gekündigt. Daraufhin habe der Mann ihr Elternhaus beobachtet und sie verfolgt. „Er hat gedroht, unser Leben zur Hölle zu machen“, gab die 16-Jährige an.

Auf intensives Nachhaken der Verteidigung hin konnte sich die Zeugin an viele Details nicht mehr erinnern. „Sie stellen hier einfach dumme Fangfragen“, erklärte sie schließlich. Die Aussage der Freundin wich dann in einigen Punkten deutlich ab.

Der Hintergrund der Schuldzuweisungen sei in Familienzwistigkeiten zu suchen, erklärte Verteidiger Duchon: Der Waakirchner und seine Frau hätten mit ihren Vermietern anfangs ein freundschaftliches Verhältnis gepflegt. Durch eine Mieterhöhung und einen Prozess wegen Cannabis-Anbaus mit gegenseitigen Beschuldigungen sei aber „der Krieg ausgebrochen“. Quasi als Revanche hätten die Eltern die Mädchen aufgehetzt.

Richter Klaus-Jürgen Schmid verhängte schließlich eine Bewährungsstrafe von acht Monaten und 3000 Euro Geldstrafe für den Besitz kinderpornografischen Materials. Die beiden Vorwürfe sexueller Nötigung wurden wegen widersprüchlicher Aussagen und des Verdachts vorheriger Absprache fallengelassen.

Stefan Gernböck

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